Flughafen-Geschichte

Tragischer Tod beim Schleppflug – Absturz am Ostersonntag vor 60 Jahren

Vor 60 Jahren war der heutige 29. März ein Ostersonntag. Für die Fliegergemeinschaft auf dem Grenchner Flugplatz wurde er zu einem traurigen Tag: Adolf Bähr stürzte bei einem Schleppflug kurz nach dem Start am Ufer der Aare ab und war sofort tot. Das Segelflugzeug klinkte aus und konnte auf den Flugplatz zurückkehren.

Start der Segelflugsaison

Wenn der Frühling da ist, startet auf dem Flughafen Grenchen die Segelflugsaison. Seit Jahrzehnten gehört dies zur Tradition. Da die Atmosphäre noch kalt ist, die Sonne im Verlaufe des Tages aber bereits einheizt, ist mit gutem Aufwind zu rechnen. So herrschte am 29. März 1959 reger Segelflugbetrieb. Die Wetterbedingungen versprachen an diesem Ostersonntag längere Segelflüge.

Für den kurz vor seinem 32. Geburtstag stehenden Piloten Adolf Bähr sollte es der letzte Tag werden. Der aus Mannheim stammende Deutsche arbeitete als Elektriker und wohnte in Solothurn an der Hauptgasse 3. Am Morgen fuhr er mit dem Zug nach Grenchen, um auf dem Flugplatz seinem Hobby nachzugehen. Seit zwei Jahren besass er den Führerausweis für Privatpiloten und für Segelflugzeuge. Adolf Bähr, der bei seinen Zeitgenossen noch heute als zuverlässiger und flotter junger Mann in Erinnerung ist, war an diesem Tag bei der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen als Schlepppilot eingesetzt.

Das Schleppflugzeug war die De Havilland Canada DHC-1 Chipmunk mit der Registrierung HB-TUD, das im Jahr 1950 gebaut worden war und seit 1957 in Grenchen flog. Die zweiplätzige Maschine war damals das Standard-Schulflugzeug der britischen Royal Air Force. Prinz Philip erhielt beispielsweise 1952 seine ersten Flugstunden auf einer Chipmunk. Das «Streifenhörnchen» war bei den Piloten beliebt, nicht zuletzt wegen seines Aussehens und seines fliegerischen Verhaltens gleich einem «kleinen Jagdflugzeug».

Ein 19-jähriger frisch brevetierter Segelflieger wollte an diesem Ostersonntag am späteren Vormittag einen Trainingsflug am Jura machen. Er stieg alleine in den Schuldoppelsitzer Schleicher Ka-4 «Rhönlerche», der mit HB-590 im nationalen Register der Luftfahrzeuge eingetragen war. Adolf Bähr erhielt den Auftrag, den Segelflieger zu schleppen. Der Flug sollte Richtung Osten starten, um über die Selzacher Witi und nördlich an Bettlach vorbei an den Jurahang bei Grenchen zu führen.

Flugzeug flog zu langsam

Um 11.16 Uhr startete der Schleppzug auf dem heutigen Segelfluggelände. Das Abheben der beiden Flugzeuge und die erste Phase des Steigfluges verliefen normal. Aber etwa 800 Meter nach der Piste bemerkte der Segelflugpilot, dass die Chipmunk nach links abkippte. Er klinkte aus, machte eine Umkehrkurve und konnte wieder auf dem Flugplatz landen. Die Chipmunk fiel unmittelbar nach dem Ausklinken wegen Unterschreitens der Mindestfluggeschwindigkeit in eine Rechtsvrille (Trudeln infolge eines Strömungsabrisses an einer der beiden Tragflächen). Bähr hatte keine Chance, wegen der geringen Höhe die Vrille zu retablieren. Das Flugzeug schlug auf der Westseite des «Bettle-Rank» im Gebiet mit dem Flurnamen «Sandacker» auf, ungefähr fünf Meter von der Aare entfernt. Der sofort herbeigerufene Grenchner Arzt Stephan Berther, der an der Wiesenstrasse 57 seine Praxis hatte, war um 11.30 Uhr an der Unfallstelle und konnte nur noch den Tod des Piloten feststellen.

Verschiedene Zeugen hatten auf dem Flugplatz den Unfall mitverfolgt. Der Pignonsschneider Arthur Daumüller aus Bettlach (Jahrgang 1925) gab zu Protokoll, dass Adolf Bähr vor dem Start «munter und spassig aufgelegt» gewesen sei. Vom abgestürzten Piloten wurde bei einem Beerdigungsgottesdienst in der Kapelle St. Peter in Solothurn Abschied genommen.

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