Industrieansiedlung

Über 30 neue Arbeitsplätze für Grenchen

Alpha Elektrotechnik AG - Rendering des geplanten Neubaus in Grenchen

Alpha Elektrotechnik AG - Rendering des geplanten Neubaus in Grenchen

Die Firma Alpha Elektrotechnik AG in Nidau hat von der Stadt Grenchen ein Grundstück in der Industriezone gekauft und plant dort einen Neubau zur Umsiedlung sämtlicher Aktivitäten.

Damit entstehen in Grenchen über 30 neue Arbeitsplätze. Hintergrund der Umsiedlung ist die Raumsituation am heutigen Firmensitz. «Unsere Firma ist heute fast gänzlich von Wohnhäusern umgeben und die Firmengebäude sind veraltet, ja teilweise fast 100 Jahre alt. Das Layout der Gebäude lässt keinen effizienten Warenfluss für die Produktion mehr zu», erklärt Jean-Marc Gamma, Geschäftsführer der Alpha Elektrotechnik AG, kurz Alpha ET.

Neuanfang auf der grünen Wiese

In Grenchen ist deshalb ein Neuanfang geplant auf einem Grundstück von 4286 Quadratmetern an der Niklaus-Wengi-Strasse. Geplant ist ein dreigeschossiges Produktions- und Verwaltungsgebäude mit Tiefgarage für die Parkplätze der Mitarbeitenden. Die Produktionsfläche (inkl. Lager) soll 1600 m2 umfassen, der Bürobereich 800 m2. Laut Gamma werden rund 6 Mio. Fr. investiert.

«Die Baueingabe erfolgte im Februar, der Spatenstich ist für Mai geplant, sofern uns die Coronakrise keinen Strich durch die Rechnung macht», so der Geschäftsführer weiter. Wenn alles klappt ist der Umzug nach Grenchen im Frühling 2021 geplant.

Wieso wird gerade in Grenchen gebaut? Laut Gamma habe man eigentlich in der Umgebung von Nidau bleiben wollen, damit sich für die Mitarbeitenden möglichst wenig am Arbeitsweg ändert. Da man in Nidau und den Nachbargemeinden nicht fündig wurde, wurde der Suchperimeter ausgeweitet. «In Grenchen erhielten wir von Anfang an Unterstützung durch die Wirtschaftsförderin Karin Heimann und haben die für uns ideale Parzelle an der Niklaus Wengi Strasse gefunden.»

Alles hat irgendwie mit Strom zu tun

Alpha ET hat 30 Mitarbeitende und 2 Lehrlinge und ist in zwei Geschäftsbereichen tätig, die beide mit Strom zu tun haben. Zum einen entwickelt und baut die Firma Trennschalter für Hoch- und Mittelspannungsleitungen. Für Wartungsarbeiten oder bei Pannen (z. B. durch Blitzschlag oder Bäume) müssen Hochspannungsleitungen zuverlässig vom restlichen Stromnetz getrennt werden. Diese Trennschalter müssen mit Spannungen bis 550 kV umgehen können, also 550 000 Volt. Zum Vergleich: aus der Steckdose kommt der Strom mit 230 Volt (0,23 kV). Beim Unterwerk vis a vis des SWG-Gebäudes an der Brühlstrasse oder in der BKW-Hochspannungsverteilstation zwischen Lengnau und Pieterlen kann man beispielsweise solche Einrichtungen sehen.

«Die Schalter sind grundsätzlich genormt, doch haben die verschiedenen Elektrizitätswerke jedes leicht unterschiedliche Spezifikationen», erklärt Gamma. Wichtig bei diesen Produkten ist, dass sie auch unter extremen klimatischen Bedingungen (z. B. Eis) zuverlässig funktionieren. «Wir haben ein Testlabor, wo wir unsere Produkte diesbezüglich und auf viele weitere Kriterien hin testen können», erklärt Jean-Marc Gamma. Die Schalter werden manchmal monate- oder gar jahrelang nicht ausgelöst, müssen aber im entscheidenden Moment funktionieren.

Twindexx-Auftrag zieht sich in die Länge

Der zweite Geschäftsbereich von Alpha ET umfasst Hochspannungsverkabelungen für Züge. «Das sind im wesentlichen die Stromleitungen, die man auf dem Dach von Lokomotiven und Triebzügen und bei den Wagenübergängen sieht», beschreibt Gamma diese Produkte. Sie leiten den Strom vom Stromabnehmer zu den Transformatoren und Motoren.Kunden sind hier also Schweizer und ausländische Rollmaterialhersteller.

Auch der neuen Twindexx-Zug der SBB ist mit Verkabelungen aus Nidau ausgerüstet. Ein Auftrag, der nicht ganz einfach zu disponieren ist. Der Hersteller kämpft bekanntlich mit allerlei Kinderkrankheiten der neuen Zugsgeneration. Diese Lieferung läuft über mehrere Jahre. «Vor drei Jahren hätte die Lieferung abgeschlossen sein sollen. Aktuell ist geplant, dass die letzten Kabel 2021 geliefert werden. Das heisst, dass das Projekt rund vier Jahre länger dauerte als geplant.» Auch im Bahntechnik-Bereich ist Sicherheit und Zuverlässigkeit das wichtigste Kriterium und ein USP der Firma. Witterung, Vibrationen bei Geschwindigkeiten bis 400 km/h und eine Lebensdaueranforderung von 30-40 Jahren sind die Stichworte.

80 Prozent der Produkte gehen ins Ausland

Die Belegschaft von Alpha ET arbeitet etwa zu einem Drittel in der Montage der Produkte, die aus Bestandteilen von Zulieferern gebaut werden. Diese befänden sich schwergewichtig im Ausland, erklärt Gamma. Auch die Produkte werden zu 80 Prozent an ausländische Kunden geliefert. Der Umsatz beträgt etwa 11 Mio. Fr. pro Jahr.

Das Gros der Beschäftigten arbeitet in der Entwicklung, der Projektplanung, im Produktmanagement, Vertrieb, Büro etc. «Auch zwei ehemalige Uhrmacher , die schon mal in Grenchen gearbeitet haben, sind bei uns», berichtet Gamma mit Augenzwinkern.

Die zur Schweizer Industrieholding Pfiffner gehörende Firma (vgl Kasten unten) sieht die grössten Wachstumschancen im Bahnbereich in China und Indien, in Europa sehe man in Märkten wie Frankreich und Spanien noch Potenzial. Im Energiebereich wolle man allmählich bei den Energieunternehmen der europäischen Nachbarländer Fuss fassen, fasst Gamma zusammen.

Zunächst gilt es allerdings auch für Alpha ET, die Coronakrise zu meistern. So habe man Kurzarbeit einführen müssen, nachdem verschiedene europäische Bahnhersteller ihre Werke geschlossen haben und man deshalb die (just in time)Lieferungen aufschieben müsse.

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