Veranstaltung
Nach Wegzug von Bundesamt: Die Grenchner Wohntage sind auch Geschichte

Nun ist klar: Nach dem Wegzug des Bundesamts für Wohnungswesen aus Grenchen fällt der national bedeutende Anlass ebenfalls weg. Die Stadt bemühte sich vergeblich um dessen Erhalt.

Sven Altermatt
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Im vergangenen Herbst fanden die 25. und letzten Wohntage in Grenchen statt: Bundespräsident Guy Parmelin referierte im Parktheater.

Im vergangenen Herbst fanden die 25. und letzten Wohntage in Grenchen statt: Bundespräsident Guy Parmelin referierte im Parktheater.

José R. Martinez

Es ist nicht so, dass man in Grenchen aktuell besonders wohlgesinnt nach Bern blickt. Noch haben manche nicht verdaut, dass das Bundesamt für Wohnungswesen aus Grenchen in die Bundesstadt gezogen ist. Das war Ende Jahr.

Und der nächste Schlag kommt bereits, wie nun bekannt wird: Auch die Grenchner Wohntage sind Geschichte. Das Bundesamt hat entschieden, die Veranstaltungsreihe unter dem Namen «Schweizer Wohntage» neu aufzustellen. Die Wohntage hätten in Grenchen ihr Potenzial ausgeschöpft, heisst es dazu hinter vorgehaltener Hand aus Branchenkreisen.

Bereits in diesem Jahr wird die Fachtagung, die während 25 Jahren zusammen mit der Stadt organisiert wurde und zu der regelmässig auch Bundesräte anreisten, in einer Berner Eventhalle über die Bühne gehen. Das Bundesamt für Wohnungswesen bestätigt auf Anfrage entsprechende Informationen.

Dass die Wohntage mit dem Umzug des Amts ebenfalls zur Disposition stehen, war seit längerem bekannt. Man habe sich die Frage gestellt, «wie diese Veranstaltung künftig aussehen und wo sie stattfinden soll», erklärt Eva van Beek, die Informationsbeauftragte des Bundesamts. Dies mit dem Ergebnis, den Anlass fortan als «Schweizer Wohntage» zu positionieren. Sie sollen in einem gewissen Turnus an verschiedenen Orten in der Schweiz stattfinden.

«Den Anfang dieses neuen Formats soll nach dem Umzug nach Bern die Bundesstadt machen», so van Beek weiter. Zugleich betont sie:

«Die weiteren Austragungsorte sind noch nicht bestimmt, auch eine Rückkehr nach Grenchen in den kommenden Jahren ist durchaus möglich.»

Stadt denkt über einen eigenen Anlass nach

Bis zuletzt bemühten sich die Grenchner um den Verbleib der Wohntage. Noch im vergangenen Sommer boten die Stadtbehörden an, künftig weiterhin bei der Organisation mitzuhelfen, sofern der Anlass in Grenchen bleibt. Mehrfach erinnerte Stadtpräsident François Scheidegger daran, dass der einst zuständige Bundesrat Johann Schneider-Ammann ihm gegenüber zugesichert habe, Grenchen könne die Wohntage auch nach dem Wegzug des Bundesamts weiter durchführen.

Setzte sich für die Wohntage ein: François Scheidegger, Stadtpräsident von Grenchen.

Setzte sich für die Wohntage ein: François Scheidegger, Stadtpräsident von Grenchen.

Oliver Menge

«Wir haben uns für die Wohntage eingesetzt. Umso mehr bedauern wir, dass der Anlass nicht mehr in Grenchen stattfindet», sagt Scheidegger. Der Anlass habe dem Bundesamt in der Stadt stets auch ein Gesicht nach aussen gegeben. «Mit dem Wegzug war diese Verbundenheit dann eben weg.» Ebenso verschwinde die Marke «Grenchner Wohntage», die sich zu einer festen Grösse entwickelt habe. Ob die Wohntage im Turnus nochmals nach Grenchen zurückkehren, versieht Scheidegger mit einem Fragezeichen.

Der Stadtpräsident führte in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche zu den Wohntagen, unter anderem auch mit der Solothurner Baudirektorin Sandra Kolly und Vertretern des Gemeindeverbandes. Im Raum steht die Idee, in Grenchen eine eigene Veranstaltung rund ums Wohnen und Zusammenleben zu organisieren. Die Verantwortlichen spinnen Ideen, noch ist nichts spruchreif. Klar ist: Die Stadt verfügt nicht über die Ressourcen, um so einen Anlass ganz allein zu stemmen.

Die Grenchner Wohntage fanden jeweils im Spätherbst statt und umfassten stets eine Fachtagung im Parktheater, an der Expertinnen und Experten aus der ganzen Schweiz über Aspekte des Wohnens diskutierten. Daneben gab es öffentliche Führungen, Diskussionsrunden und Ausstellungen in anderen Lokalitäten.

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