Flughafenberufe
Unermüdlich: Der 24-Stunden-Mann vom Flughafen

Damit Flieger abheben können, braucht es Roger Daumüller am Boden. Tagtäglich. Der 53-Jährige ist uinter anderem zuständig für für Boden und Gebäude, für eine saubere und sichere Start- und Landebahn, für die Beleuchtung und die Sicherheitstafeln.

Julian Perrenoud
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Roger Daumüller ist mehr als nur «Platzwart» auf dem Flughafen. jpw

Roger Daumüller ist mehr als nur «Platzwart» auf dem Flughafen. jpw

Solothurner Zeitung

Es eilt, die nächste Gewitterfront wälzt sich bereits wieder von Genf her über die Jurakette. Roger Daumüller schlüpft in seine orange Arbeitsjacke und tritt auf den nassen Betonplatz. Je heftiger der nächtliche Sturm tobt, desto früher muss er vor Ort sein. Ohne den 53-Jährigen hebt vom Grenchner Flughafen kein Flugzeug ab.

Die Windböen haben ganze Arbeit geleistet: Zwei Flieger stehen vor ihren Hangars quer, «unglaublich, diese Wucht», sagt Daumüller. Er muss die Maschinen wieder in Position rücken, sonst kann sie der nächste Sturm böse erwischen. Der Grenchner weiss, wovon er spricht, schliesslich ist er seit zwölf Jahren Angestellter des Flughafens. Platzwart, nein, das wäre die falsche Bezeichnung. Flughafenabwart auch. Roger Daumüller ist Leiter Platzbetrieb, oder «Ground Manager», wie auf seinem Namensschild steht.

Er ist zuständig für Boden und Gebäude, für eine saubere und sichere Start- und Landebahn, für die Beleuchtung, die Sicherheitstafeln, den Kerosin-Nachschub, für das Wischgut, das als Sondermüll entsorgt werden muss. Er bessert Hangars aus, flickt Storen und Fenster, es gibt immer tausend kleine Dinge, die einer Reparatur bedürfen. Er fährt viermal täglich die ein Kilometer lange Piste ab, auf der Suche nach angewehten Moosfetzen und kleinen Steinen. Und er mäht mit seinem Stellvertreter die Grasflächen, 12 Hektare, jeden zehnten Tag. Daumüller hat keine normale Stelle. Er hat einen Rund-um-die-Uhr-Job.

Enten baden auf Piste

Aus über 200 Bewerbern ist der gelernte Metallbauschlosser, Abwart und ehemalige Lastwagenchauffeur herausgestochen. Seither ist sein Aufgabenfeld stetig gewachsen, wie er sagt. Er kennt das Gelände wie kein zweiter. Und die Vorschriften. Fährt er mit seinem Einsatzwagen die gerillte Belagspiste ab, hält er den 40-Meter-Sicherheitsabstand immer ein, nimmt mit dem Tower Kontakt auf, «Aero 1 von Aero 7, ich möchte gerne kreuzen», wartet, 5 Minuten, 20. Egal, ob es pressiert, Sicherheit geht vor. Trägt die Graspiste nach Regenfällen zu viel Wasser, startet dort kein Flugzeug. Auf gut Glück probieren gibt es nicht. Schwer hatte es Daumüller im Sommer 2007, als das grosse Wasser kam: «Ans Fliegen war nicht zu denken, die Piste war geflutet, in den Löchern haben Enten gebadet.»

Offiziell öffnet der Flughafen um acht Uhr, anderthalb Stunden, nachdem Daumüller eingetroffen ist – im Normalfall. Sind Platz und Bahnen frei von Hindernissen, schickt er 30 Minuten vor dem ersten Start per Rohrpost seinen Pistenzustandsbericht an den Tower. Nebenbei ist er auch noch Feuerwehr-Kadi, am Schadenplatz innert drei Minuten, auf Pikett immer verfügbar. Auch nachts. Oder im Winter, wenn Schnee fällt, unterliegt der Flughafen dennoch der Offenhalte-Pflicht. Das bedeutet für Daumüller und seinen Stellvertreter Schneeräumen, und zwar ohne Streusalz.

Trotzdem versucht der Grenchner mittlerweile um 17 Uhr Feierabend zu machen, Mittagessen und Wochenende sind ihm heilig, auch ein 24-Stunden-Mann braucht mal Ruhe. Obwohl die nächsten Projekte bereits anstehen: Photovoltaik-Anlagen auf den Hangars installieren, Fahrbahnen ausbessern, neue Pistenmarkierungen ins Gras walzen. Die Arbeit geht nie aus.

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