Pächter-Entschädigung
Unliebsames Traktandum Parktheater: Der Grenchner Gemeinderat duckt sich weg

Der Gemeinderat von Grenchen delegierte die Entscheidung in Sachen Parktheater heimlich an die Gemeinderatskommission. Wollte sich der Gemeinderat so kurz vor den Wahlen nicht exponieren?

Andreas Toggweiler
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Das Parktheater-Restaurant ist ein Bijou. Die Stadt will jetzt die Pächter für die Investition entschädigen.

Das Parktheater-Restaurant ist ein Bijou. Die Stadt will jetzt die Pächter für die Investition entschädigen.

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Am Mittwoch hat die Gemeinderatskommission GRK über das weitere Vorgehen in Sachen Parktheater beschlossen. Stadtpräsident François Scheidegger bestätigt Informationen dieser Zeitung, wonach vom Gremium beschlossen wurde, keine Betriebsbeiträge an die Rodania Gastro AG auszurichten. Stattdessen soll die Betreiberin des Restaurants von der Stadt für selbstständig getätigte Investitionen in den Restauranttrakt entschädigt werden.

Dieser Entscheid ist an sich nicht überraschend, hatte er sich doch nach dem Rückzug der ursprünglich an der letzten Gemeinderatssitzung traktandierten Vorlage abgezeichnet. Die Rodania Gastro AG hatte darin verschiedene Betriebsbeiträge gefordert, so auch für entgangene Einnahmen durch die Gratisvermietung der Säle an Grenchner Vereine. Die Vorlage war bei den Fraktionen hochkant durchgefallen und wurde deshalb zurückgezogen und von der Traktandenliste gestrichen.

Eher bemerkenswert ist, wie sich jetzt der Gemeinderat des unliebsamen Traktandums endgültig entledigt hat. Denn jetzt wird bekannt: Im Geheimen hat der Rat durchaus über das weitere Vorgehen in Sachen Parktheater verhandelt, sogar mit Protokoll.

Weil an der letzten Sitzung ohnehin zwei vertrauliche Traktanden angesagt waren, benutzte der Rat die Abwesenheit von Publikum und Presse dazu. Mit dem Resultat, das Geschäft an die GRK zu delegieren, dem Vernehmen nach einstimmig. Sie sollte sich der heissen Kartoffel Parktheater-Zukunft annehmen.

Wollte sich der Gemeinderat so kurz vor den Wahlen nicht exponieren? Insbesondere die SP beklagt sonst nämlich immer die «Geheimdiplomatie» in der GRK. – «Das Vorgehen schien uns sinnvoll, weil der Zeitplan eng ist und wir ansonsten eine ausserordentliche Gemeinderatssitzung hätten durchführen müssen», begründet SP-Fraktionschef Remo Bill.

Auch seitens der SVP tönt es ähnlich. «Ich habe dieses Vorgehen selber vorgeschlagen», sagt SVP-Fraktionschef Ivo von Büren. Er spricht allerdings von einer «vertraulichen Gemeinderatssitzung», die ansonsten hätte durchgeführt werden müssen.

Was allerdings am Dossier Parktheater unbedingt vertraulich sein muss, bleibt nach wie vor offen. Sogar die Rodania Gastro AG hatte im Vorfeld der letzten Gemeinderatssitzung vorgeschlagen, dass die Zukunft des Parktheaters transparent diskutiert wird.

François Scheidegger betont, dass bezüglich Weiterbetrieb des Parktheaters samt Restaurant bei den Fraktionen Einigkeit herrsche. «Alle sind der Ansicht, dass das Parktheater weiterbetrieben werden muss, und auch darüber, dass die Stadt die Liegenschaft übernimmt.»

Ferner gibt Scheidegger auf Anfrage immerhin ein paar Eckpunkte aus den GRK-Verhandlungen bekannt. Entschädigungen für die Saalnutzung der Vereine seien vom Tisch. Dafür zahlt die Stadt der Pächterin über die (immer noch existierende) Parktheater-Genossenschaft etwas an die Investitionen für den Restaurant-Umbau, welche auf eigene Faust erfolgt war.

Die Rodania hatte 775 000 Fr. dafür investiert. Einen Beitrag von 200 000 Fr. hatte die Stadt schon einmal geleistet, weitere maximal 300 000 Fr. sollen nun dazukommen: 200 000 Fr. jetzt und der Rest bei Abschluss der neuen Leistungsvereinbarung mit der Stadt.

Scheidegger betont, dass man nicht für die ganze Restaurant-Pracht zahlen wolle, denn es sei auch vereinzelt Luxus realisiert worden. Anderseits wolle man einen angemessenen Beitrag ausrichten, nicht dass der Vorwurf aufkomme, die Stadt habe die finanzielle Lage des Pächters ausgenützt und sich ein schönes Restaurant zu Dumpingpreisen unter den Nagel gerissen.

Ende Mai ist nun eine Versammlung der Parktheater-Genossenschaft anberaumt, die die Übergabe der Liegenschaft an die Stadt beschliessen soll. Der Theaterbetrieb soll wie angekündigt unabhängig weiterlaufen, ein Hauswart soll von der Stadt angestellt werden. Über die anstehenden Investitionen wie Küche, Heizung etc. ist zudem später separat zu befinden.

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