Grenchen
«Uhrenpatron Rudolf Schild war ein Alphatier» — Eine Ausstellung im Kultur-historischen Museum

Am Sonntag fand anlässlich der aktuellen Ausstellung im Kultur-historischen Museum eine öffentliche Führung mit Aron Müller und Bettina Hahnloser, Enkelin des Uhrenpatrons Rudolf Schild-Comtesse (1900-1975) statt.

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Ein Uhrenpatron vom Scheitel bis zur Sohle: Rudolf Schild-Comtesse privat – mit den Söhnen Claude (l.) und Alfred.

Ein Uhrenpatron vom Scheitel bis zur Sohle: Rudolf Schild-Comtesse privat – mit den Söhnen Claude (l.) und Alfred.

zvg

Durch die aktuelle Ausstellung im Kultur-historischen Museum Grenchen fand am Sonntag eine öffentliche Führung mit Aron Müller und Bettina Hahnloser, Enkelin des Uhrenpatrons Rudolf Schild-Comtesse (1900-1975) statt. Schild-Comtesse war Chef der Eterna und der ETA. Die Journalistin Hahnloser hat 2015 im NZZ-Verlag eine Biografie ihres Grossvaters veröffentlicht. «Es dauerte eine Weile, bis ich den Durchblick bei der weitverzweigten Schild-Familie hatte», sagte Hahnloser zu ihrer Arbeit am Buch, welches nicht zuletzt auch in Grenchen einige Reaktionen hervorgerufen habe. Beispielsweise von Leuten, welche Rudolf Schild kannten. «Er war ein Alphatier und führte sehr autoritär.»

Schon 1956 gewarnt

Die Situation in der Uhrenindustrie sei sehr speziell gewesen, mit Firmen, die sich einerseits konkurrenzierten, anderseits im Uhrenstatut gleichgeschaltet waren. Diese Marktabschottung sei mitunter eine Ursache der grossen Uhrenkrise der 1970er-Jahre gewesen. Schon 1956 allerdings habe Schild wegen der hohen Preise des Uhrenkartells gewarnt.

Er habe sich aber auch geweigert, die ins Trudeln geratene Uhrwerkherstellerin ASSA seines Grossonkels Adolf Schild zu übernehmen. Denn die ETA sei betrieblich auf Zack gewesen und Schild befürchtete eine «Ansteckung». Die Integration der ASSA 1975 habe er knapp nicht mehr erlebt, 1971 zog er sich aus der Firma zurück.

«Nicht gefallen hätte meinem Grossvater auch, wenn er gesehen hätte, dass die ETA mit einer eigenen Uhr auf den Markt kommt», sagte die Schild-Enkelin zur Swatch. Denn die Loyalität zu den Kunden (Uhrenmarken) sei bei ihm stets gross gewesen.

Ein Trauma für Grenchen

Doch Krise war Krise. Einmal mehr hatten ausländische Uhrenhersteller, diesmal Seiko, mit einer hochautomatisierten Produktion von mechanischen Uhren, den Schweizern den Schneid abgekauft. Die Schweiz sei zwar hinsichtlich Quarzuhr technologisch à jour gewesen, habe aber deren Potenzial nicht erkannt, erläuterte Kulturvermittler Aron Müller anlässlich der Ausstellungsführung.

30'000 Uhrenarbeiter mussten sich neu orientieren, Grenchen war schwer betroffen und die Wunden bis heute sichtbar. «Das Auf und Ab der Konjunktur in der Uhrenindustrie ist eng mit globalen Entwicklungen verknüpft. Zuletzt war dies auch wieder in der Finanzkrise sichtbar», meinte Müller. (at.)

Die Ausstellung zu den Uhrenkrisen in Grenchen dauert noch bis zum 13. Mai. Heute Montagabend findet zudem um 19 Uhr im Parktheater die Vernissage zur neuen Stadtgeschichte statt.

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