Was in Solothurn möglich ist, das soll in Grenchen nicht unmöglich sein: Diesen Satz äussern Grenchner ab und zu, wenn es um ihren Autobahnzubringer, die Archstrasse, geht. Diese liegt gefährlich nahe an der Flughafenpiste. Nicht wenige Grenchner sähen dort deshalb am liebsten eine Unterführung der Strasse. Genauso wie es in Solothurn die Westumfahrung mit dem Gibelintunnel gibt.

Jetzt wieder aufs Tapet gebracht hat eine Unterführung der Grenchner Kantonsrat Peter Brotschi (CVP). Er fordert von der Regierung in einem Vorstoss, dass sie die Sicherheit auf der Archstrasse erhöht und dabei nochmals eine Tunnelvariante prüft. Immerhin verkehren auf der Strasse täglich rund 21 500 Fahrzeuge.

Ausgerechnet im Bereich der Piste ergibt sich zur Feierabendzeit oft Stau, wenn der Autobahnanschluss und der Breitlingkreisel überlastet sind. Ein Flugzeug, das zur Stosszeit über den Pistenrand hinausrast, führte zur Katastrophe, so Brotschis Befürchtung – 60 Prozent der Abflüge und 40 Prozent der Anflüge queren die Archstrasse.

60 bis 70 Mio. Franken Kosten

Am Dienstag hat der Regierungsrat Stellung zum Auftrag genommen. Dieser dämpft Brotschis Erwartungen. Zwar verspricht die Regierung, das Problem anzugehen. Das Thema Unterführung der Archstrasse klammert sie aber mehr oder weniger aus. Zu teuer sei das auf 60 bis 70 Mio. Franken geschätzte Vorhaben.

Konkret will der Regierungsrat nun gemeinsam mit dem Bundesamt für Strassen Massnahmen prüfen, damit der Stau auf dem Autobahnzubringer – möglichst mit Kostenbeteiligung des Bundes – reduziert werden kann. «Mit der Reduktion der Stausituation könnte auch das Risiko der Kollision zwischen einem Flugzeug und dem stehenden Strassenverkehr reduziert werden», heisst es aus dem Rathaus.

Gleichzeitig denken auch die Verantwortlichen des Flugplatzes über zusätzliche Sicherheitsmassnahmen nach: Eine Schotterpiste am westlichen Pistenende könnte künftig «ein überrollendes Flugzeug stark abbremsen». Dank der Sicherheitsmassnahmen wäre im Extremfall «eher ein Ausrollen als ein Überschiessen über die Archstrasse zu erwarten», schreibt die Regierung in ihrer Stellungnahme.

Alle Auflagen sind erfüllt

Grundsätzlich hält die Regierung aber fest: Der Flughafen erfüllt sämtliche Sicherheitsvorgaben und ist dafür vom Bundesamt für Zivilluftfahrt auch zertifiziert worden. Schon 2001 sei die Archstrasse als Risiko ausgemacht worden. Die Pistenschwelle sei deshalb um 135 Meter nach Osten versetzt worden.

Zudem sei es nicht ungewöhnlich, dass sich nahe bei Flughäfen Strassen befinden: In Grenchen beträgt die Distanz 90 Meter wie in Lugano. In La Chaux-de-Fonds sind es 30 Meter, in Saanen 120. Heute müssen Piloten die Archstrasse zudem in mindestens acht Metern Höhe überfliegen.

Wer würde zahlen?

Nun liegt der Ball beim Kantonsrat. Er wird in einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden, wie es weitergeht. Er kann den Auftrag Brotschi annehmen, ablehnen, oder die Variante der Regierung erheblich erklären.

Für den Flughafen, dessen Pistenverlängerungsprojekt kürzlich gescheitert ist, hätte die Untertunnelung den Vorteil, dass die Mindestüberflughöhe reduziert und die Pistenschwelle nach Westen zurückverschoben werden könnte. Der Kanton sieht beim Tunnel jedoch ein Finanzierungsproblem, da vom Bund kaum Unterstützung zu erwarten sei: Das Bundesamt für Strasse würde keine Tieferlegung wegen der Piste mitfinanzieren.

Andererseits beteilige sich das Bundesamt für Zivilluftfahrt nur an Sicherheitsmassnahmen «innerhalb des Flugplatzperimeters». Für den Grenchner Peter Brotschi ist aber klar: Geht es um Sicherheit, dürfen Kosten nicht im Vordergrund stehen. In Solothurn hatte man schliesslich auch Geld für einen Tunnel – ohne Piste nebenan.