Es war einfach zu viel des Gebimmels, was die reformierte Zwinglikirche am letzten Julisamstag beim Einläuten des Sonntags von sich gab. Nach allerlei Bemühungen und unter Beizug von alt Kirchenverwalter Ruedi Köhli konnte die unbotsame Glocke nach über einer Stunde endlich abgestellt werden.

Dasselbe passierte laut Angaben von Kirchensigristin Monika Wyss am 1. August, als die Kirchenglocken anlässlich des Nationalfeiertages erschallten. Auch hier wollte die Glocke Nummer 1 einfach nicht mehr aufhören zu schlagen und musste von Hand abgestellt werden. Da wusste man immerhin schon, wie reagieren und alles ging deshalb etwas schneller.

Problem ist lokalisiert

«Seither gehen wir kein Risiko ein und schalten das Läutwerk zum Gottesdienst, am Samstagabend oder bei Beerdigungen von Hand ein und aus», erklärt die Sigristin. Denn 13 Minuten soll das Vollgeläute mit allen vier Glocken der Zwinglikirche dauern, mehr nicht.

Inzwischen habe man aber auch den Fehler gefunden. Er liegt bei der Elektronik, welche das mechanische Läutwerk steuert. Schon wiederholt hatte man das zuvor das 1924 gebaute und vor elf Jahren letztmals revidierte Läutwerk untersucht und gewartet da beispielsweise im Frühjahr der Stundenschlag durcheinander geriet (wir berichteten). Nachdem es dann einige Wochen rund lief, dachte man, man habe das Problem gelöst. Was aber offensichtlich nicht der Fall war.

Nur 3 Glocken zu hören

Erst jetzt ist ein Techniker der Wartungsfirma der Kirchturmtechnik dem Defekt auf die Schliche gekommen. Er liegt laut Wyss beim elektronischen Steuergerät, welches den mechanischen Teil mit Impulsen steuert. Einige dieser Impulse fallen aus, so dass mitunter eine Glocke nicht abgestellt wird.

«Diese Glocke läutet bis zur Reparatur überhaupt nicht, es sind zurzeit nur drei Glocken zu hören», erläutert Kirchenverwalter Sven Schär eine weitere Massnahme. Und natürlich habe man nach Absprache mit Kirchgemeinderatspräsidentin Nelly Furer bereits die Reparatur veranlasst. Diese werde darin bestehen, dass gleich das ganze Steuergerät ersetzt wird. Eine Reparatur würde sich beim 24-jährigen Teil nicht mehr lohnen, war man sich einig. Es werde mit Kosten von gut 7000 Fr. gerechnet.

Ersatz ist bestellt

Das Gerät wurde bereits bestellt und wird zurzeit beim Hersteller für die Zwinglikirche programmiert. Dank technischem Fortschritt wird die neue Einrichtung eine Fernwartung des Läutwerks erlauben, so dass sich allfällige Probleme direkt bei den Fachleuten manifestieren und diese auch aus Distanz eingreifen könnten.

Auch vor Ort hat man gewisse Lehren gezogen. Die Polizei habe unterdessen die Telefonnummer der Kirchensigristin, welche - in Staad wohnhaft - Anomalien akustisch gar nicht richtig mitkriegen würde. Übrigens hätten die Grenchner relativ gelassen auf die jüngsten Entgleisungen im Kirchturm reagiert. Richtig «hässige» Telefone habe es keine gegeben, erklärt Sven Schär. «Vielmehr sind wir freundlich bis besorgt auf den Umstand aufmerksam gemacht worden, dass da etwas nicht mehr stimmen kann», ergänzt Monika Wyss.

Laut Angaben der Firma Muribaer Kirchentechnik wird der neue Steuerungscomputer, der die Impulse sowohl für die Kirchturmuhr als auch für das Läutwerk liefert, voraussichtlich nächste Woche geliefert und eingebaut. Beim Einbau werde lediglich die Kirchturmuhr ein paar Minuten stillstehen, mit unwillkürlichen Glockenschlägen oder «Probeläuten» sei nicht zu rechnen, heisst es.