Historie
Verbindung Bern – Solothurn: Die Geschichte der Brücken bei Arch

Beim Bau der alten Eisenbrücke soll sogar Alexandre Gustave Eiffel massgeblich beteiligt gewesen sein - sagt man. Seit 1997, verbindet die heutige Archbrücke die Gemeinden Grenchen im Kanton Solothurn und Arch im Kanton Bern.

Oliver Menge
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Ein Bild von historischem Wert: Die Luftaufnahme des Grenchner Fotografen Hans Ryf von den drei Brücken bei der Positionierung der neuen Brücke am 22. Februar 1997.

Ein Bild von historischem Wert: Die Luftaufnahme des Grenchner Fotografen Hans Ryf von den drei Brücken bei der Positionierung der neuen Brücke am 22. Februar 1997.

Ryf

Seit 1874 verband eine Brücke über die Aare die Gemeinden Arch und Grenchen. Zuvor hatte laut Wiki der Stadt Grenchen ein Fährmann aus Arch Fahrgäste und Waren vom einen in den anderen Kanton übergesetzt, bis dessen Fahrpreise für Unmut sorgten und die beiden Gemeinden beschlossen, eine Brücke über die Aare zu bauen. Er hatte nämlich den Archern weniger als den Staader Landwirten verlangt, die diesseits der Aare Land besassen und bewirtschafteten. Ein Fuder Heu zu übersetzen kostete damals schon 1 Franken 50, ein rechter Betrag. Die beiden Kantone Bern und Solothurn beschlossen, den Fährdienst einzustellen, und man baute die Brücke, die 140'000 Franken gekostet haben soll.

Das verschwundene Vreni

Chronist Rainer W. Walter schrieb dazu: «Irgendwann in dieser Zeit erschien ein gewisser Herr Eiffel in Grenchen. Er arbeite in einem Berner Ingenieurbüro, wurde erzählt. Er sei Spezialist für die neuen Eisenkonstruktionen, die in Frankreich gepflegt würden. Zudem sei Eisen natürlich viel beständiger, faule nie und könne mit neuen Mitteln gegen Rost geschützt werden. Eisenbrücken seien deshalb viel billiger als herkömmliche Bauten. In der Gegend hatte man jedoch noch wenig Erfahrung mit dem Bau von Eisenbrücken, weshalb Herr Eiffel beigezogen worden sei, um an einem Beispiel zu zeigen, was man mit Eisen bauen könne.

Damit er möglichst nahe beim Bauwerk sei, logierte Herr Eiffel im Gasthaus der Familie Strausack. Oft sass er abends in der Gaststube und erzählte den Staadern, wie Paris aussehe und wie man dort lebe. Alles und jedes wollten ihm die Zuhörer jedoch nicht glauben. Besonders nicht mehr, nachdem er ihnen erzählt hatte, er wolle einen gut dreihundert Meter hohen Stahlturm aufbauen. Doch nicht allein die Staader Männer unterhielt der Franzose ausgezeichnet; den jungen Staaderinnen gefiel er von Tag zu Tag besser, und sie hörten ihm stundenlang zu, wenn er von Modehäusern erzählte. Vor allem eine, die Walker Vreni, liess sich vom jungen Ingenieur beeindrucken ...

Eines Abends aber warteten die Staader vergebens auf ihren Pariser Turmbauer, und Walkers suchten vergebens ihr Vreni. Man habe sie in Paris gesehen, hiess es einige Jahre später. Eine richtige Dame sei sie geworden und fahre in einer Kutsche herum. Als der Eiffelturm eingeweiht worden war, sah man auf Bildern, wie sie Staatspräsidenten und Königen die Hand reichte. Aber ganz sicher, ob es tatsächlich die Staaderin gewesen war, weiss niemand. Obwohl inzwischen über hundert Jahre verstrichen waren, erzählte man die Geschichte vom Ingenieur aus Paris und der jungen Staaderin, die offensichtlich seinetwegen den Kopf verloren hatte, noch immer. Und dann ärgerten sich die Staaderinnen über den welschen Mösjö.»

Die neue Brücke

Von der damaligen einspurigen Stahlbrücke ist nur noch ein Pfeiler übrig, den man im Wasser stehen liess und zu dem der Kanuklub Sorge trägt, sowie ein Kunstwerk des Schnottwiler Künstlers Marc Reist, der «Neuron», aus Teilen des alten Bauwerks.
Seit 1997, also seit nunmehr 21 Jahren, verbindet die heutige Archbrücke die Gemeinden Grenchen im Kanton Solothurn und Arch im Kanton Bern. Die nächsten Verbindungen über die Aare befinden sich in Solothurn im Osten und in Büren im Westen. Will heissen: Die Archbrücke, die auch im Hinblick auf die damals geplante A5 gebaut wurde und den Hauptzubringer für das Bürenamt darstellt, ist stark befahren. Schon 1972 hatte man aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens eine provisorische Autobrücke neben der Stahlbrücke erstellen müssen. Das Provisorium, für 10 Jahre ausgelegt, musste 25 Jahre lang halten.

In den Jahren 1996 und 97 baute man die neue Brücke: Stahlbrückenträger mit Stahlseilen an sechseckigen, polygonalen Kastenträgerbogen aufgehängt. 10'000 Tonnen schwer, 106 Meter lang und 15 Meter breit mit einer Traglast von 480 Tonnen. Die Brücke wurde am Grenchner Ufer zusammengebaut und dann am 22. Februar 1997 unter den Augen von Tausenden von Schaulustigen auf einem Floss über die Aare und in die endgültige Position auf die vorbereiteten Pfeiler gezogen. Anschliessend baute man die Fahrbahn und die Leitungen ein. 3500 Kubikmeter Beton und 800 Tonnen Stahl wurden verbaut. Die Brücke wurde schliesslich am 23. Dezember 1997 eingeweiht. Bauzeit: 2 Jahre, Kosten: knapp 17 Mio. Fr. (om)