Kunsthaus Grenchen

Uwe Wittwer - der Meister des Negativs

Aus dem Porträt-Zyklus von vertriebenen Frauen aus Ostpreussen.

Uwe Wittwer, «Porträt negativ», 2008

Aus dem Porträt-Zyklus von vertriebenen Frauen aus Ostpreussen.

Das Kunsthaus Grenchen zeigt in der Schweiz noch nie gezeigte Arbeiten des Zürcher Künstlers Uwe Wittwer.

Der Zürcher Uwe Wittwer (*1954) ist einer der bedeutendsten Schweizer Maler der Gegenwart. Im Jahr 2005 zeigte er im Kunstmuseum Solothurn zum letzten Mal Arbeiten seines Schaffens in der Region und in den vergangenen zehn Jahren hat er in der gesamten Schweiz fast keine Ausstellungen mehr bestritten. «Wittwer wurde immer mehr in der Schweiz vermisst, sodass manch einer glaubte, er habe mit dem Malen aufgehört», erzählt Claudine Metzger, die künstlerische Leiterin des Kunsthauses. Sie hat zusammen mit dem Künstler die neue Ausstellung im Kunsthaus Grenchen kuratiert. «Die schwarzen Sonnen» wurde diese übertitelt und tatsächlich erkennt man in fast allen der ausgestellten Arbeiten schwarze kreisrunde Objekte, die Sonnen sein könnten. Schon allein diese Tatsache verweist auf Wittwers stete Absicht, mit seinen Bildern die Wahrnehmung zu hinterfragen, Rätselhaftes und Mehrdeutiges zu platzieren und so die Wahrheit eines Bildes infrage zu stellen.

Die Ausstellung beginnt mit grossformatigen dreiteiligen Inkjetprints, welchen die Schlachtengemälde von Paolo Uccello (1397-1475) zugrunde liegen. Wittwer verfremdet diese heroische mittelalterliche Malerei, indem er sie in nüchterne schwarz-weiss-Bilder übersetzt und so ihre kriegerisch-gewalttätige Wirkung verstärkt. Die Themen Krieg und Zerstörung nehmen auch die anderen Arbeiten im Neubau des Kunsthauses auf. Erst das Gemälde «Bacchanal nach Poussin» zeigt wieder Lebenslust.

 Im Girard-Haus startet die Schau mit zwei Bilderzyklen nach filmischen Meisterwerken. Der 78-teilige Zyklus «die schwarze Sonne nach Antonioni» nimmt Szenen aus dem Film «Blow-up» auf; das 28-teilige «Cracking Glass» interpretiert Dereck Jarmans «The Last of England». Hier setzt Wittwer mit handschriftlichen Zeilen eines Gedichtes von T.S. Eliot eine literarische Dimension zusätzlich hinzu. In diesen, in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Arbeiten setzt sich Wittwer – auch durch seine eigenen Biografie begründet – immer öfter mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges auseinander. Besonders eindrücklich sind die «Porträt negativ» (2008) bei welcher er Porträts von Frauen, die aus Ostpreussen vertrieben wurden, nur in blauer Farbe als Foto-Negativ malt. Trotz ihren Trachten und adretten Frisuren wirken diese Frauen aber ihrer Identität beraubt und entwurzelt. Zur Ausstellung ist ein Bändchen mit verschiedenen Texten zu Uwe Wittwer erscheinen.

Vernissage: Samstag, 23. März 16.30 Uhr. Bis 26. Mai

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