Ein Bewohner des Hauses an der Bielstrasse 86 meldete der Polizei kurz vor 2 Uhr, dass ein Mitbewohner verletzt nach Hause gekommen sei. Als die ausgerückte Patrouille vor Ort eintraf, war aber dessen Türe verschlossen. Weil aus dem Zimmer Benzingeruch strömte, wurde die Feuerwehr Grenchen aufgeboten sowie die Bewohner evakuiert.

Als die Polizei dann das Zimmer betrat, begann es zu brennen. Der Mann im Zimmer, ein 45-jähriger Tunesier, zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Die aufgebotene Ambulanz brachte ihn in ein Spital. Er befindet sich derzeit in einer Zürcher Spezialklinik, wie es auf Anfrage bei der Kantonspolizei Solothurn heisst.

Untersuchung läuft

Unklar ist, ob es sich um einen Selbsttötungsversuch oder einen unglücklichen Unfall handelt. «Der Mann hat sich nicht mit Benzin übergossen», sagt Kapo-Mediensprecher Thomas Kummer. Fest steht nur, dass sich Benzin in einem Kanister entzündete. Wieso genau wird nun abgeklärt. Untersucht wird ebenfalls, wie stark der Mann schon verletzt war, als er nach Hause kam.

Vier Polizisten verletzt

Vier Polizeiangehörige wurden nach dem Einsatz zur Kontrolle ins Spital gebracht, weil sie ohne Schutzmasken ins Zimmer hineingegangen waren und leichte Rauchvergiftungen erlitten hatten. Sie konnten das Spital inzwischen wieder verlassen.

Die Polizei stand mit rund einem Dutzend, die Feuerwehr Grenchen sowie die Sondereinheit Falk mit je vier Leuten im Einsatz. Dazu kamen Sanitäter. Wieso hat man in diesem Fall eine Sondereinheit herbeigezogen? Laut Kapo-Mediensprecher Thomas Kummer war es eine Sicherheitsfrage. «Man hat nicht genau gewusst, was hinter der Türe angetroffen wird.» Deshalb habe man kein Risiko eingehen wollen.

Kurzfristige Unterkünfte

Stadtpräsident François Scheidegger wurde noch in der Nacht über den Zwischenfall informiert und zeigt sich einerseits betroffen, anderseits erleichtert. «Es ist bedauerlich, was sich dieser Mann möglicherweise selber angetan hat», meinte Scheidegger auf Anfrage. «Trotzdem bin ich froh, ist den anderen Personen, die sich auch noch im Haus aufhielten, nichts passiert.» Es sehe auch danach aus, als ob das Gebäude schon bald wieder bewohnt werden könne.

Das bestätigt Sozialamtsleiter Kurt Boner. Im Gebäude, eine ältere Liegenschaft, die SVP-Gemeinderat Ivo von Büren gehört, sind nämlich Personen untergebracht, für die das Sozialamt kurzfristige oder provisorische Unterkünfte braucht. Die untergebrachten Personen, zurzeit etwa zehn, bewohnen des Gebäude in einzelnen Zimmern. Das Gebäude wird vom Netzwerk Grenchen bewirtschaftet.

Boner rechnet damit, dass die Schäden schnell repariert sind, so dass keine zusätzlichen Unterkünfte gesucht werden müssen. Es handelt sich dabei einerseits um Staub aus dem Feuerlöscher, anderseits haben Polizei und Feuerwehr diverse Türen gewaltsam öffnen müssen, um sicherzustellen, dass sich keine weiteren Personen im Haus befinden.  

Der 45-jährige Tunesier hat eine Aufenthaltsbewilligung. Dem Vernehmen nach ist er mit einer Schweizerin verheiratet, hat zwei Kinder und lebt schon seit längerer Zeit hier. Seine Familie soll in einer anderen Wohnung in Grenchen leben. (ldu/ato)

Bielstrasse 86 in Grenchen