Die Pläne der Baudirektion, fünf inzwischen ansehnlich grosse Bäume im unmittelbaren Stadtzentrum zu fällen (wir berichteten), hatte die Lancierung einer Petition im Internet zur Folge. Gemeinderätin Nicole Hirt (GLP) startete auf dem Portal petitio.ch am 15. Juni eine Unterschriftensammlung. Um ein Schreiben im Namen der Unterzeichner an die Behörden auszulösen, sind für eine Stadt in der Grösse von Grenchen 200 Unterschriften innert Monatsfrist notwendig.

Die Petition «Rettet die Robinien an der Solothurnstrasse» hat bis 15. Juli 206 Unterschriften auf sich vereinigt und damit das Soll erreicht, wenn auch relativ knapp. Verglichen mit lediglich einer Handvoll Unterschriften, welche dieselbe Urheberin auf dieser Plattform für ein Moratorium von 5G-Antennen zusammenbrachte, muss dies als Erfolg gewertet werden.

Sammlung erfolgte allein im Internet

Nicole Hirt zeigt sich auf Anfrage erfreut, dass die Petition (aus technischer Sicht) zustande gekommen ist. Zusätzliche «physische» Unterschriften habe sie aufgrund von Zeitmangel nicht sammeln können, auch wenn sie wiederholt nach Unterschriftenbogen gefragt worden sei. «Als Lehrerin hatte ich mich Mitte Juni mit dem Ende des Schuljahres und der Notengebung zu befassen, da lag das Unterschriftensammeln nicht auch noch drin.»

Auch so wird die Stadt demnächst ein Schreiben mit dem Petitionstext und den gesammelten Unterschriften erhalten. Laut Nicole Hirt wäre es unverzeihlich, die fünf Robinien zu fällen. «Abgesehen davon, dass es die einzigen Bäume im Stadtzentrum an der Solothurnstrasse sind, wären auch die Fassaden, die bei ihrem Verschwinden sichtbar werden, nicht gerade eine Augenweide. Wir bitten die Behörden, diesen massiven Eingriff doch nochmals zu überlegen.»

«Gestaltungsplan schreibt Bäume vor»

Überdies, so Hirt weiter, mache die Stadt möglicherweise sogar etwas Illegales. «Im rechtsgültigen Gestaltungsplan für dieses Gebiet sind diese Bäume eingezeichnet, sie können nicht einfach beseitigt werden», betont Hirt. Die als Ersatz vorgesehenen mit Efeu überwachsenen Stelen seien auf jeden Fall nicht gleichwertig.

Doch wie kann der betroffene Garagist, der offenbar die Diskussion um die Beseitigung der Bäume ausgelöst hat, schadlos gehalten werden? Der von Nicole Hirt in der Petition formulierte Tipp, er solle doch seine Autos auf dem Marktplatz ausstellen, ist jedenfalls nicht ernst gemeint, wie Hirt selber bestätigt.

Als realistische Lösung schlägt sie indes vor, die Garage soll für ihre Ausstellungsfahrzeuge einen Carport oder ein Schutzdach bauen, um die Autos vor der Biomasse der Bäume zu schützen.

Garagist Roger Hegelbach will zur ganzen Sache gar nichts mehr sagen. «Ich bin jetzt sowieso schon der Buhmann.» Es gehe um mehr als nur ein paar Blätter, wie jetzt rumerzählt werde.

Laut internem Terminplan der Stadtgärtnerei ist die Baumfällaktion Anfang September vorgesehen. Es bleibt also genug Zeit, dass die GRK das Anliegen an ihrer ersten Sitzung nach den Ferien am 21. August noch behandeln kann. Mit freilich ungewissem Ausgang.

Einheimische Bäume parat für den Klimawandel?

Stadtgärtnerei-Leiter Patrick Nyffenegger meint, dass für die gefällten Bäume andernorts in der Stadt mindestens gleich viele Bäume frisch gepflanzt würden. Infrage käme dafür beispielsweise der Stadtpark oder auch der Friedhof, wo ohnehin der Ersatz von mehreren Bäumen vorgesehen sei.

Welche Art von neuen Bäumen man pflanzen soll, ist derzeit noch offen. «Man spricht bisher immer von einheimischen Pflanzen, doch die sind unter Umständen vom Klimawandel her gesehen nicht mehr optimal.» Die Bäume sollten mit Hitze und Wassermangel zurechtkommen. «Ich würde jetzt mal von europäischen Pflanzen sprechen und denke dabei eher an den Süden Europas», meint Nyffenegger.