25. «Bettle Silvesterlauf»
Trotz Streckenrekord: Kameradschaft statt harte Konkurrenz

Läufer, Wanderer und auch Biker standen am 25. Bettle Silvesterlauf im Einsatz – ohne Schnee blieben die Skier im Keller. Und lediglich zwei Frauen waren unter den Läufern dabei.

Patric Schild (Text und Foto)
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Ebenso berüchtigt wie legendär ist der «Gemseli-Tee» beim «Oberen Brüggli».

Ebenso berüchtigt wie legendär ist der «Gemseli-Tee» beim «Oberen Brüggli».

Es ist kurz nach halb zwölf. Nach und nach treffen die Laufbegeisterten beim Schützenhaus Bettlach ein. Man begrüsst sich herzlich, es wird getratscht, gelacht und die eine oder andere Neuigkeit ausgetauscht. Von hartem Konkurrenzkampf keine Spur. Aber genau dies entspricht auch dem Geist des traditionellen «Bettle Silvesterlauf». Man trifft sich zum gemeinsamen Jahresausklang, pflegt die Kameradschaft und frönt dabei der gemeinsamen Leidenschaft, dem Laufsport.

Dies ruft auch Organisator Christian König den Läufern kurz vor dem Start nochmals in Erinnerung: «Wir sehen den Lauf immer noch als Plausch, also ‹nid go wiene Moore›», witzelt König. Um Punkt 12 Uhr fällt der Startschuss. Über 30 ehrgeizige Läuferinnen und Läufer, von Jung bis Alt, sind gewillt den Bettlacherberg zu bezwingen.

Und was besonders auffällt: Auch zwei Bikes kommen zum Einsatz. Denn vom Schuhwerk über die Skier bis hin zum Fahrrad ist jedes Transportmittel erlaubt, solange es nicht motorisiert ist. Wobei wenig erstaunt, dass die Skier dieses Jahr von niemandem aus dem Keller geholt wurden, denn den Schnee suchte man auch auf dem Bettlebärg vergebens.

Ein neuer Streckenrekord

Während unten die Läufer gerade gestartet sind, laufen oben beim Restaurant «Oberes Brüggli» die Vorbereitungen für den berüchtigten «Gemseli-Tee» auf Hochtouren. Das legendäre Gebräu wird von Heinz Lorenz und Roland Thalmann am Zielort und am offenen Feuer zubereitet. Doch dieses Jahr müssen sich die beiden Herren sputen. Denn bereits warten vier Damen sehnsüchtig auf ihr heiss ersehntes Aufwärmgetränk. «Wir haben nicht mit solchen Kampfwanderern gerechnet», scherzt Thalmann. Die Wanderer starten traditionsgemäss eine Stunde vor den Läufern und hatten die Strecke in diesem Jahr im Eiltempo zurückgelegt.

Es soll jedoch nicht die einzige Spitzenleistung des Tages bleiben. Denn nach einer knappen halben Stunde ist bereits der erste Läufer am Horizont auszumachen. Dass es sich dabei um den Seriensieger Beni Eicher handelte überraschte indes keinen. Nicht wer den Lauf gewinnen wird, wurde vor dem Start gerätselt, sondern, mit welcher Zeit Eicher ins Ziel einläuft.

Der Dauersieger schaut zufrieden auf seine Uhr: 32 Minuten und 40 Sekunden, das ist neuer Streckenrekord. Somit hat Eicher seine eigene Bestzeit geknackt, die er vor zwei Jahren aufgestellt hat. «Schneller werde ich sicher nicht mehr, schliesslich werde auch ich nicht jünger», sagt der Seriensieger. Ausserdem habe sich das Fehlen des Schnees sicherlich positiv auf die Laufzeit ausgewirkt. «Ich habe aber nichts dagegen, wenn es die nächsten 20 Jahre wieder durchgehend Schnee hat, das macht die ganze Sache auch anspruchsvoller», erklärt der Spitzenläufer. Eichers Vorsprung ist beachtlich.

Nur zwei Frauen rannten mit

Mehrere Minuten verstreichen, bis die Zweit- und Drittplatzierten, Christoph Sommer und Michel Derendinger, in die Zielgerade einbiegen. Etwas lockerer konnten es die Frauen angehen. Denn gerade einmal zwei Läuferinnen waren zum 25. Silvesterlauf angetreten. Madeleine Furrer sicherte sich den ersten Platz vor Ruth Eggenschwiler. Nach gut 40 Minuten erreicht auch der erste Biker das Restaurant «Oberes Brüggli» und zieht eine positive Bilanz. Der Direktvergleich mit den Läufern zeigt, dass beide in etwa gleichauf sind: «Auf den flachen Strecken bin ich mit dem Bike im Vorteil, aber wenn es richtig steil wird, dann sind die guten Läufer deutlich schneller», erklärt Claude Müller vom Veloklub Viktoria aus Gerlafingen.