Die Marke, welche einst die Kontiki-Expedition von Thor Heyerdahl ausrüstete, kämpft vor Gericht ums Überleben, nachdem im vergangenen Oktober der Amtsgerichtsstatthalter von Solothurn-Lebern auf Antrag eines Gläubigers die Firma (einmal mehr) für Konkurs erklärt hat.

Laut Informationen dieser Zeitung handelt es sich um ein Konkursverfahren nach Art. 190 SchKG. Hier kann ein Gläubiger beim Gericht Konkurseröffnung auch ohne vorgängige Betreibung verlangen. Dies ist zum Beispiel möglich, wenn ein der Konkursbetreibung unterliegender Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat.

Der Sachverhalt wird allerdings vom Gericht weder bestätigt, noch dementiert, weil das Verfahren nicht öffentlich ist. Dieses wird schriftlich geführt. Eterna hat gegen den Konkurs sofort Einsprache erhoben. Das Obergericht hat der Einsprache vor einem Monat aufschiebende Wirkung erteilt.: Das heisst: Eterna ist zurzeit nicht (mehr) Konkurs. Ein definitiver Entscheid steht aber noch aus.

Jagd auf die Marke?

Soweit war man schon mal. Am 22. August hob das Obergericht eine vorgängige Konkursverfügung des Amtsgerichtes nach wenigen Tagen wieder auf.

Was steckt hinter dem Hin und Her? Fakt ist, dass die Firma, die seit 2011 chinesischen Investoren gehört, schon 2017 von Lieferanten in Millionenhöhe betrieben wurde. Der derzeitige Chef Jérôme Biard leitet die Nobelmarke Corum und Eterna für dieselben Besitzer zusammen. Im Interview macht er geltend, man wolle die Marke weiterentwickeln und habe lediglich etwas die Übersicht beim Bereinigen von Altlasten verloren. Schon im Sommer hatte man von einem «Irrtum» gesprochen und war damit offenbar beim Gericht erfolgreich. Ein neuerlicher Entscheid des Obergerichtes steht noch aus.

Ein Grenchner Insider bringt eine weitere Erklärung ins Spiel. Er vermutet, dass jemand Eterna in den Konkurs treiben will, um billig den Namen aus der Konkursmasse herauskaufen zu können. Denn der Name hat trotz etwas Patina einen legendären Ruf, den man bei entsprechender Marketingpotenz in die Waagschale werfen kann. Biard will von dieser Verschwörungstheorie allerdings keine Kenntnis haben.

Wieder ist Eterna angeblich Konkurs. Haben Sie Ihre Rechnungen nicht bezahlt?

Jérôme Biard: Es handelt sich in diesem Fall um einen Konflikt um Rechnungen, die wir nicht anerkennen. Es ist zwar wahr, dass wir immer noch Rechnungen zu bezahlen haben, aber wir fahren fort, sie Schritt für Schritt zu begleichen: die Liste wird immer kürzer.

Wer sind Ihre Gegner? Ein Lieferant, oder mehrere?

Wir haben keine Gegner, sondern viele – allzu viele – Zahlungsaufforderungen für alte Rechnungen oder auch Lieferungen, die weit zurückliegen und die wir nicht mehr in unseren Büchern, im Lager oder unter den eigenen Rechnungen nachverfolgen konnten. Das macht die Arbeit ziemlich schwierig.

Ein Insider in Grenchen vermutet, dass sich jemand mit dem Vorgehen die Marke Eterna günstig unter den Nagel reissen möchte. Ist das für Sie plausibel?

Darüber habe ich keine Informationen, doch vielleicht weiss die betreffende Person mehr als ich. Tatsache ist: im Leben ist nichts gratis. Zweifellos ist Eterna eine verführerische Marke mit einem starken Potenzial, insbesondere sobald es uns gelungen sein wird, die etwas chaotischen Vermächtnisse der jüngsten Vergangenheit zu bereinigen.

Wie hoch ist der Betrag, um den man verhandelt?

Die Marke ist nicht zu verkaufen. Die Besitzerin CWJ (Citychamp Watch & Jewellery Group) hängt sehr an diesem wichtigen Bestandteil der Schweizer Uhrmachertradition.

Wie läuft es denn zurzeit bei Eterna und was sind Ihre Ziele mit der Marke?

Kurzfristig bleiben wir mit unseren Ambitionen bescheiden: Wir wollen Eterna stabilisieren und Schritt für Schritt wieder hinauffahren. Wir setzen den Schwerpunkt zurzeit bei der «Kon Tiki» Kollektion. In diesen Tagen erscheint eine Sonderserie des Bronze-Modells mit grünem Zifferblatt und Lünette in einer limitierten Auflage von 300 Stück. Alle mit einem hauseigenen Uhrwerk der EMC (Eterna Movement Company).

Wie viele Personen arbeiten noch für Eterna?

Etwa ein Dutzend sind exklusiv auf der Eterna-Payroll, aber auch die 75 Mitarbeitenden bei Corum arbeiten zeitweise für Eterna.

Und bei der Uhrwerkproduktion EMC ?

Hier sind es etwa 20 Personen im Eterna-Gebäude in Grenchen.

Die Büros haben Sie ja schon alle in La Chaux-de-Fonds. Bleibt die Uhrwerkproduktion in Grenchen?

Ja, absolut. Die Uhrwerkproduktion ist für uns sehr wichtig.