Leserwandern Etappe 6

Uhren, Aussicht und Ungemach zwischen Solothurn und Grenchen

93 Leserwanderer fuhren mit dem «Weissenstein-Express» und lernten, wie sich Grenchen neu erfindet.

Die Fahrt mit dem «Weissenstein-Express» von Solothurn zum Bahnhof «Im Holz», dem Startpunkt der 6. Wander-Etappe, dauerte gerade mal zehn Minuten. Das reichte den angereisten Leserwandern, um eine angeregte Diskussion über die einst totgesagte Bahnstrecke zwischen Solothurn und Moutier anzuregen.

Noch vor wenigen Jahren drohte der 1908 eröffneten Bahn Ungemach: Die SBB hatten die Solothurn-Moutier-Bahn auf eine schwarze Liste unrentabler Strecken gesetzt. Die Verbindung generierte weniger als 30 Prozent der Einnahmen, die für ihren Unterhalt nötig waren.

Doch dann kam die Wende. 2017 entschieden sich die Schweizerischen Bundesbahnen, die traditionsreiche Verbindung aufzpeppeln. 2021 wird mit den Bauarbeiten begonnen: 85 Millionen fliessen in die Sanierung des in die Jahre gekommenen Weissensteintunnels, 60 Millionen kosten die übrigen Bauarbeiten. So sollen etwa die Bahnhöfe Im Holz, Oberdorf, Gänsbrunnen, Crémines-Zoo, Corcelles und Grandval behindertengerecht ausgebaut werden. Im November 2022, so der Plan, präsentiert sich die alte Strecke dann im neuen Glanz.

Mutlose Bahn-Vermarkter

Damit sich der ganze Aufwand wirksam vermarkten lässt, führte der Verein «Weissensteintunnel Linie 411» gemeinsam mit Solothurn Tourismus vor anderthalb Jahren einen Namensfindungs-Wettbewerb durch. 600 Vorschläge gingen ein, darunter so originelle wie «la Transweiss», «Röstigrabenexpress», «Juraflitzer» oder «s’Wissesteinerli». Gewonnen hat schliesslich der Vorschlag «Weissenstein-Express». Mutlos fanden das viele. Doch entschieden ist entschieden.

Wanderleiter Jürgen Hofer erzählte den 93 Leserwanderern auf der 6. Etappe von Lommiswil nach Grenchen über die verblasste Uhrenindustrie in Grenchen und den langen Kampf, den die Einwohner der Stadt am Jurasüdfuss gegen die Natur ausfochten. Grenchen hatte kaum brauchbare Landwirtschaftsflächen, trotz massiven Rodungen in der Gegend. Deshalb sprang die Stadt in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Uhrenzug auf. Mit der Uhrenkrise in den 1970er Jahren kam der Niedergang. Heute ist Grenchen dabei, sich als Hightech-City neu zu erfinden.

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