Die jüngste Gemeindeversammlung wird mir nachhaltig in Erinnerung bleiben. Rund 250 stimmberechtigte Grenchnerinnen und Grenchner füllten das Parktheater und sorgten für eine repräsentativere Stimmenzahl als in der Vergangenheit. Ob Karin Bauers Dokumentarfilm und die im Nachgang entstandene Kontroverse Spuren hinterlassen haben? Ich wünschte es mir.

Während die Jahresrechnungen der Stadt und der Städtischen Werke (SWG) von den StimmbürgerInnen zügig durchgewinkt wurden, erwies sich die «Motion Statutenänderung SWG» von Elias Meier als ein Traktandum mit Sprengkraft. Auch wenn seine Motion aus Sicht der SP übers Ziel hinausschoss, förderte sie bei Teilen der Bevölkerung offene Fragen zutage: So fehle der von der SWG erworbenen Baufirma «Panaiia und Crausaz» der Konkurrenzdruck. Dies zeige sich in der Qualität und Dauer ihrer Arbeiten. Die SP wird diese Fragen im Gemeinderat thematisieren.

Unerwartet deutlich trat an diesem Abend ein weiteres Phänomen auf: Das Misstrauen gegenüber den gewählten Vertretern der Stadt. Die SWG ist seit der Entlassung in die wirtschaftliche Selbstständigkeit eine Erfolgsgeschichte. Sie ist innovativ, suchte und fand mit einer kreativen Geschäftsstrategie den Erfolg. Die klamme Stadt profitiert seit Jahren, ebenfalls ihre kulturellen Einrichtungen und Vereine. Nacheinander dokumentieren und erklären der Finanzverwalter, der Vize-Stadtpräsident sowie der Verwaltungsratspräsident der SWG den Sachverhalt. Ein Teil der Gemeinde traut den Argumenten nicht. Warum?

Meine Vermutung ist die: Menschen in verantwortungsvollen Positionen missbrauchen mit einer penetranten Regelmässigkeit schamlos den Vertrauensvorschuss und ihre Machtposition. Sie unterliegen den Reizen des kurzfristigen Erfolges und den damit einhergehenden Boni. Die Ereignisse bei der Post, bei den Banken oder der Diesel-Skandal bei der deutschen Auto-Industrie lassen grüssen. Manager und Spitzenpolitiker «vergessen», dass «Adel verpflichtet». Die Wirkung ist fatal, die Glaubwürdigkeit der sogenannten «Elite» schwindet wie die Gletscher in den Alpen. Die Vertrauensgesellschaft mutiert zu einer Misstrauensgesellschaft.

«Nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohle der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.» Diesen Eid haben auch die Mitglieder der Exekutive dieser Stadt geleistet. Ihm fühle ich mich, fühlen wir uns verpflichtet. Ich finde die Bereitschaft gefährlich, Tatsachen grundlos als falsch oder manipulativ abzutun. Pauschales Misstrauen und unausgesprochene Unterstellungen zermürben die Politkultur und schwächen den Gemeinsinn. Freie Meinungsäusserung ist ein zentrales Instrument in der direkten Demokratie, sie darf jedoch eine ernsthafte und differenzierte Auseinandersetzung nicht ersetzen.