Aus Oensingen stammt der 63-Jährige. Er lernte Chemielaborant, arbeitete im Gastgewerbe, im Verkauf und war in der Logistik tätig. Administrative und praktische Tätigkeiten in einem Generalbauunternehmen hat er ausgeführt.

Durch die Tür des ehemaligen Geschäfts tritt man direkt in Looslis Atelier. Ein runder Tisch mit einem skizzierten Gemälde darauf, die Wände behängt mit eigenen Bildern, ein Computer und Malutensilien. Auffällig ist die Ordnung. Die Pinsel sind fein säuberlich gesammelt. «Es spart mir einen Haufen Geld und ist praktisch», erklärt Loosli schmunzelnd.

Vor einigen Jahren schlug die Krankheit zu. Loosli wusste sich kaum zu helfen. Er suchte Unterstützung im Spital, war lange dort und begegnete in der Therapie dem Zeichnen und der Malerei. «Das erste Bild zeigte einen und vielleicht meinen damaligen Weg», erinnert sich Loosli an die Zeichnung mit der endlosen Allee und dem aufgewühlten Himmel. «Das Malen hat mich beruhigt, ich konnte meinen Gefühlen damit Raum und Gestalt geben.»

Ueli, wie er von vielen genannt wird, benutzt meist Acrylfarben und malt heute auf Leinwand. Vom Atelier gibt es einen Durchgang mit Kochgelegenheit zum Schlaf- und Wohnbereich. Eine Türe führt zu einer kleinen lauschigen Terrasse. Loosli zieht dort Blumen, sinniert am Tisch und geniesst das kleine Stück Natur. Vögel, die sich in der Nähe niederlassen, scheint er mit Namen zu kennen. Er spricht mit ihnen und sie reagieren auf diese Zuwendung mit langem Bleiben.

Vom Foto zur Skizze

Auf dem Ateliertisch hat Loosli die Umrisse des Hôtel-de-Ville in Grenchen auf Leinwand gebannt. Vor Tagen hat er das Gebäude fotografiert, die Aufnahme auf dem Computer gespeichert und mit dieser Vorlage die Skizze erarbeitet. Längst hängt das vollendete Werk in der Vitrine. «Manchmal dauert es nur 24 Stunden von der Idee zur malerischen Darstellung», sagt Loosli.

Ausflüge zum Blausee waren an Geburtstagen einst Tradition. Daran hat er sich kürzlich erinnert, den Blausee gezeichnet; vom Entwurf bis zum Gemälde dauerte es einen Tag. Und das Werk ist gut gelungen. Wie versessen malt er in solchen Phasen. Wenn er mit dem Resultat zufrieden ist, fühlt er sich nach dem schöpferischen Prozess völlig entspannt, gut gelaunt und motiviert, wieder mit «seinen» Vögeln zu parlieren.

Loosli versucht auch, berühmten Malern nachzueifern. Einige Pariser-Szenen erinnern an Van Gogh, andere Bilder sind dem abstrahierenden Stil mit reinen, symbolkräftigen Farben von Franz Marc nachempfunden. Weil der Tschechisch-Unterricht in der Sprachschule nicht zustande kam, lernte Loosli Spanisch. «Ich habe Latino-Blut in den Adern», erklärt er seine Vorliebe für Sujets aus diesem kulturellen Raum. «Ich male nicht, um Bilder zu verkaufen», gibt Loosli bekannt und ergänzt «ich muss nichts». Freude bereiten ihm Besucher, die seine Werke betrachten, beim einen oder andern Bild innehalten und bemerken: «Das ist ein Loosli». «Ich male, weil es mir gefällt und vor allem, weil es mit guttut», erklärt er seine Motivation.