Grenchen
Verheerende Feuerwalze vernichtete Kirchturm vor 150 Jahren – war es Brandstiftung?

Vor genau 150 zerstörte ein Grossbrand in Grenchen mehrere Häuser und den Kirchturm. Ein ungünstiger Wind trieb das Feuer die Kirchstrasse hinab. Die Brandursache ist bis heute unklar – doch es gibt Vermutungen.

Rainer W. Walter
Merken
Drucken
Teilen
Der wieder aufgebaute Kirchturm gefiel nicht allen. Später wurde die Haube verkürzt.

Der wieder aufgebaute Kirchturm gefiel nicht allen. Später wurde die Haube verkürzt.

Archiv Rainer W. Walter

Es geschah am 14, Mai des Jahres 1868. Die Uhr am Kirchturm zeigte ein letztes Mal die Zeit 16.30 Uhr, als im Strohhaus des Anton Schild Feuer ausbrach. Anton Schild war Besitzer der Garnbuchi, der in seinem Anwesen eine Lehrwerkstatt für angehende Uhrmacher und Uhrmacherinnen einrichtete. Damit war er ein Pionier der Grenchner Uhrenproduktion. Sein Sohn Urs Schild gründete 1856 die ETA.

Doch zurück zum Brand. Ein unglaublich starker Bergwind trug das Feuer mit grosser Schnelligkeit die Kirchstrasse hinab der Kirche zu. Auf seinem Weg setzte die Feuerwalze die Häuser von Oberrichter Gast, Clemenz Güggi, Franz Gast und Eusebius Luterbacher in Brand. Diese fünf Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Das Feuer erreichte die Kirche und vernichtete den Turm. Die Kirche selber konnte dank des Einsatzes der Feuerwehr gerettet werden. Der Turmhahn fiel in den Garten der Familie Schild-Rust.

Spontane Hilfe aus Biel

An der Löscharbeit waren mehrere Feuerwehren mit mehr als 20 Spritzen beteiligt. Mehrere Feuerwehrmannschaften auch aus den benachbarten Gemeinden eilten zu Hilfe. Besonders erwähnt werden in der Chronik die Männer des Brandkorps aus Biel. Als diese hörten, dass in Grenchen ein grosser Brand ausgebrochen sei, organisierten sie einen Extrazug und kamen den Grenchnern zu Hilfe. Man stelle sich das vor! Es scheint sich zu bewahrheiten, dass in der Vergangenheit etliches rascher und unbürokratischer erledigt werden konnte.

In den fünf abgebrannten Häusern lebten acht Familien, die all ihr Hab und Gut verloren. Nur fünf der betroffenen Familien waren versichert. Die Brandmauern des Kirchturms und der niedergebrannten Häuser liess die Gemeinde in Fronarbeit abbrechen. Schliesslich wurde auch der Kirchturm wieder aufgebaut und mit einer neuen Uhr ausgerüstet. Die Feuerversicherung leistete an die Kosten einen Anteil von 30'260 Franken. Das notwendige Bauholz wurde von der Gemeindekasse bezahlt. Beim Wiederaufbau benützte die Gemeinde die Gelegenheit und verbreiterte die Strasse bei der Kirche um 21 Fuss.

Die Abklärungen über die Ursachen des Brandes liessen vermuten, dass Brandstiftung im Spiel gewesen war. Dies, weil der Brand zu einer Zeit ausgebrochen war, als noch keine Lichter angezündet wurden. Erwiesen ist allerdings bis heute nichts.