GrenchenTourismus

Tourismus wird in Grenchen sträflich vernachlässigt

Beispiel aus dem Tourismusangebot: Der Findlingspark ist auch im Herbst einen Besuch wert. Foto: om

Beispiel aus dem Tourismusangebot: Der Findlingspark ist auch im Herbst einen Besuch wert. Foto: om

Grenchen ist nicht gerade ein Mekka für Touristen. Zwischen Solothurn und der Dreiseenlandschaft hinter Biel eingeklemmt, fristet die Uhrenstadt touristisch gesehen ein Schattendasein. Trotz gutem Angebot tut eine Professionalisierung Not.

Grenchen ist nicht gerade ein Mekka für Touristen. Zwischen der Barockstadt Solothurn und der Dreiseenlandschaft hinter Biel eingeklemmt, fristet die Uhrenstadt touristisch gesehen fast ein Schattendasein. Für den Präsidenten von Grenchen Tourismus steht denn auch fest, dass man das Angebot noch stärker fördern könnte und müsste.

Dennoch biete die Region Grenchen ein grosses Angebot, betont Christoph Siegrist. Auch im Herbst lasse sich viel unternehmen. «Die Grenchenberge sind immer gut für einen Ausflug. Eine Fahrt mit dem Monstertrotti macht grossen Spass und im Winter sind die Hotpots sehr gefragt. Auch die Sternwarte ist den Besuch immer wert», sagt Siegrist. Der Steimannliweg, der Hupperweiher, der Waldlehrpfad, der Vita-Parcours für Fitness-Bewusste und – nicht zu vergessen – der Findlingsgarten mit einem Blick in Grenchens Urgeschichte, um nur einige der Vorschläge zu nennen, die Grenchen Tourismus mittels Prospekten anpreist.

«Jetzt im Herbst steht natürlich auch Minigolf hoch im Kurs. Man kann auf dem Regionalflugplatz Rundflüge buchen und bei schlechtem Wetter im Bocciodromo eine Partie Boccia spielen.» Primär richteten sich die Angebote an Leute aus der näheren Region, «aber wir haben auch Leute von weiter her, das stellen wir vor allem bei unseren Stadtführungen fest».

Nach der Verleihung des Wakker-Preises ins Leben gerufen, hätten die Führungen einen echten Boom erlebt. «Speziell die Wakker-Stadtführung, die sich mit Grenchens herausragender Architektur der Nachkriegszeit befasst, ist immer noch sehr gut besucht.» 30 bis 40 Stadtführungen würden pro Jahr durchgeführt. Die verschiedenen thematischen Führungen – Wakker-Preis 2008, Uhrenindustrie, Kunst im öffentlichen Raum, Mazzini, Generalstreik 1918, Gewerbe und Restaurants und Beizen – sind beliebt. «Allerdings besuchen meist Auswärtige, die geschäftlich in Grenchen sind, diese Führungen.»

Zu wenig Ressourcen

Alle beim Verein Grenchen Tourismus arbeiten ehrenamtlich. «Wir möchten, nein müssen unsere Strukturen professionalisieren», sagt Siegrist, der als Präsident kaum Zeit findet, sich in dem Masse zu engagieren, wie er das eigentlich möchte. Einerseits möchte man durch einen professionelleren Auftritt Gelder generieren, die es ermöglichen würden, jemanden fest anzustellen. «Andererseits führen wir strategische Gespräche mit Kanton Solothurn Tourismus und möchten vermehrt auch mit dem Dreiseenland zusammenarbeiten.»

Man könnte noch viel tun, um den Tourismus in der Region Grenchen zu fördern. «Wenn der Bootshafen realisiert würde, wäre das eine Bombensache. Zusammen mit einem Campingplatz und dem Fischerhaus als Restaurant könnte man eine interessante Kombination anbieten.» Aber da die Investoren fehlten, sei das bis jetzt nur Träumerei. Auch wäre es wünschenswert, dass die Anzahl der privaten Unterkünfte noch zunehmen würde, weil diese offenbar nicht schlecht gebucht werden. Mit den Hoteliers der drei Stadthotels habe man ein gutes Einvernehmen, sagt Siegrist. Man wolle gemeinsam einen runden Tisch durchführen, um die Bedürfnisse abzuklären. «Es wäre wünschenswert, wenn sich ein Hotelier bereit erklären würde, bei Grenchen Tourismus im Vorstand mitzuwirken.»

Biketrail auf gutem Weg

Der Biketrail mit Start bei der Holzerhütte sei auf gutem Weg. Der Kanton Solothurn habe bereits die Bewilligung erteilt. Ein Teil des Trails führe aber über Berner Boden, und da seien noch nicht alle Unterschriften der verschiedenen Landbesitzer eingeholt. «Es sieht aber so aus, dass wir im nächsten Frühjahr starten können». So oder so sei man aber auf private Initiativen angewiesen. Denn Mittel, um selber Tourismusprojekte durchzuführen, seien nicht vorhanden. «Wir helfen gerne, bieten unsere Ressourcen in Form von Prospekten und unserem Internet-Auftritt an oder helfen bei der Umsetzung. Wir sehen uns in erster Linie als Vermarkter.»

Eine Vision hat der Präsident von Grenchen Tourismus aber, wenn auch eine eher amüsante: «Die Sässelibahn vom Weissenstein nach Grenchen versetzen. Start beim Schiffssteg bis hinauf auf den Grenchenberg. Zwischenstation auf dem Marktplatz – das wäre doch was», schmunzelt Siegrist.

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