Grenchen
Trotz Aufwertung: Medizinischer Masseur bleibt wenig bekannt

Angelo Nicoletti aus Grenchen, Medizinischer Masseur, macht sich für seinen medizinischen Beruf stark. Ihn stört vor allem, dass der Medizinische Masseur beim medizinischen Personal wenig bekannt ist.

Fränzi Rütti-Saner
Merken
Drucken
Teilen
Angelo Nicoletti betreibt seit 18 Jahren in Grenchen eine Medizinische Massagepraxis.

Angelo Nicoletti betreibt seit 18 Jahren in Grenchen eine Medizinische Massagepraxis.

Schon seit einiger Zeit ist es ein Anliegen von Angelo Nicoletti aus Grenchen, seinen Beruf «Medizinischer Masseur eidg. FA» in der Öffentlichkeit besser bekannt zu machen. Er stört sich weniger an den vielen Masseuren oder Masseusen, die sich «wellnessartig» betätigen. «In diesem Bereich ist die Abgrenzung zu unserem Beruf klar.» Ihn stört eher, dass der Medizinische Masseur, kurz MM genannt, auch beim medizinischen Personal wenig bekannt ist.

«Dabei ist der medizinische Masseur mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis der einzige Massageberuf, der geregelt und geschützt ist. Wir arbeiten nach definierten physikalisch-therapeutischen Grundlagen und haben uns in unseren Therapien laufend weiterentwickelt», hebt Nicoletti hervor.

Übergangsfrist gilt noch bis 2014

Wie andere Berufe im medizinischen Bereich wurde auch der des Medizinischen Masseurs aufgewertet. Die Ausbildung zum Medizinischen Masseur eidg. FA löst den bisherigen Medizinischen Masseur FA SRK ab. Die Ausbildung findet auf der Tertiärstufe statt. «An entsprechenden Berufsschulen kann die Ausbildung für die Berufsprüfung erworben werden. Noch bis 2014 gilt eine Übergangsfrist für den Übertritt vom SRK-Fähigkeitsausweis zum eidgenössischen Fähigkeitsausweis», erklärt Nicoletti, welcher gleichzeitig als Verantwortlicher für die Berufspolitik des Verbandes der Medizinischen Masseure der Schweiz vdms amtet.

Angelo Nicoletti, der seit 18 Jahren in Grenchen eine Praxis betreibt, spricht über die Therapieformen und die Wirkungen, welche mittels Medizinischer Massage erzielt werden können. «Als Medizinischer Therapeut behandelt man Folgen und Beschwerden von Krankheit, Unfall oder auch Schwangerschaft. Therapiert werden Beschwerden des gesamten Bewegungsapparates. Dazu gehören, neben den Muskelgeweben, die normalerweise mit den Massageberufen assoziiert werden, auch Bindegewebe und Gelenke», erklärt Nicoletti.

Aufgrund einer Studie der McMaster University Hamilton (Kanada) wisse man heute, dass mittels gezielter, richtiger Massagetechniken neben der schmerzlindernden Wirkung auch Entzündungen gehemmt und die so genannte Mitochondrien-Synthese angeregt wird, welche die Leistungsfähigkeit der Muskulatur stärke. Der Medizinische Masseur kann den betroffenen Bewegungsapparat nicht nur über die Muskulatur behandeln, sondern beziehe auch das Bindegewebe und die Gelenke sowie über die verschiedenen Rezeptoren auch das Nervensystem mit ein.

Zwei unterschiedliche Massagen

Am häufigsten, zu rund 70 Prozent, beschäftige sich der Medizinische Masseur mit dem Rücken und der Wirbelsäule, sagt Nicoletti. Aber auch Schultern, Arme und Beine, sowie deren Gelenke, stünden im Mittelpunkt der Behandlungen. Ein wichtiger Bereich stelle auch die manuelle Lymphdrainage dar.

Nicoletti erklärt, dass sich die Medizinische Massage klar von der klassischen Massage unterscheidet, bei welcher es sich oft um eine Wellnessanwendung handle. «Die Medizinische Massage unterliegt zudem einer fortlaufenden Weiterentwicklung, welche auf anatomisch-physiologischen Grundlagen, empirischen Erhebungen sowie wissenschaftlichen Studien beruht.»

Kommt ein Patient zur Medizinischen Massage, werde zunächst eine gründliche Anamnese und eine Befunderhebung durchgeführt, so Nicoletti. Darauf aufbauend werde dann eine Behandlungsstrategie entwickelt, und die Fortschritte würden laufend überprüft. Nicoletti bedauert, dass manche Ärzte heute noch zu wenig genau darüber informiert seien, was der Medizinische Masseur bewirken könne. «Leider gibt es ein Wirrwarr in diesem medizinischen Tätigkeitsbereich.»

Nicoletti ist es deshalb ein Anliegen, die Arbeitsweise des Medizinischen Masseurs aufzuzeigen. Vereinfacht gesagt: Der Medizinische Masseur arbeitet vorwiegend manuell am Patienten, um Funktionsverbesserungen am Bewegungsapparat zu erreichen. Zusätzlich zeigt er ihm auch Übungen als Hausaufgaben, um aktiv mitzuarbeiten.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Medizinische Massage, wenn eine Zusatzversicherung (für Komplementärmedizin) vorhanden sei, sagt Nicoletti. Erfreulich sei, dass es derzeit genügend Berufsnachwuchs gebe, jedoch: «Das Interesse am Beruf des Medizinischen Masseurs ist da, doch bin ich überzeugt, dass man neben der fachlichen Befähigung für diese Tätigkeit noch einiges an Lebenserfahrung mitbringen sollte.»