Grenchen

Vielbeschäftigter 19-Jähriger: «Etwas Ausprobieren gehört dazu»

Elias Meier mit Theodolith und Elektroauto.

Elias Meier mit Theodolith und Elektroauto.

Elias Meier ist ein vielbeschäftigter Mann. Er lässt sich zum Primarlehrer und Geometer ausbilden, macht sich als Referent einen Namen und ist auch noch Präsident von Pro Grenchen. Der 19-Jährige geht auch gerne auf Schatzsuche.

Quasi aus dem Nichts ist letztes Jahr ein junger Grenchner ins Rampenlicht getreten. Wer ist der junge Mann, der als Präsident von Pro Grenchen an vorderster Front gegen das Windkraftwerk kämpft?

Die Antwort hat viele Facetten: Elias Meier verbindet unterschiedliche Welten miteinander. Beruf und Hobby gehen bei ihm nahtlos ineinander über. Nach der landesweit besten eidgenössischen Matura letztes Jahr bildet er sich parallel zum Primarlehrer sowie zum archäologischen Geometer aus und erforscht die Raumplanung unserer keltischen Vorfahren.

Elias Meier präsidiert den jungen Verein Pro Grenchen, engagiert sich im Vorstand der Vereinigung für Heimatpflege Büren und sitzt im Stiftungsrat der Bendicht- Moser-Stiftung, die die Erben des verstorbenen archäologischen Geometers aus Diessbach gegründet haben. Während andere 19-Jährige noch mit Lernen ausgelastet sind, erstellt Meier ein Inventar der vorrömischen Besiedlung in der Schweiz.

Durch Vorträge zur antiken Raumplanung vor Schülern und Erwachsenen ist er auf dem besten Weg, sich als Referent einen Namen zu machen. «Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel anfange», sagt er und lacht. «In meinem Alter gehört das Ausprobieren dazu.» Seine jüngste Entdeckung: Das Talent Porträts zu zeichnen, das er mit der Präzision seiner Topografiezeichnungen in Zusammenhang bringt.

Im Elektromobil unterwegs

Sein ganzes Leben hat der junge Grenchner mit zwei älteren Schwestern im selben Haus verbracht, in der geschichtsträchtigen ehemaligen Michel-Villa an der Däderizstrasse. Dabei ist er alles andere als ein Stubenhocker. In mehreren Leichtathletikdisziplinen hat er als Junior Titel an kantonalen Meisterschaften geholt. Dass er sich nicht auf den Spitzensport spezialisiert hat, erklärt er mit dem Verschleiss, den er in dieser Szene gesehen hat. «Sport soll Spass machen und der Gesundheit dienen.»

Wenigstens zwei Mal pro Woche packt Elias Meier seinen Theodoliten (Instrument zur Landschaftsvermessung) und Fachliteratur in seinen zweiplätzigen Renault Twizy und geht allein oder mit seinem Mentor, dem pensionierten Geometer Ruedi Glutz, auf Entdeckungsreise in der Natur um die Uhrenstadt. So hat Elias Meier bei der Burgruine in der Nachbargemeinde Romont mehrere Nebengebäude entdeckt. Weitere Funde werden derzeit vom archäologischen Dienst geprüft.

Faszination des Entdeckens

«Es ist unglaublich, wie viel die Helvetier uns hinterlassen haben, das unbeschadet im Boden gefunden werden kann. Für mich ist das wie eine Schatzsuche», begeistert Meier sich für sein Steckenpferd. «Das ist der Tatsache zu verdanken, dass die Kelten auf Anhöhen gesiedelt haben, an Orten, an denen wir selten Häuser hinstellen.» Zur einsamen Beschäftigung mit Jahrtausende alten Steinen bildet sein Berufswunsch «Primarlehrer», der überdies bei Männern selten geworden ist, einen interessanten Kontrast.

«Ich will etwas von diesem Feuer des Entdeckens den Schülern vermitteln, und von meinen bisherigen Einsätzen weiss ich, dass die Kinder einem aufgestellten Tausendsassa gern zuhören. Ausserdem habe ich Freude an Mathematik und Deutsch und den übrigen Fächern im Lehrplan. Ich brauche die Abwechslung.» Um beim Bild der Schatzsuche zu bleiben: Als angehender Lehrer sieht Elias Meier den Schatz in der Reaktion der Kinder, in ihren Fragen und Vorschlägen.

Kampf für das Stadtbild

Dass er kürzlich mit Widerstand gegen mehrere Abbruch- und Bauprojekte in Erscheinung getreten ist, will Elias Meier nicht als Ausdruck von konservativen Ideen verstanden wissen: «Ich möchte erreichen, dass die Grenchner Bevölkerung Solidarität zeigt zur Stadtplanung. Gerade, weil wir keine Altstadt haben, sollten die Brüche aus der Zeit der Industrialisierung ästhetisch erhalten werden. Häuser, die nebeneinander stehen, sollen einander nicht blossstellen.» Ein gelungenes Beispiel für stimmige Brüche habe er daheim, mit der Fabrik im Garten der Villa und dem Ökonomiegebäude direkt daneben.

Die Opposition gegen den Windpark sei aus anfänglicher Begeisterung entstanden. «Ich habe den Umweltverträglichkeitsbericht studiert. Da gibt es für mich zu viele Ungereimtheiten und Löcher, beim Vogel- und Trinkwasserschutz, beim Infraschall und beim Lärm. Am meisten hat mich gestört, dass die Bevölkerung nicht mitreden darf.» Im ganzen Mittelland, gibt er weiter zu bedenken, gebe es nur noch wenige lärmfreie Oasen, die Hasenmatt etwa, die Mitte des Bielersees und eben den Obergrenchenberg. «Mit der Gründung von ‹Pro Grenchen› wollten wir eine Diskussion zum Windpark anstossen und das ist uns gelungen.»

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