Grenchen
Vermisstensuche: Grenchen hat nun auch eine Suchhundegruppe

Die Stadt Grenchen und der Zivilschutz bekommen eine eigene Mantrail-Suchhundegruppe – erste Trainings laufen bereits. Vorbild ist der Tessiner Zivilschutz, der schon seit Jahren mit Hunden arbeitet.

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Schutzhunde in Grenchen: Zivilschützer sind auf den Hund gekommen
12 Bilder
Auch die Hunde brauchen ihr Gestältli
Remo Schneider und sein Hund suchen nach der Vermissten
Die sechs Meter lange Arbeitsleine
Das Belohnungs-Futtersäcklein ist immer mit dabei
Zur Belohnung erhält Hund Duke sein Futtersäcklein
Hund Scalloway's Duke ist auf der richtigen Spur
Kommandant Remo Schneider und Duke
Reto Tschan mit seinem Rüden J.J.
Bloodhound Darwin macht sich Gedanken
Die vermisste Person wurde gefunden
Hund und Herrchen in den Startlöchern

Schutzhunde in Grenchen: Zivilschützer sind auf den Hund gekommen

Patrick Furrer

Der Zivilschutzkommandant hält seinem Hund ein Säcklein mit der Duftprobe der gesuchten Person an die Schnauze, und kaum hat der Belgische Schäfer die Witterung aufgenommen, geht es zügig los. Wo der Vierbeiner eine Spur hat, zieht er kräftig an der Leine und gibt die Richtung vor.

Merkt er, dass eine Strasse oder eine Gasse keine Duftspur aufweist, kehrt er um und sucht weiter. Ausser Kommandant Remo Schneider weiss auf dieser Übung keiner, wo sich die vermisste Frau befindet, doch keine zwanzig Minuten später wird die Figurantin wohlbehütet aufgefunden.

Der Hund hatte den richtigen Riecher und erhält zur Belohnung als Leckerli ein wenig «Le Parfait» aus der Tube, was er gierig und stolz aufschleckt. Der «Trail» (Englisch für Strecke) ist geglückt. Auch bei einem echten Einsatz hätte der Hund die Person gefunden, wäre sie nun ein gesuchter Verbrecher oder ein verunfallter oder verschütteter Vermisster gewesen. «Im Ernstfall weiss keiner ausser dem Hund, wo es durchgeht», sagt Remo Schneider.

Ziel ist professionelle Truppe

Namen wie Scalloway's Duke, Chica, Darwin, Joventino, J. J. oder Mira tragen die neuesten Mitglieder der regionalen Zivilschutzorganisation Grenchen. Dass sie alle den besseren Riecher als die langjährigen, gestandenen Zivilschützer haben, versteht sich bei den vierbeinigen Aspiranten von selbst.

Unter der Anleitung von Kommandant Schneider wird seit wenigen Monaten am Aufbau einer eigenen Personensuchhundetruppe - im Hündelerjargon «Mantrailer» - gearbeitet. Noch läuft das Ganze an der Trainingsleine. «Unser Ziel ist aber eine professionelle Suchhundetruppe», sagt Kommandant Schneider, «ähnlich der Mantrailingabteilung beim Tessiner Zivilschutz, der seit Jahren erfolgreich mit Suchhunden arbeitet.» Angedacht ist, dass die tierischen Schnüffler erst beim Zivilschutz, später auch bei anderen Notdiensten eingesetzt werden.

Die Idee dazu kam von Projektleiter Schneider, der damit vor zirka einem Jahr bei Stadtpräsident Boris Banga an die Tür klopfte. Schneider arbeitet mit seinem Vierbeiner Scalloway's Duke seit dessen jungen Jahren privat in Hundekursen. Der dreieinhalbjährige belgische Schäfer stammt aus einer Zucht aus Welschenrohr. Zwei von drei möglichen Trainingsstufen haben er und sein Herrchen erreicht.

Nebst Bluthund Darwin von einem anderen Zivilschützer ist Duke der Erfahrenste der Truppe. Drei Anfänger- und drei Fortgeschrittenenhunde zählt der Trupp aktuell. Weisse und belgische Schäferhunde, ein Dobermann, ein Hirtenhund und ein Bluthund sind darunter. Geführt wird jeder Hund von seinem Besitzer.

Mantrailing bedeutet Teamwork

Seine Erfahrung als Hundeführer konnte sich Remo Schneider in vielen Kursen - unter anderem in einem Zweitagesseminar im Schwarzwald und drei Seminarwochen im Tessin aneignen. Die Trainings in Grenchen, die beim «Eichholz» und in anderen Gebieten der Stadt durchgeführt werden, sind jedes Mal durchgeplant.

«Wir nutzen für die Trainings den Spieltrieb der Hunde und kombinieren diesen mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn», erklärt Schneider. Nebst Motivationstrainings, in denen die Hunde einfache Suchaufgaben zu lösen haben, werden eben auch längere, anspruchsvollere Trails begangen.

Dort geht es darum, einem Geruch bis zur gesuchten Person zu folgen, was zumindest mit den Fortgeschrittenenhunden in aller Regel klappt. Wichtig sei, dass Mensch und Tier als Team funktionieren. Beide müssen sich aufeinander verlassen können. Der Hund muss selbstständig sein, aber immer auch gehorchen, erklärt Schneider.

Was aber motiviert ihn selbst, seinem Hund «Duke» so viel eigene Zeit zu spenden? «Ich bin stolz auf Duke und ich habe grosse Freude daran, dass er so etwas kann. Ausserdem ermögliche ich ihm durch die regelmässigen Trainings ein ausgefülltes und zufriedenes Leben.»

Ohne seine Frau - das müsste er noch betonen - würde er das allerdings nicht schaffen, denn sie beschäftige sich ebenfalls sehr oft mit dem Hund und dessen Ausbildung. Letztlich hätten alle etwas davon, meint Remo Schneider. «Und am Ende des Tages sind Tier und Menschen zufrieden.»

Dem Aufbau einer Suchhundetruppe liegt übrigens ein von Remo Schneider erarbeitetes und vom Stadtpräsidium bewilligtes Konzept zugrunde. Schneider plant ab 2012 bereits mit einem fixen Training pro Monat. Die Vorzeichen stehen gut, das Engagement ist vorhanden. Und doch ist es noch ein mächtiges Stück Arbeit, das auf Remo Schneider und seine Zivilschutzkollegen zukommt. Und natürlich vor allem auf die, mit dem richtig guten Riecher.

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