Grenchen

Verein Pro Grenchen wehrt sich entschlossen gegen Windpark

Aktiv gegen die Windräder: Der Vorstand von «Pro Grenchen» mit von links Jürg Bolliger, Rebekka Meier, Jürg Allemann (Vizepräsident) und Elias Meier (Präsident). Auf dem Bild fehlt Patrik Gfeller.

Aktiv gegen die Windräder: Der Vorstand von «Pro Grenchen» mit von links Jürg Bolliger, Rebekka Meier, Jürg Allemann (Vizepräsident) und Elias Meier (Präsident). Auf dem Bild fehlt Patrik Gfeller.

Der Vereinsvorstand Pro Grenchen ist überzeugt, mit seiner Einsprache gegen den Windpark vor Verwaltungsgericht Recht zu bekommen. Die geschätzten Prozesskosten von 30 000 Franken will sich der Verein mit anderen Windparkgegnern teilen.

Man weiss nicht genau, wie viele es sind, doch sie zeigen sich entschlossen, bis vor Verwaltungsgericht zu gehen, um gegen den Windpark Grenchen zu kämpfen: Ein gutes Dutzend Windpark-Gegner (der neu fünfköpfige Vereinsvorstand nicht eingerechnet) haben sich im Eusebiushof eingefunden, um die erste ordentliche Generalversammlung des Vereins Pro Grenchen durchzuführen.

Präsident Elias Meier blickte in seinem Jahresbericht auf das erste Vereins(halb)jahr zurück. Man habe aus der Zeitung erfahren, dass in Grenchen ein Windpark gebaut werden soll und sei daraufhin aktiv geworden. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings das unter grossem Medienecho durchgeführte Mitwirkungsverfahren für die Bevölkerung schon vorbei.

Dennoch, so Meier, habe man beim Studium der Unterlagen der Bauherrschaft, unter anderem im Internet, «grosse Lücken, Unwahrheiten und Widersprüche» festgestellt. Zudem seien die Auswirkungen der Industrieanlage auf das Naherholungsgebiet Grenchenberg gravierend. «Die Bevölkerung war offensichtlich über die Konsequenzen nicht genügend aufgeklärt worden», so Meier.

«Einsprache einziger Weg»

Am 18. Juni gründete er zusammen mit Jürg Allemann den Verein Pro Grenchen, mit dem Ziel, das Naherholungsgebiet zu schützen. Das Gespräch mit der SWG (Bauherrin) und der Politik habe aber nicht zum Ziel geführt. «Die Transparenz wurde uns verweigert.» Auch ein sechsseitiger Fragenkatalog von «Pro Grenchen» an den Gemeinderat sei unbeantwortet geblieben. Es habe sich gezeigt, «dass der einzig gangbare Weg» die Einsprache sei. Diese habe man dann am 10. November auf der Baudirektion Grenchen eingereicht.

«Im Rahmen einer weiteren Einsprache beim Starkstrom-Inspektorat, die uns wegen Verfahrensmängeln ermöglicht wurde, haben wir sodann festgestellt, dass allein der Bau des Stromkabels 14 Millionen Franken kostet. Gesamtprojektkosten von 35 Millionen erscheinen uns somit unrealistisch», sagte Meier ferner (vgl. Kasten rechts).

Der Vorstand habe jedenfalls beschlossen, die Einsprache nicht zurückzuziehen, sondern im Instanzenweg fortzufahren. «Das Verwaltungsgericht als unabhängige Instanz wird uns Recht geben», zeigt sich Meier überzeugt. Die beiden Vorinstanzen Baudirektion Grenchen bzw. Gemeinderat sowie die Beschwerdeinstanz Regierungsrat seien «politisch abhängig». Somit sei dort eine Ablehnung zu erwarten.

Mindestens 30 000 Franken

Die Einsprecher, die vom Berner Büro Krneta & Gurtner vertreten werden, rechnen mit Prozesskosten von «mindestens 30 000 Franken», die von der Versammlung durchgewinkt wurden. Man werde mit anderen Einsprechern (Stiftung für Landschaftsschutz, SVS Birdlife) zusammenspannen und so die Kosten aufteilen können. Auch der Lengnauer Windparkgegner Karl Renfer will an der Einsprache festhalten, wie er am Rande der Versammlung sagte.

Im laufenden Vereinsjahr erwartet «Pro Grenchen» Einnahmen von etwa 9000 Franken, was etwa halb so viel wie 2014 ist, als 18 390 Fr. eingenommen wurden. Davon wurden 10 000 Fr. für Expertisen und 7700 Fr. für Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben. Vizepräsident Jürg Allemann bedankte sich für die grosszügige Unterstützung. Wie viele Mitglieder «Pro Grenchen» hat, kann die Führung nicht sagen, weil nur solche gezählt würden, welche den Vereinsbeitrag von 50 Fr. zahlen. Meier rechnet mit 20–50 Zahlenden für dieses Jahr.

Der Vereinsvorstand, bisher Meier und Allemann, wurde durch drei weitere Personen verstärkt: Rebekka Meier (Kassierin, Grenchen), Jürg Bolliger (Grenchen) und Patrik Gfeller (Bettlach).

Karst und Wanderfalken

In einem zweiten, öffentlichen Teil des Abends verdoppelte sich das Publikum in etwa. Der Höhlenforscher Philipp Häuselmann nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch das Höhlen- und Karstgebiet im Schweizerischen Jura. Auch der Grenchenberg ist ein Karstgebiet. So erwähnte er eine Höhle im Romontberg, die eine Länge von 85 Meter hat. «Ob es auf dem Grenchenberg auch Höhlen hat, weiss ich nicht, doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch», sagte Häuselmann.

Marc Kéry von der Vogelwarte Sempach erläuterte schliesslich die Lebensweise von Wanderfalken, wie sie auch in der Wandfluh brüten. Der Vogel, der andere Vögel jagt, sei etwa gleich selten wie der Steinadler. In der Schweiz existierten nur etwa 300 bis 400 Brutpaare.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1