Rund 170 Gäste aus Wirtschaft und Politik konnte Firmenpatron Urs Tschudin am Dienstag zur Eröffnung des neuen Firmengebäudes an der Neckarsulmstrasse 41 begrüssen. Es beherbergt seit vergangenem 15. März die Maschinenbauunternehmung Tschudin, die vom zu kleinen Standort an der Maienstrasse umgezogen ist und die Werkzeugmaschinen-Vertriebs- und Servicefirma Wenk, welche ihren Sitz von Biel nach Grenchen verlegt hat.

Im imposanten Industriebau mit fünfgeschossigem Büro-Annex wurde zu einem Bankett mit Köstlichkeiten des Solothurner Gourmetkochs Andy Zaugg geladen, zu Ansprachen und Grussadressen sowie zu einer Führung durch die grosszügigen und hellen Räume. Die Büroräume, teilweise mit geschosshohen Fensterfronten, bieten eine prächtige Aussicht Richtung Witi und Flughafen.

Lange Vorgeschichte

Zu Beginn resümierte Urs Tschudin die lange Geschichte des Neubaus, welcher Gegenstand von umfangreichen vorgängigen Abklärungen war. Es ging dabei um (un-)möglichen Landabtausch in der Industriezone oder auch um die zunächst geplante Vergrösserung des Grundstücks, welches von der Grenchner Gemeinderatskommission aber nicht bewilligt worden sei, wie Tschudin sagte.

Dies zwinge die Firma nun teilweise, in Fernost zu produzieren, weil in Grenchen nun zu wenig Platz sei für die Produktion eines neu entwickelten Modells. «Wir hätten auch noch weitere 25 Arbeitsplätze schaffen können», hielt Tschudin fest.
Das Hin- und Her mit Dutzenden geprüften Varianten für den Neubau - die Pläne waren im Foyer zu sehen – habe aber auch sein Gutes gehabt. «Wir haben bei jedem Planungsdurchgang wieder etwas dazugelernt», meinte Tschudin anlässlich des Rundgangs durch die neuen Räume. Weniger lustig sei es allerdings für Architekt Fred Marc Branger gewesen, welchen man durch die endlose und knifflige Planerei «schier zur Verzweiflung getrieben»habe.

Wieder bei Null begonnen

Nun, am Dienstag schien das alles vergessen, auch der Umstand, dass die Firma in den 1990er-Jahren tief in finanziellen Schwierigkeiten steckte, grösstenteils verkauft wurde und quasi bei Null wieder beginnen musste. Männiglich gab sich in der grossen Fabrikhalle ein Stelldichein, um diese Zäsur im Zeichen des wieder erstarkten Maschinenbauers zu feiern. Darunter Handelskammer-Präsident Hansjörg Stöckli, Regierungsrat Remo Ankli, der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen (Verwaltungsrat bei Tschudin) oder alt Nationalrat Hansruedi Wandfluh, welcher als Industrieller sowohl Lieferant als auch Kunde der Firma ist und der als ETH-Student ein Praktikum bei Tschudin absolviert hat.

Urs Tschudin gab seiner Freude Ausdruck, dass auch Gäste aus Russland und China zugegen waren und viele weitere Kunden und Lieferanten, mit denen man schon Jahre zusammenarbeite. «Und am meisten freut mich, dass wir diese Feier am 66. Hochzeitstag meiner Eltern, Lotti und Hansruedi Tschudin, begehen dürfen.»

Ansprache von Swissmem-Präsident

Als Festredner amtete kein geringerer als Swissmem-Präsident Hans Hess, Leiter des Schweizer Branchenverbandes der Maschinen- und Metallindustrie mit 320'000 Angestellten. «Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass hierzulande eine so bedeutsame Industrie-Investition, zumal noch mit einem 40-Tonnen-Kran, eröffnet werden kann», sagt Hess. Angesichts der aktuellen Herausforderungen für den Werkplatz Schweiz sei dies auch ein «Zeichen von unternehmerischem Mut».

Die Industrie sei nach wie vor eine wichtige Stütze für die Innovationskraft der Schweiz und insbesondere die Maschinenindustrie geniesse Weltruf. «Da die Branche 80 Prozent ihrer Produkte exportiert, müssen wir jeden Tag neu beweisen, dass wir die Besten sind.»
Damit die Schweiz diesen Vorsprung erhalten könne, brauche es eine Reihe von Rahmenbedingungen, zu denen es Sorge zu tragen gelte: Qualifizierte Mitarbeiter, welche das hiesige duale Bildungssystem mit Berufslehre bereitstelle, Forschung und funktionierender Wissenstransfer in die Praxis, diskriminierungsfreie Zugänge in die Weltmärkte, ein liberaler Arbeitsmarkt und attraktive Steuern und Zinsen. «In diesen Bereichen müssen wir Weltklasse sein, wie die Firma Tschudin beim Rundschleifen», schloss Hess seine Ausführungen.

Die Festbesucherinnen- und Festbesucher hatten anschliessend die Möglichkeit, sich ein Bild zu machen von den Hi-Tech-Produkten aus Grenchen, welche in alle Welt geliefert werden. So beim Testlauf von bis zu 20 Tonnen schweren Rundschleifmaschinen für China, die Wellen für Turbolader Mikrometer-genau schleift oder mehrachsige Bearbeitungszentren des japanischen Herstellers Mazak, die von der Firma Wenk importiert und gewartet werden.

Demnächst soll auch ein automatisiertes Hochregallager in Betrieb genommen werden, von dem aus ein Roboter-Trolley die Teile-Sets zu den entsprechenden Montage-Stationen der Werkhalle transportiert. Das Layout der Halle mit dem grossen Maschinenkran erlaubt die Ein- und Auslieferung von Maschinen über die Montagestationen weg an jeden Punkt der Halle.