Für Charles Riesen, Mitglied der Projektgruppe des Flughafens und Sprecher in Sachen Pistenverlängerung, ist der Entscheid der Regierung «ein wichtiger Schritt vorwärts», wie er auf Anfrage betont. Die Zahl der Varianten sei jetzt von fünf auf zwei reduziert worden (wir berichteten).

Flughafen: kein Favorit

Jetzt gelte es, die von der Regierung gestellten offenen Fragen zu klären. Insbesondere wie man die Finanzierung einer allfälligen Untertunnelung der Piste sicherstellen könne. Riesen erwartet zudem, dass die Stadt und der Kanton ihre Präferenzen äussern, also klar machen, ob sie die Tunnellösung oder die Umfahrung bevorzugen. Der Flughafen selber habe keine favorisierte Lösung. «Für uns ist die Pistenverlängerung das zentrale Element. Diese ist auf jene oder die andere Weise gewährleistet».

Die Tunnellösung kostet aufgrund der schwierigen Bauverhältnisse satte 77 Millionen Franken. Dabei wird erwartet, dass sich der Flughafen beteiligt. «Das ist sicher ein Thema. Wir werden das im Verwaltungsrat diskutieren», sagt Riesen. Dass der Betrag die Möglichkeiten des Flughafens aber deutlich übersteigt, ist klar. «Es ist deshalb wichtig, dass die gesamte Verkehrssituation berücksichtigt wird. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung Grenchens ist schon heute der Autobahnzubringer in den Stosszeiten verstopft. Hier besteht ohnehin Handlungsbedarf», meint Riesen. Und da wären dann wieder der Kanton und die Stadt gefragt.

Falls die deutlich billigere Umfahrungslösung realisiert wird, entstehen grössere Schäden an der Witi. In diesem Fall müsste der Flughafen ökologische Ausgleichsmassnahmen ergreifen. «Das ist grundsätzlich möglich», signalisiert Riesen. Wie diese aussehen, sei aber zurzeit noch nicht klar. Schliesslich äussert Riesen die Hoffnung, dass die Sanierung des Flughafens rasch voranschreitet. «Die neuen Regelungen bezüglich Sicherheit bestehen nun doch schon einige Jahre. Es wäre gut, wenn wir bald einmal mitziehen könnten», meint der ehemalige Direktor des Flughafens Belp.

«Bezahlbare Lösung»

Für Stadtpräsident Boris Banga ist «wichtig, dass wir eine bezahlbare Lösung erhalten.» Es sei grundsätzlich positiv, dass der Regierungsrat die Notwendigkeit der Investition sehe, um den Status quo erhalten zu können. Die Kosten der Untertunnelung seien hingegen im Vergleich zum Pistenbau sehr hoch.

Ohne einen substanziellen Beitrag des Kantons könne diese Lösung nicht realisiert werden, meint Banga. Er ruft in Erinnerung, dass der Kanton schon beträchtliche Beiträge für Umfahrungen in den anderen Solothurner Städten ausgegeben hat. Was die Ökologie betreffe, müsse auch der Flughafen Hand bieten, beispielsweise mit einer Höchstzahl von Starts und Landungen.

Tunnel oder Umfahrung?

In der Grenchner Politiklandschaft ist der Pistenausbau grundsätzlich unbestritten, sogar bei den Grünliberalen. Präsident Eric von Schulthess, hat sich die beiden Varianten angeschaut. Grundsätzlich sei er für eine Pistenverlängerung, sagt von Schulthess. Nicht, um den Flughafen auszubauen, sondern um den Sicherheitsvorschriften Genüge zu tun.

Bei den beiden vom Regierungsrat weiter verfolgten Varianten ist für ihn aber klar, dass nur eine Unterführung infrage kommt. «Die Umfahrung ist ganz klar nicht in unserem Interesse, weil durch diese Variante zu viel wertvolles Kulturland verloren geht.»

Nicole Hirt, die neue GLP-Gemeinderätin, sieht das ähnlich. Was die Kosten des Tunnels betrifft, ist sie aber weniger optimistisch. «Das scheint mir praktisch unbezahlbar. Wir sollten trotzdem versuchen, Lösung zu realisieren mit möglichst guten ökologischen Ersatzmassnahmen.» Sie sei kompromissbereit.