Die Männer schlagen zurück. Und wie. Nach dem Kult-Hit «Heisse Zeiten – Wechseljahre. Weiblich, 45plus – na und!?!» zeigt das starke Geschlecht nun auf, wie eine Midlife-Krise zu meistern ist. In «Mann über Bord» treffen sich vier nicht mehr ganz taufrische Freunde am Bodensee zum Angler-Wochenende:

Ein Womanizer mit Frau und schwangerer Freundin, dem zudem die Steuerfahndung im Nacken sitzt; ein nur vermeintlich Schwuler, der beruflich auf dem Abstellgleis steht; ein frustrierter kettenrauchender Ehemann, der sein Familienleben von einem Latin Lover bedroht sieht und ein zu Allergien neigender Eigenbrötler, dessen Dating-Versuche einfach nicht fruchten wollen.

In pointierten, witzigen Dialogen und etlicher Situationskomik wird ausgebreitet, was Mann in diesem Alter umtreibt. Blaue Pillen, Darmspiegelung, Prostata-Vorsorgeuntersuchung spielen dabei ebenso eine Rolle wie allgemeine existenzielle Ängste. Kleinere und grössere Geheimnisse werden enthüllt, man zofft sich ein bisschen, verträgt sich aber wieder und natürlich darf ein kollektives Besäufnis nicht fehlen.

Besonders zu gefallen wissen die hinreissenden Musik-und Tanznummern. Ulrike Brambeer hat zu Hits aus dem populären Genre feine, oft lyrische Texte verfasst. So singen, tanzen und reden sich die Protagonisten über zwei Stunden lang die diversen Krisen in ihrem Leben vom Leibe.

Es wird geprahlt und geblufft, mit Halbwahrheiten hantiert, um schliesslich einzusehen, dass Aufrichtigkeit angesagt ist. Als sich ein jeder den Brisen und Stürmen seines Daseins stellt, reinen Wein einschenkt, naht die Rettung. Schliesslich hat man ja Freunde, mit deren Hilfe jede noch so hoffnungslos scheinende Situation gemeistert werden kann.

Jede(r) eine Experte ...
«Mann über Bord» ist ein bezauberndes Hohelied auf die Männerfreundschaft. Dass dabei das eine oder andere Klischee bedient wird, ist wohl unvermeidlich. Männlein wie Weiblein im Publikum amüsierten sich auf jeden Fall prächtig, wie die diversen Sympathiebekundungen während und nach dem Stück eindrücklich aufzeigten.

Ein Beleg auch für die starke schauspielerische Leistung und nicht zuletzt dafür, dass die Macher des Stückes den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen haben. Schliesslich sassen in den Zuschauerreihen vornehmlich Expertinnen und Experten.