Die Harmonie Bätterkinden heisst die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in der Mehrzweckhalle Eyacker mit feurigen Klängen willkommen. Gemeindepräsident Roger Siegenthaler ist nicht nur deren Dirigent, sondern führt zugleich als Moderator durch den Festakt. Ausschlaggebend dafür ist das neue Dorfbuch, das abwartend unter einem leuchtend roten Samttuch ruht.

Zehn Jahre zu früh

Die Anwesenden geniessen vorerst den kurzen Film «Üses Dorf», der Lüterkofen-Ichertswil von der prächtigsten Seite zeigt sowie den grandiosen Film «Primarschule im Wandel der Zeit» der 5. und 6. Klasse (siehe Kasten). Über die spannende Projektarbeit erzählen Schulleiterin Regina Keller und Lehrerin Annamarie Kuratli. Ursprünglich glaubte die Gemeinde, im Jahr 2015 ihren 700. Geburtstag feiern zu dürfen. Nachforschungen von Gerhard Schneider haben aber ergeben, dass dies erst in zehn Jahren der Fall sein wird. Die Idee der Kulturkommission zur Realisation eines Dorfbuches wurde aber trotzdem aufgenommen. Mit den Hauptsponsoren Lisbeth Mathys-Sieber – sie wird wegen ihrer grossen Verdienste zur Ehreneinwohnerin erkoren – und der Bürgergemeinde Lüterkofen-Ichertswil sowie vielen weiteren Spendern war die Finanzierung gesichert.

Ein Dorf auf 152 Buchseiten

In der Mehrzweckhalle wird derweil unter Applaus und Musikklängen das 152-seitige Dorfbuch dem Publikum präsentiert. «Unzählige Interviews bei älteren Personen und Besuche beim Seniorenmittagstisch waren für die Realisation nötig. Aber auch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Wissensträgern zu den vielfältigen Themen», hält Doris Heinimann, Präsidentin der Kulturkommission, fest. Unter «Visionen» kommt im Buch auch die 3. und 4. Klasse des A3 Schulverbandes zu Wort. Professionelle Begleitung in Text und Konzept erhielt das Werk von Pascal Hegner und seinem Team.

Klar, dass beim Apéro tüchtig auf die gelungenen Ergebnisse von Film und Buch angestossen wird. Auf dem Vorplatz, in der faszinierenden Vollmondnacht, munden die Leckereien vom Grill und die süssen Waffeln besonders gut.

Schulunterricht vor 100 Jahren und Blick in die Zukunft

Einen Flughafen im Dorf mit Raketenstartbasis und Kuscheltierladen; ein Schulhaus samt Helikopterlandeplatz; einen Rollskilift und eine Schwebebahn zum bequemen Schulweg; einen utopischen Freizeitpark; ein Ferrari-Traumauto mit 940 PS. Das wünschen sich die 3.- und 4.-Klässler. Ihre Ideen über das Dorf scheinen in Bezug auf Schulhäuser, Freizeit, Autos grenzenlos. In der Mehrzweckhalle beeindrucken Plakate und kreative Modelle ihrer Visionen. Demgegenüber schauen die 5.- und 6.-Klässler zurück. 50 Schüler und zwölf Lehrpersonen haben zum Thema «Primarschule im Wandel der Zeit» einen grossartigen Film kreiert. Für ihr Drehbuch befragten sie Grosseltern und ältere Leute. Im Film sitzen die Schüler, authentisch gekleidet und barfuss, an alten Holzpulten, kritzeln auf Schiefertafeln und rechnen an Zählrahmen. Sie beten zu Beginn des Unterrichts und werden von den gestrengen Schulmeistern gelobt oder getadelt. In ihrer Freizeit heisst es, auf dem Feld arbeiten, die Kühe melken, den Stall misten . . . (APB)