Grenchenbergtunnel

Und plötzlich versiegten die Quellen

Mitarbeiter der SWG bei der Trinkwasserkontrolle im Tunnel.

Mitarbeiter der SWG bei der Trinkwasserkontrolle im Tunnel.

Aufgrund des Baus des Grenchenbergtunnels versiegten die beiden Quellen, welche Grenchen seit 1903 mit Trinkwasser versorgt hatten. Die BLS musste für Grenchen neue Trinkwasserfassungen bauen.

Ganz überraschend für Grenchen war das Ereignis eigentlich nicht: Bereits vor Baubeginn warnte 1902 Professor Rollier und äusserte die Befürchtung, dass der Bau des Tunnels schwerwiegende Folgen für die Wasserversorgung der Gemeinde haben könnte. Blicken wir kurz zurück: Erst im Jahre 1903 führte Grenchen die Wasserversorgung ein. Diese löste die einzelnen kleinen und oft quartierabhängigen Wassergenossenschaften ab.

Das Trinkwasser bezog Grenchen aus der Dorfbach- und der Limmersmattquelle, die beide am Hang des Grenchenbergs lagen. Am 15. Januar 1913 lieferten die beiden Quellen noch 120 Sekundenliter. Die Wasserversorgung war noch intakt.

Wasser stand knietief

Eigentlich war man seit längerer Zeit auf «das Anschlagen grosser Wassermassen gefasst, doch wurden die diesbezüglichen Erwartungen von der Wirklichkeit noch bedeutend übertroffen», ist im Schlussbericht zum Tunnelbau der BLS nachzulesen. Was geschah, wenn eine wasserführende Schicht durchschlagen war, schildert der Schlussbericht wie folgt: «Oft strömten diese Wassergüsse als armdicke Strahlen mit starkem Druck in den Tunnel hinein und überschwemmten in kurzer Zeit knietief den Sohlstollen, sodass die Arbeiten an diesem Tag unterbrochen werden mussten.»

Die grössten Überraschungen erlebten die Tunnelbauer beim Durchschlagen der Strecke zwischen km 1,400 bis 1,615 auf der Südseite. Zuerst wurden einige grössere Quellen angeschlagen. Dies hatte zur Folge, dass die Dorfnachquelle nach und nach versiegte. Der grösste Wassereinbruch erfolgte jedoch bei km 1,603. Dieser Einbruch war derart gross, dass die Arbeiten vom 26. Februar bis
13. Mai 1913 eingestellt werden mussten. – Oberingenieur Custer berechnete später, dass rund 6 Millionen Kubikmeter Wasser den Berg verlassen hatten, was einem Gewicht von 6 Millionen Tonnen entsprach. Als Folge des Wassereinbruchs verzeichnete man in Grenchen drei Erdbeben. Dabei seien Gegenstände umgeworfen worden und spielende Kinder seien zu Boden gefallen.

20 neue Wasserfassungen

In der Folge musste die BLS im Tunnel 20 Wasserfassungen bauen. Damit wurde für Grenchen die Wasserversorgung sicher gestellt. Das überschüssige Wasser, das nicht ins Grenchner Versorgungsnetz eingeführt wurde, diente der BLS zum Betrieb eines kleinen Kraftwerkes. Die hier gewonnene elektrische Energie reichte aus, um die Tunnelventilation und die Pumpen zu betreiben. Zudem konnte die Parketteriefabrik Emch einen Teil des Stromes übernehmen.

Heute ist dieses Kleinkraftwerk dank den Bemühungen von Armin Meier wieder in Betrieb. Nach kurzer Zeit schon waren nur noch 17 Wasserfassungen in Betrieb. 1968 wurden die jahrzehntelangen Verhandlungen mit der BLS abgeschlossen.

Heute noch bezieht die Stadt Grenchen einen grossen Teil des Trinkwassers aus 17 Quellen im Grenchenbergtunnel. Regelmässig werden die Wasserfassungen kontrolliert. 2014 wurden 1 874 530 Kubikmeter Wasser aus dem Grenchenbergtunnel in den Haushaltungen und Betrieben Grenchens verbraucht.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1