Ursprünglich war diese Kartell-Struktur für die Industrie tatsächlich ein Vorteil. Das Uhrenstatut sei aber zunehmend dirigistisch und schwerfällig geworden und habe nötige Kurskorrekturen in der Unternehmensführung schliesslich derart behindert, dass es als eine der Ursachen für die schwere Krise in den 70er- und 80er-Jahren anzusehen sei, erklärte Bruno Bohlhalter.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die schweizerische Uhrenindustrie unbestrittene Nummer eins auf dem Weltmarkt, hatte aber mit neuen Hindernissen zu kämpfen, die ihre Hauptursache im erschwerten Zugang zu den internationalen Märkten hatte.

Die Protektionismus-Welle nach dem Ersten Weltkrieg wirkte sich sehr negativ auf die Uhrenexporte aus. Um die steigenden Zollabgaben zu umgehen, setzten manche Schweizer Hersteller auf eine Chablonnage genannte Praxis, die darin bestand, halbfertige Uhrwerke zu exportieren und sie erst in den Verkaufsländern zusammenzubauen. In der Uhrenbranche befürchtete man jedoch wegen des damit verbundenen Technologietransfers schädliche Auswirkungen. Man wollte der Chablonnage ein Ende bereiten, und aus diesem Grund wurde in der Zwischenkriegszeit das Uhrenstatut eingerichtet.

Kartellähnliche Lösungen

In den 1920er-Jahren waren die allermeisten Uhrenfabriken Familienunternehmen. Die Uhrenpatrons wollten keine mit Fremdkapital finanzierten Grossunternehmungen gründen, bei denen sie auf der Strecke zu bleiben drohten, sondern zogen kartellähnliche Lösungen mit allgemeinverbindlichen Mindestverkaufspreisen vor, die ein Überleben der kleinen Betriebe erlaubten. 

Um 1930 sind viele Unternehmen in der Uhrenindustrie bei den Banken schwer verschuldet. Auch die Politik greift nun ein und solidarisiert sich mit den Uhrenmachern. Deshalb kommt es 1931 mit Unterstützung der Banken und der Eidgenossenschaft zur Gründung einer Superholding, der «Allgemeinen schweizerischen Uhrenindustrie AG» (Asuag), welche die Ebauches SA sowie die meisten unabhängigen Werkhersteller (die «Dissidenten») und die Hauptzulieferer für regulierende Uhrenbestandteile (Spiralen, Federn, Zubehör) übernimmt, mit dem Ziel, den Markt für Bestandteile und Rohwerke völlig zu kontrollieren.

«Geschlossene Gesellschaft»

In der Folge werden die staatlichen Eingriffe, nicht zuletzt auf Drängen der Uhrenbranche, noch akzentuiert. Es entsteht eine Art «geschlossene Gesellschaft». So bedürfen sowohl die Eröffnung wie die Vergrösserung, der Ortswechsel und Änderungen der Firmenbezeichnung von Uhrenbetrieben einer Bewilligung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements. Dasselbe gilt für eine Erhöhung der Belegschaft, weil jeder Firma eine offizielle Beschäftigtenquote zugeteilt ist, und schliesslich sind auch Änderungen der Geschäftsfelder von einer Bewilligung durch den Staat abhängig. Das wirkt.

1940 bis 1960 ist die Blütezeit der Uhrenbarone und in fast jeder Ortschaft des Jurabogens spielen ein oder zwei Familien von Kleinunternehmern eine wichtige Rolle in Politik und Gesellschaft ihrer Region.
Zwar melden sich bereits in den 50er-Jahren kritische Stimmen am Uhrenstatut (z. B. Gottlieb Duttweiler). Ein Paradigmenwechsel mit mehr Liberalisierung erfolgt jedoch erst 1961 und das Uhrenstatut hält sich danach immerhin noch weitere zehn Jahre.