Vor einer Woche war letzter Tag in der Grenchner Chäsi. Fondue-Papst Fred Fischer hatte das Handtuch geworfen und die Kundschaft wurde das letzte Mal bedient (wir berichteten). Fischer hatte im Gespräch mit dieser Zeitung mehrmals die Probleme angesprochen, die es schwierig machten, die Chäsi weiterhin rentabel zu führen.

Urs Affolter, der Sekretär der Molkereigenossenschaft Grenchen (MGM), ist gebürtiger Grenchner und kennt die Problematik rund ums Zentrum Grenchens und die Chäsi gut (siehe Kasten). Der Molkereigenossenschaft gehört nicht nur das Gebäude, in dem sich die Chäsi befindet, sondern auch dasjenige nebenan, zwischen Metzgerhalle und Chäsi, das sogenannte «Paris»-Haus.

Die Molkereigenossenschaft habe sich seit dem Moment, als Fred Fischer ihnen mitgeteilt habe, dass er die Chäsi aufgeben wolle, um eine Nachfolge bemüht. «Wir haben in diversen Anzeigern und der ‹Tierwelt› inseriert wie auch in spezialisierten Branchenzeitungen – ohne Erfolg.» Aus Rücksicht auf Fischer habe man am Gebäude selber noch kein Schriftzug «zu vermieten» angebracht, das werde aber in Kürze gemacht. Die Genossenschaft habe sich vor etwa einem Monat dafür ausgesprochen, nicht mehr nur nach einem Nachfolger für den Betrieb der Chäsi zu suchen, sondern das Feld aufzumachen und den Laden an irgendeinen Interessenten zu vermieten. Einige Anfragen seien bereits eingegangen, so zum Beispiel von einem Gemüsehändler.

Mehrere Varianten sind möglich

Im Sommer wird die Generalversammlung das weitere Vorgehen besprechen. Zur Diskussion stehen zwei Varianten: Ein Verkauf der zwei Liegenschaften an einen Investor, der das Chäsi-Haus übernimmt, saniert und betreibt. Das andere Haus müsste vollständig saniert werden. Denn vor zwei Jahren gab es dort einen grösseren Wasserschaden und die Generalversammlung beschloss, das Haus nicht mehr instand zu stellen. Seitdem sind das Erdgeschoss und der Keller als Lager vermietet, die Wohnung darüber steht leer. Ein Abriss des Hauses komme nicht infrage, man hatte abklären lassen, ob eventuell Parkplätze erstellt werden können. Das wäre unter dem Gesichtspunkt, dass das ganze Areal unter Gestaltungsplanpflicht steht und der Tatsache, dass der hintere, angebaute Teil einem anderen Besitzer gehört, sowieso schwierig, so Affolter. Die Genossenschaft würde die Häuser auch nicht einzeln verkaufen, sondern nur zusammen als Paket.

Strasse sollte gebaut werden

Einer der Gründe, warum man nicht schon längst etwas Sinnvolles mit den beiden Gebäuden gemacht hat, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass die Stadt vor etlichen Jahren, noch vor der Uhrenkrise, eine Verbindungsstrasse zwischen der Kirchstrasse und der Centralstrasse geplant hatte, die Obrechtstrasse. Sie wäre neben den Parkplätzen gegenüber des Bürgerhauses durch den alten Park des Ramseier-Anwesens – so hiess der ganze Komplex – bis hin zur Kreuzung Centralstrasse/Schild-Rust-Strasse zu liegen gekommen. Das «Paris»-Haus hätte abgerissen werden müssen, um Platz für die Strasse zu machen. Deshalb habe man auch nicht mehr gross in das Gebäude investiert.

Die Idee der Obrechtstrasse wurde vor einiger Zeit beerdigt, übrig blieb ein öffentlicher Fuss- und Radweg, der ebenfalls mitten durch das Areal führt und der irgendwann noch realisiert werden soll, falls dort etwas Neues gebaut wird. Das erschwere es zusätzlich, einen Investor zu finden, der eventuell anstelle der bestehenden Gebäude einen Neubau realisiere. Denn laut Affolter sei wahrscheinlich, dass die Stadt auf dem Wegrecht mitten durch das mögliche Bauland bestehe.

Aufgrund der vielen Mitbesitzer im betroffenen Areal werde es ohnehin schwierig, innert nützlicher Frist zu einem Konsens oder guten Ergebnis zu gelangen, meint Affolter.