Gewerbeverband
Visionen allein reichen nicht

Die Behörden und Institutionen sollen sich mehr um das Zentrum bemühen. Die Frequenzen ziehen in den Augen der Gewerbetreibenden zunehmd nach Biel, Lyss und Solothurn ab.

Patrick Furrer
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Nicht nur im Zentrum droht der frühe Feierabend

Nicht nur im Zentrum droht der frühe Feierabend

Solothurner Zeitung

Für Präsidentin Brigitte Gürber war es das erste Mal, dass sie sich vor den Grenchner Gewerbetreibenden in ihrer neuen Chefrolle präsentieren durfte. An der Herbstversammlung des Gewerbeverbands gab sie zu, nervös zu sein, doch schon nach den ersten Worten zu den Problemen des ansässigen Gewerbes wich die Nervosität einem inneren Feuer. «Es zeichnet sich eine Katastrophe ab», beschönigte sie nichts. «Bei uns in der Innenstadt stehen die Uhrzeiger fünf Minuten vor zwölf, und rascher als uns lieb ist, zeigen diese Zeiger fünf Minuten nach zwölf.»

Bahnhofstrasse: Einbahn sinnlos?

Ein ausserordentliches Traktandum befasste sich mit der Verkehrsführung in der Stadt. Weil Unsicherheit im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Strassenlage herrscht, nahm sich Stadtbaumeister Claude Barbey die Zeit, die Gewerbler aufzudatieren. Gerüchten zufolge soll die Bahnhofstrasse, welche durch den regen Busverkehr stark belastet ist, zur Einbahnstrasse werden. Eine Befürchtung, welche Barbey in den Wind schlug. «Das würde keinen Sinn machen, davon weiss ich nichts.» Auf eine grundsätzlichere Frage, ob man von den Verkehrsänderungen nach wie vor überzeugt sei, antwortete der Stadtbaumeister mit persönlicher Betroffenheit. «Dass es mit dem Einkaufsort bergab geht, gibt mir persönlich zu denken.» Aber es wäre zu einfach, dies auf die Verkehrs- und Parkplatzsituation zurückzuführen. Allgemein versprach Barbey, an den Verkehrsbeziehungen im Zentrum werde sich momentan nichts ändern und verwies auf das eigentliche Konzept, wonach der Durchgangsverkehr nicht mehr ins Zentrum führen soll. Ein Konzept, woran sich nicht jeder Autofahrer hält. (fup)

Jeder muss mithelfen

Dennoch ist die Präsidentin von Standort und Gewerbe überzeugt. Auf Unterstützung ihrer Vorstandsmitglieder kann sie zählen. Es gebe Leute mit Visionen wie einer Markthalle, einem neuen Warenhaus, einer innovative Gartenausstellung auf dem Marktplatz. Visionen aber, die «leider noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind.»

«Wenn nichts gemacht wird, wird ein Geschäft nach dem anderen schliessen», sagte Gürber. Sie fordert Behörden, Politiker, Banken, Standortmarketing und Wirtschaftsförderung auf, sich mit allen Kräften einzusetzen, um das Gewerbe am Leben zu erhalten. Und sie erwartet von den Gewerblern, aktiv dabei zu sein. «Jeder einzelne Pioniergeist ist gefragt. Wir werden nicht ruhen, bevor die Zeiger der Uhr wieder mindestens zwanzig Minuten vor zwölf zeigen.»

Neue Kunden-Attraktion

Sicher ist: Der Gewerbeverband bleibt dran, wie die Ausführungen von Vizepräsident Markus Arnold zu den kommenden Aktivitäten zeigten. Der Weihnachtsmarkt findet zwischen vom 10. bis 12. Dezember statt. Der neue Verein Weihnachtsmarkt Grenchen kann auf eine breite Trägerschaft aus Vertretern von Stadt, Kirche, Gewerbe, Tourismus und anderen Institutionen zählen. Arnold wies in den Grundzügen auf das attraktive Angebot hin und ermunterte die ansässigen Gewerbler kritisch, sich vermehrt mit einem Stand am Weihnachtsmarkt zu engagieren.

Am 12. und 19. Dezember ist Sonntagsverkauf, am 22. Dezember der einzige Abendverkauf. Brigitte Gürber und Markus Arnold betonten, man wolle künftig «aufregend anders als alle anderen sein». Unter anderem soll das mit einer neuen Aktion geschehen, namens «Wir rollen für Sie den roten Teppich aus». Teilnehmende Geschäfte sollen die Kundschaft mit einer Würfelaktion anlocken. Je nach Würfelglück sind so bis zu 12 Prozent Rabatt möglich. Diese Aktion findet am 12. und 19. Dezember statt.