In den letzten Tagen flatterte in viele Haushalte der Stadt ein Flugblatt des Vereins Pro Grenchen, auf dem vor den neuen Wasser-, Gas- und Stromzählern der Städtischen Werke Grenchen (SWG) gewarnt wird.

Diese sogenannten Smart Meter senden automatisch die Verbrauchswerte der Kundinnen und Kunden zur SWG. Diese Daten könnten das Angriffsziel von Hackern werden oder von der SWG missbraucht werden, schreiben die Verfasser des Flugblatts. Man könne so jeden Haushalt individuell überwachen, «man erkennt, wann jemand zu Hause ist, ob er kocht oder wann jemand nachts aufsteht».

Das Risiko, dass die Daten von Dieben und Hackern abgefangen würden, sei unklar. Ausserdem bestehe die Gefahr, dass die SWG selber die Kunden manipulieren könne, individuelle Strompreise berechne oder die Daten verkaufe. Durch die über Funk übertragenen Daten steige die Strahlenbelastung in jedem Haushalt stark an, was Kopfschmerzen, Haarausfall, regelmässige Hörstürze, Tinnitus, ständige Entzündungen, Schlafstörungen und andere Beschwerden zu Folge haben könne.

Einen Tag nach der Flugblattverteilung legte Pro Grenchen noch mit einer Pressemitteilung nach, in welcher der Verein weitere Vorwürfe an die SWG richtete: Diese habe die Konsumenten «bewusst über die Möglichkeiten und Risiken der flächendeckenden Installationen wohlwissentlich im Dunkeln gelassen».

SWG-Chef wehrt sich

Vorwürfe, welche Per Just, Geschäftsleiter der SWG, so nicht auf sich sitzen lassen will: «Pro Grenchen operiert mit Unwahrheiten und Unterstellungen und schürt so die Angst und Verunsicherung bei der Bevölkerung.»

Jeder der Vorwürfe, welche Pro Grenchen in ihrem Flugblatt erhebe, könne ohne weiteres widerlegt werden. «Beim Datenschutz unterliegen wir strengen Bestimmungen, die mit der kantonalen Datenschutzbeauftragten Judith Petermann Büttler schon längst im Vorfeld der Einführung besprochen wurden.» Die Zählerdaten werden zugriffsgeschützt in den Zählern zwischengespeichert und verschlüsselt über das Stromnetz zur SWG übertragen (siehe Grafik).

So funktionieren Smart Meter

So funktionieren Smart Meter

«Es gibt in Haushalten keine Echtzeit-Überwachung, wie das von den Flugblatt-Verfassern suggeriert wird», so Just. Das sei grundsätzlich auch nicht erlaubt.

Der Zugriff von Hackern oder Einbrechern sei unmöglich. Und um die Daten vor Missbrauch zu schützen sei genau festgelegt, für welche Zwecke sie von der SWG genutzt werden und wie der Zugriff intern darauf geregelt sei. Auch dies in Absprache mit der Datenschutzbeauftragten. «Diese Daten geben wir auch nicht heraus. Eine Swisscom verfügt beispielsweise über noch viel weitreichendere Daten ihrer Kunden und ist gesetzlich dazu verpflichtet, diese während einer gewissen Zeit aufzubewahren. Aber auch sie gibt ihre Daten nur mit Gerichtsbeschluss heraus. Wir sind von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, die von uns erhobenen Daten zu schützen, wir haben aber auch das Recht, die Daten zu erheben.»

Die modernen Ablesegeräte sind mittlerweile schon weit verbreitet und in anderen Ländern längst flächendeckend installiert, beispielsweise in Schweden oder Italien. Sie sind Teil der Energiestrategie 2050des Bundes und für den Umstieg auf nachhaltige Energie unumgänglich. Denn eine dezentrale Energieproduktion, wie sie beispielsweise mit Photovoltaik-Anlagen geschieht, erfordert den Einsatz intelligenter, digitaler Mess- und Zählergeräte, um die gesetzten Effizienzziele zu erreichen. «Diese Anlagen arbeiten wetterabhängig, liefern mal mehr, mal weniger Strom ins Netz. Dort sind Smart Meter bereits seit längerem im Einsatz», so Just, ebenso bei Grosskunden. 

Zum Vorwurf, man lasse die Kunden wohlwissend im Dunkeln, sagt Just: «Das stimmt nicht. Wir haben schon länger und umfassend informiert. Beispielsweise in unserer Broschüre SWG-Post. Jedermann kann auf unserer Homepage die Informationen einholen und wir haben bei verschiedenen Anlässen, wie zum Beispiel am Tag der offenen Tür, einen Informationsstand eingerichtet, an dem man sich über die Smart Meter informieren konnte.»

Beim letzten Punkt, der Strahlenbelastung, kann sich Just ein Lachen nicht verkneifen: «Die digitalen Zähler sind mit einer kleinen 3-Volt-Batterie ausgerüstet, die eine Lebensdauer von mehr als 14 Jahren aufweist.» Eine Mehrbelastung durch Strahlung in einem Haushalt sei schlichtweg nicht messbar, weil die Funkübertragung jeweils nur einen Bruchteil einer Sekunde betrage und minimal Energie verbrauche. «Hier entstehen sozusagen keine messbaren Emissionen. Jeder, der mit einem Handy telefoniert, setzt sich innerhalb kurzer Zeit mehr Emissionen aus, als ein Smart Meter innerhalb seiner Lebensdauer liefert.»

«Mit E-Mails eingedeckt»

Das Lachen vergangen sei ihm allerdings aufgrund der Tatsache, dass die Verfasser auf ihrem Flugblatt die E-Mail-Adresse und direkte Telefonnummer eines Mitarbeiters veröffentlicht haben, bei dem man sich melden könne, falls man keinen solchen Zähler in seinem Haushalt wünsche. Der Betroffene, Ronny Leuenberger: «Ich wurde mit E-Mails eingedeckt und musste irgendwann im Lauf des Morgens meinen Telefonanschluss auf die Zentrale umleiten, weil ich sonst nicht mehr zum arbeiten gekommen wäre.»

Viele Leute hätten ihre Angst geäussert, insbesondere wegen der Strahlenbelastung. «Einen Mann habe ich dann gefragt, von wo aus er gerade telefoniere. Er meinte, mit dem Handy. Da hat sich die Sache dann schnell erledigt.»