Würde man eine SMS von hier zum Andromeda-Nebel schicken, würde es mehr als 2,2 Millionen Jahre dauern, bis die SMS ankommt, erklärt Franz Conrad. Nochmals so lange würde es natürlich dauern, bis man eine Antwort erhält. «Aber bis dann wäre der Handy-Akku leer.» Conrad ist Mitglied der Astrogruppe Jurasternwarte Grenchen (AJUG) sowie Vizepräsident der Stiftung Jurasternwarte. Und ein begnadeter Erzähler.

Wolke um Wolke schiebt sich vor den nächtlichen Himmel, ein kalter Wind fegt über den Grenchenberg. Doch die kleine Gruppe von Besuchern, die sich am Samstag zum «Abend der offenen Sternwarte» versammelt hat, lauscht gespannt, als Franz Conrad von Polarlichtern und Supernovas spricht. Auch den Aufbau der Teleskope erläutert er, die hier auf dem Dach zum Himmel gerichtet sind. Die massiveren Geschütze stehen, um Erschütterungen zu vermeiden, auf Betonsockeln, die direkt durch das Gebäude hindurch gehen und auf dem Fels verankert sind.

Seit der Eröffnung der Warte im Jahr 1976 ist hier einiges an Teleskopen zusammengekommen; die meisten wurden selbst gebaut - und an vielen wird immer wieder ein bisschen gewerkelt. Wie etwa an dem Zweieinhalb-Meter-Rohr, das sich in kalten Nächten dauernd verzog und nachjustiert werden musste: Mittlerweile sind Metallstangen eingebaut, die sich bei Kälte nicht zusammenziehen. «Der erste Hauptsatz der Astronomie lautet: Eine Sternwarte ist nie fertig», sagt Franz Conrad.

Plötzlich herrscht Aufregung. Es ist kurz vor halb zehn und eine Handbreit über dem Horizont sieht man durch ein Loch in der Wolkendecke etwas funkeln. Conrad ist nicht ganz sicher, was es ist. «Zielen wir mal drauf», sagt er, bevor er an einem Teleskop hantiert. AJUG-Präsident Markus Herrmann weiss schon bald die Lösung: Es ist die Venus.
Dann wandert die Gruppe vom Dach hinunter in die etwas wärmeren Innenräume der Sternwarte. Hier können tagsüber Sonnenbeobachtungen gemacht werden, dank einer Konstruktion aus einem Teleskop und Spiegeln, die das Sonnenlicht durch die Decke ins Gebäude und dort an eine weisse Wand projiziert. Auf einem Bildschirm werden im Moment gerade Filme der NASA gezeigt.

Die AJUG führt regelmässig Führungen und Tage der offenen Tür durch. Saison dafür ist hauptsächlich im Mai, August, September und Oktober. «Im Juni und Juli wird es zu spät dunkel», erklärt Stiftungspräsident Hugo Jost. Und in der restlichen Zeit liege Schnee auf dem Dach der Sternwarte.
Zweck der Stiftung sei es, astronomische Kenntnisse in Bevölkerung und Schulen zu verbreiten, sagt Jost. Zu Geld kommt die Stiftung durch Führungen und Gönnerbeiträge. «Wir hatten nie Schulden und werden nie welche haben», sagt der Präsident. Wichtig sei vor allem, gute Leute zu haben, die sich mit der Astronomie identifizieren. Denn: «Das Problem ist nicht, eine Sternwarte zu bauen, sondern sie zu betreiben.»

Um 21.44 Uhr geht es wieder aufs Dach. Der Jupiter guckt zusammen mit seinen Monden durch ein Wolkenloch - seinerseits selbst von dunklen Schwaden umgeben: Die Erde ist also nicht der einzige Ort mit schlechtem Wetter. Ab 22.09 Uhr zeigt sich - zur Zufriedenheit sämtlicher Besucher - sogar noch der Saturn. Dann wird es wieder dunkel. Nur die Wolken glänzen gelblich am Nachthimmel. Und Beatrice Bucher von der AJUG lacht: «Das ist unsere Bieler Beleuchtung.»