Auf einen Kaffee mit...
Veronika Scheidegger: «Faule Sprüche über François tun weh»

Ihr Mann fordert Boris Banga heraus und will Grenchens Stadtpräsident werden, sie setzt sich im Wahlkampf für ihn ein. Wir wollten mehr über die 45-jährige Veronika Scheidegger wissen und trafen sie auf einen Kaffee.

Theodor Eckert
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Veronika Scheidegger unterstützt ihren Mann im Wahlkampf. (szr)

Veronika Scheidegger unterstützt ihren Mann im Wahlkampf. (szr)

Mit Sonnenblume in der einen und Wahlprospekt in der anderen Hand geht sie auf Marktbesucher zu. Sie lächelt, sie schüttelt Hände, sie spricht mit den Menschen. Veronika Scheidegger versteckt sich nicht. Sie setzt sich öffentlich für ihren Mann François ein, damit er am 22. September Grenchner Stadtpräsident wird.

Wir «entführen» die zweifache Mutter und Familienfrau kurz zu einem Kaffee gleich um die Ecke. Völlig entspannt wirkt sie nicht, zumindest am Anfang des Gesprächs. Es gehe doch gar nicht um sie. Ihr Mann trete zur Wahl an und sie unterstütze ihn lediglich. Aber sie versteht das Interesse an ihrer Person. Versteht, dass die Familie des möglichen künftigen Stadtpräsidenten durchaus ein Thema ist. Dass erst dadurch das Bild des Kandidaten vervollständigt wird. Die Blumenaktion hat die 45-Jährige von sich aus organisiert: «Ich wollte nicht bloss Flyer verteilen.» Mehrere Kolleginnen helfen ihr dabei.

Das könne ganz schön hart sein, dieser Kontakt eins zu eins auf der Strasse: «Wenn jemand das Plakat betrachtet und dabei kaltschnäuzig sagt, den wähle ich sicher nicht, dann muss ich manchmal schon zweimal tief durchatmen», erklärt sie mit einer sichtlichen Betroffenheit. Nach einer kurzen Pause schmunzelt sie: Wenn sie sich in solchen Situationen zu erkennen gebe, stutzten die meisten zuerst, worauf oft doch noch ein gutes Gespräch zustande komme. Insgesamt reagierten die Passanten positiv und die Rückmeldungen auf die Kandidatur ihres Mannes seien erfreulich. Erfreulicher als manche Schlagzeilen in den Medien, fügt Veronika Scheidegger mit kritischem Blick an.

Wir bitten um ein Beispiel.«Farbloser Herausforderer» sei so eines. «Da schreiben Leute über meinen Mann, die ihn gar nicht kennen. Die haben das doch nur irgendwo aufgeschnappt.» Gleiches gelte für weitere, weniger schmeichelhafte Charaktereigenschaften. Ihr Mann sei nun einmal kein Showmann und Selbstdarsteller. Dafür sei er verlässlich und verfüge er über ein hohes Mass an Selbstbeherrschung, «er flippt nicht gleich bei jeden Ungemach aus». Bei diesen Worten gibt sich die gelernte Tiefbauzeichnerin kämpferisch und ergänzt schliesslich mit einem Lächeln: «Wenn jemand wirklich weiss, wie er ist, dann bin ich es.»

Wenn wir schon beim Kropflehren sind, Frau Scheidegger, gibt es noch weitere bleibende Erfahrungen, die Sie während des Wahlkampfes gemacht haben? Sie muss nicht lange überlegen: Da sei einmal der Vorwurf, dass man François zu wenig in der Öffentlichkeit sehe. Dabei seien sie doch viel unterwegs, Wochenende für Wochenende an Veranstaltungen und Anlässen. Gereist werde dabei im Camper, der nicht zuletzt als Rückzugsmöglichkeit für die 6- und 10-jährigen Kinder diene. Die Familie habe bei Scheideggers einen hohen Stellenwert, was bei den vielen berufsbedingten Abwesenheiten des Vaters manchmal schon zu Reklamationen der Kinder führe. Sie geht davon aus, dass dies mit Arbeitsplatz Grenchen etwas besser würde.

Dabei kommt sie zurückauf die angeblich mangelnde Präsenz des Mannes: «Man sollte nicht vergessen, dass er neben dem Wahlkampf einem anspruchsvollen Beruf am Gericht in Solothurn nachgeht. «Wenn er abends um 21 Uhr nach Hause kommt und eine halbe Stunde später klingelt das Telefon, er möchte doch noch rasch in einem Lokal aufkreuzen, weil es dort gerade viele Leute habe, dann geht das mit der Zeit schon an die Substanz.» Ja, der Wahlkampf sei zuweilen anstrengender gewesen, als sie sich das vorgestellt habe. Auf den Hinweis, dass es bezüglich Dauerpräsenz nach einer möglichen Wahl wohl nicht wesentlich besser werde, meint Veronika Scheidegger, es würde bestimmt ruhiger und eine Siebentage-Vierundzwanzigstunden-Verfügbarkeit könne selbst von einem Stadtpräsidenten kaum dauerhaft verlangt werden. Auch in diesen Job brauche man Erholungsphasen. In diesen geniesse die Familie ganz gerne Grenchen und die nähere Umgebung.

Seit zehn Jahren in der Uhrenstadt wohnhaft, schätzen Scheideggers die kurzen Wege, die Einkaufsmöglichkeiten und das Naherholungsgebiet der Uhrenstadt. Es lebe sich sehr gut hier. Jetzt blickt sie beiläufig kurz zweimal auf die Uhr und lacht verschmitzt: «Ich muss jetzt wieder zurück an meinen Stand, die Wahl ist noch nicht entschieden.»