Wussten Sie, dass es auch in Grenchen Kopfsteinpflaster gibt? Ich meine nicht das moderne, grobe auf der Bachstrasse, das zuverlässig Velofahrer wachrüttelt und Fussgängern eine Reflexzonenmassage auch noch durch dicke Gummisohlen hindurch verpasst. Nein, ich meine richtiges, altes, mit Bsetzisteinen, wie wir es beispielsweise in unserer schönsten Barock-Nachbarstadt meilenweit begehen könnten – was ja wohl kein Grenchner einfach so tun würde. Aber das nur nebenbei.

Denn er findet es auch in seiner Heimat, wenn auch nur ganz, ganz wenig davon. Bewusst wurde es mir erst, als ich neulich mal wieder zum Zwinglihaus musste, das bekanntlich an der gleichnamigen, von der Kapellstrasse bis zur Kirche ansteigenden Quartierstrasse liegt. Diese ist in der Tat auf einer geschätzten Länge von 100 Metern mit Pflastersteinen befestigt. Sie dürften wohl an die 100 Jahre alt sein, vielleicht etwa so alt wie die Kirche. Und das ist für Grenchner Verhältnisse ja schon sehr alt. Hier dürfen jetzt Solothurner Leser grinsen.

Doch oh je – und deshalb fällt es überhaupt auf: Hier hat die SWG gewirkt und beim Setzen eines Hydranten oder bei Reparaturen die Pflastersteine weggerissen und durch Teerbelag ersetzt. Sieht übel aus. Seitens der Bevölkerung hat man jedenfalls im Tiefbauamt schon interveniert, wie dort zu vernehmen ist. Durchaus verständlich, sind eben Bsetzisteine in Grenchen wirklich ein rares Gut. Es gilt zu jedem einzelnen Sorge zu tragen!

Dem trägt die Stadt Rechnung und man versichert, dass die Reparatur nur ein Provisorium sei. Denn, und das leuchtet ein: Zuerst muss sich der aufgefüllte Graben setzen. Würde man zu früh pflästern, gäbe es am Ende eine Holperstrecke (vgl. Bachstrasse…).

Wir Pflasterstein-Freunde müssen uns also noch etwa ein Jahr gedulden, bis alles wieder an seinem Platz ist, verspricht der städtische Tiefbauchef Thomas Rüegger. Dieser bestätigt übrigens amtlich, dass es sich bei der Zwinglistrasse um die einzige öffentliche Strasse mit Kopfsteinpflaster in Grenchen handelt. Zwar gibt es noch zwei weitere Strassen, doch die sind privat: der Friedensweg gleich nebenan mit lediglich ein paar Meter Pflaster und am Schöneggrain.

Wieso es in Grenchen nicht mehr Pflästerungen gibt, dürfte inzwischen auch klar sein: Gäbe es eine Revolution, hat das Volk keine Munition. So was gehört nach den Erfahrungen mit dem Generalstreik wohl zu vorausschauender Ortsplanung.