Adolf Gschwind kommt die Treppe des Kultur-Historischen Museums hinunter ins Foyer. Die Brille auf der Nase, das Haar fein säuberlich frisiert. «Bin ich hier in einem Museum?», fragt er erstaunt und begeistert zugleich, während er eine Fotografie und andere Gegenstände von sich betrachtet. Dann richtet sich der ETA-Arbeiter, der von 1886 bis 1966 gelebt hat, ans Publikum und beginnt von seiner Zeit und seinen Erinnerungen zu erzählen. Er weiss sehr viel zu berichten, denn zu Lebzeiten hat er gerne Geschichten erzählt und mit seiner Zither ausserdem viel Musik gemacht.

Auszeichnung für Talent

Für gut dreissig Minuten wurde Adolf Gschwind in der öffentlichen Vorstellung vom Samstag buchstäblich wieder lebendig und führte die Gäste durchs Museum. Das Szenenspiel ist ein Angebot des Kultur-Historischen Museums Grenchen. Den Text schrieb Iris Minder, sie führte auch Regie. Verkörpert wird Gschwind vom jungen Schauspieler Tom Muster, der den diesjährigen Förderpreis für junge Talente erhalten hat.

Überzeugend und mit viel Feingefühl schlüpfte Muster in die Rolle des Uhrenarbeiters, der 1946 seine Memoiren verfasst hat, und die in der Publikation «Erinnerungen eines ETA-Arbeiters» letztes Jahr neu herausgegeben wurden. Gschwind hat sehr vieles miterlebt, so, wie Grenchen von einem Dorf zur Stadt wurde. Neben interessanten und spannenden Fakten, die sich um das nicht gerade einfache Leben der Arbeiter drehten, kamen auch witzige Erzählungen und Wortspiele nicht zu kurz.

Muster, der eine glänzende Darbietung vollbrachte, hatte die Lacher auf seiner Seite. Der Jungschauspieler kann am 28. Januar im Girard-Saal im Bachtelen den Nachwuchsförderpreis der Kulturkommission Grenchen entgegennehmen.

Volles Haus

An der Theaterführung vom Samstagnachmittag haben über vierzig Besucher teilgenommen; mit so vielen Zuschauern hat man nicht gerechnet. Nach der Vorstellung blieb noch Zeit, Fragen zu stellen und sich die Ausstellung anzusehen. Bei einigen Zuschauern wurden beim Szenenspiel Erinnerungen an die Zeit wach, die sie noch selber miterlebt haben.

Die nächste und letzte öffentliche Vorstellung findet am 22. Februar um 15 Uhr statt, eine Voranmeldung ist nicht nötig. Kinder bis 16 Jahre haben gratis Eintritt, für Erwachsene ist der Museumseintritt von fünf Franken zu bezahlen. Es ist auch möglich, ein Szenenspiel beim Museum zu buchen. Ein reserviertes Szenenspiel kostet 70 Franken, exklusive die Museumseintritte.