«Es ist der Kampf mit der Natur, der mich an der Fliegerei fasziniert,» erzählt Tony Birrer mit leuchtenden Augen. «Der Mensch ist eigentlich nicht zum Fliegen geboren. Dieses Naturgesetz überwinden zu können ist fantastisch.» Tony Birrer weiss, wovon er spricht. Kein zweiter Schweizer hat die Erde so oft von oben gesehen wie er. Mittlerweile zählt er über 30 000 Flugstunden, die er absolviert hat, dabei ist er schon beinahe 100 000 Mal wieder sicher am Boden gelandet. «Einen gefährlichen Zwischenfall gab es in all der Zeit glücklicherweise noch nie. Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel überhaupt», erläutert der Fluglehrer.

Von Kindesbeinen an begeisterte sich der Bauernjunge fürs Fliegen. Durchquerte ein Flugzeug das Land, hatte er nur noch Augen dafür und liess jegliche Arbeit liegen. So war es nicht weiter erstaunlich, dass er sich von seinem ersten Lehrlingslohn als Automechaniker Flugstunden kaufte. Egal wohin ihn das Leben trieb, das Fliegen war immer ein Bestandteil davon. Er lebte in Südafrika, Kanada, Kalifornien und weiteren Orten. Hatte er einen Batzen Geld gespart, war er schnell für die nächste Flugstunde ausgegeben. Zurück in der Schweiz absolvierte er die Berufspilotenausbildung für Instrumentenflug in Zürich. Da es nur sehr wenige Stellen als Pilot gab, bot er fortan auf dem Flugplatz Ascona Rund- und Taxiflüge an. Dort nahm seine Laufbahn eine Wende: «Mein damaliger Chef sagte mir, dass ich durch meine geduldige Art ein prädestinierter Fluglehrer wäre. Ich hatte zuvor noch nie daran gedacht», so Birrer. Ein Jahr später hatte er die Fluglehrerprüfung abgeschlossen.

In Grenchen heimisch geworden

Sein Weg als frischgebackener Fluglehrer führte ihn zu den Flugplätzen in Beromünster, Triengen und Basel, bis er schliesslich nach Grenchen kam und sesshaft geworden ist. «Die Atmosphäre in Grenchen ist professionell und familiär, deshalb wollte ich hierbleiben», meint Birrer. Er beschloss 1996, seine eigene Einmann-Flugschule zu gründen und sich selbstständig zu machen. Diesen Schritt hatte er nie bereut: «Selbstständig zu sein ist super. Ich kann meinen Tag planen, wie ich will, und habe Zeit, für meine Schüler da zu sein.»

Seit 40 Jahren ist Tony Birrer nun Fluglehrer, doch er liebt seinen Beruf noch genau so sehr wie am ersten Tag. Er erklärt, wieso sein Feuer für die Fliegerei und den Lehrerberuf immer noch brennt: «Es ist ein unglaublich befriedigendes Gefühl, jemandem zur bestandenen Prüfung zu gratulieren, weil ich weiss, dass ich ihm alles beigebracht habe.» Es seien aber nicht nur diese speziellen Momente, für die er seinen Beruf liebt. Es ist der Kontakt mit den Menschen und der Alltag im Cockpit, der jeden Tag zu einem besonderen mache. Zu jedem Schüler baut er eine Beziehung auf und nimmt sich Zeit. Es ist seine warmherzige Art, welche seine Flugschüler zu schätzen wissen. Doch Tony ist sich bewusst, dass er diesen Beruf nicht mehr ewig ausüben kann: «Ich bin 70 Jahre alt. Momentan fühle ich mich noch sehr fit, doch die Frage nach einem Nachfolger wird sich früher oder später stellen.» Bis dahin wird er seine Leidenschaft leben und noch Manchem hoch über den Wolken das Fliegen lehren.