«Nichts halten wir davon», bringt es Nadja Dittmar, Mutter zweier schulpflichtiger Jungs, auf den Punkt. «Unserer Meinung nach handelt es sich um einen Schnellschuss, den wir Eltern jetzt ausbaden müssen.»

Das wollen sie und ihr Mann sich nicht gefallen lassen. Gemeinsam mit den anderen Eltern Matthias Meier-Moreno und Chantal Janz, wollen sie sich nun gegen den Beschluss der Geschäftsleitung der Schulen wehren.

Diese Woche noch beginnt das Elternteam, Unterschriften gegen die neuen Unterrichtszeiten zu sammeln. Gleichzeitig lancieren sie eine zweite Petition gegen die Änderung der Ferienregelung, nachdem der Gemeinderat im Februar entschieden hat, dass man von einer Woche Sport- und drei Wochen Frühlingsferien zum kantonalen System von jeweils zwei Wochen wechseln will.

Blockzeiten super, aber nicht so

Die Ferienregelung wird im Gemeinderat erneut behandelt werden, deshalb ist das Thema Unterrichtszeiten aktueller für die Petitionäre. Zum Verständnis: Ab kommendem Schuljahr soll der Unterricht 20 Minuten später beginnen; für die Oberstufenschüler neu um 7.30 Uhr, für die Primarschüler und Kindergartenkinder um 8.20 Uhr.

Ihren Beschluss begründet die Geschäftsleitung der Schulen Grenchen damit, dass die Änderung aufgrund kantonaler Vorgaben zwingend sei. Ausserdem werden mit der Einführung der Sekundarschulreform neu gegen 20 Sek-P-Schüler aus Selzach in Grenchen zur Schule gehen (wir berichteten).

Mit den bisherigen Unterrichtszeiten müssten diese so früh den Bus nehmen, dass sie 45 Minuten zu früh in der Schule wären, heisst es in der Mitteilung. Für die Petitionäre aber nur Scheinargumente. Und: «Die Änderung bringt ganze Familienplanungen durcheinander», erklärt Matthias Meier-Moreno am eigenen Beispiel: Seine Tochter geht in den Kindergarten.

Er und seine Frau arbeiten aber. Da beide vor 8.20 Uhr zur Arbeit gehen müssen, gerät die Planung durcheinander. Mit der Einführung der Blockzeiten vor vier Jahren habe sich die Situation für viele Eltern verbessert, da gerade Mütter wieder einer geregelten Arbeit nachgehen konnten. «Und jetzt stellt man alles wieder auf den Kopf? Das ist doch Blödsinn.» Hinzu kommt, dass der Unterrichtsbeginn am Nachmittag gleich bleibt – so verkürzt sich die Mittagspause . «Es wird stressiger, und die Kinder geraten in den Mittagsverkehr, was gefährlich ist.»

Sonderkurs auf Kosten Selzachs

Die Petitionäre haben ausserdem kein Verständnis dafür, dass sich die vielen hundert betroffenen Grenchner Eltern den «paar Selzacher Schüler» anpassen sollen. Das sei unverhältnismässig. Nadja Dittmar hätte einen anderen Vorschlag: «Wenn es mit dem normalen öV ungünstig ist, warum richtet man dann nicht einen Sonderkurs ein?» Wer das zahlen müsste, ist auch klar. «Die Selzacher und der Kanton», ist man sich einig.

Ob sich die neuen Unterrichtszeiten überhaupt verhindern lassen, wird auch davon abhängen, wie viele Unterschriften das Petitionsteam sammeln kann. Dittmar, Meier-Moreno und Janz sind zuversichtlich: «Wir haben bereits jetzt viele Sympathisanten und sehr viel Unterstützung.»