«Der Unfall des Siemens-Elektroflugzeugs hat die Szene spürbar verunsichert und auch zurückgeworfen.» René Meier vom Organisationskomitee der zweiten «Smartflyer-Challenge» in Grenchen nahm gegenüber den Medien kein Blatt vor den Mund. Anfang Juni stürzte ein Prototyp eines Elektroflugzeugs vom Typ eFusion des ungarischen Herstellers Magnus Aircraft mit Antriebstechnik und Akkus von Siemens eAircraft an Bord in Ungarn ab. Dabei kamen der erfahrene Pilot und ein Passagier ums Leben. Es war der erste Unfall der noch jungen Elektroflieger-Szene mit tödlichem Ausgang. Über die Unfallursache liegen laut Meier noch keine Erkenntnisse vor.

Rollende Planung

Dennoch wollen die Grenchner Elektroflug-Enthusiasten nach vorne schauen. Sie organisieren am Wochenende vom 31. August bis 2. September auf dem Areal des Flughafens Grenchen die 2. Ausgabe des Fly-In für manntragende Elektroflugzeuge. Das Treffen wird – auch als Folge dieses Unfalls – weniger gross als erhofft. Zuerst habe man mit 20 bis 24 Maschinen gerechnet, «jetzt müssen wir froh sein, wenn ein halbes Dutzend Flieger kommen», so Meier weiter.

Rollende Planung sei angesagt. Sie charakterisiere die pionierhafte Elektroflug-Szene überhaupt. «Am Anfang vielversprechende Entwicklungen nehmen bisweilen einen ganz neuen, bisweilen unerwarteten Verlauf. Viele Projekte werden zurzeit modifiziert. Der Trend entwickelt sich in Richtung Hybrid-Flugzeuge», sagte der ehemalige Flughafenchef.

Batterie und Generator

Das sind Flugzeuge, die zwar elektrisch fliegen, die aber nebst Batterien auch einen Generator an Bord haben, der von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird. «Die Batterien sind nämlich nach wie vor das schwächste Glied der Elektromobilität allgemein, nicht nur in der Fliegerei», räumte Meier ein. Um eine akzeptable Reichweite zu erzielen, sind auch moderne Batterien zu schwer. Sie werden beim Hybrid-Konzept vor allem bei Start und Landung eingesetzt, im Reiseflug kommt der Strom vom Generator.

Elektromotoren sind anderseits sehr energieeffizient und leise. Deshalb halten die «Smartflyer»-Organisatoren an ihrem Slogan «the future is electric» (die Zukunft ist elektrisch) fest. Der technische Fortschritt werde am Ende dem elektrischen Fliegen zum Durchbruch verhelfen, glauben sie. Auch wenn es noch viele Millionen, wenn nicht Milliarden an Entwicklungskosten brauche.

Fluglärm vermindern

«Von deutlich leiseren Flugzeugen wird nicht zuletzt der Flughafen Grenchen mit seinen 65 Prozent Trainingsflügen profitieren können», sagte Flughafenchef Ernest Oggier.

Dass Grenchen bezüglich Elektrofliegerei die Nase im Wind hat, zeigt nicht zuletzt das hiesige Projekt des neuen Flugzeugs «Smartflyer», welches von Anfang an auf ein hybrides Design setzte (wir berichteten). Zum Auftakt des Wochenendes laden die Entwickler Daniel Wenger (OK-Chef), Rolf Stuber und Philipp Glocker Interessierte in ihre Werkstatt an der Schlachthausstrasse ein. Dabei erfahren angehende Studierende, welche Skills heute für das Flugzeugdesign nötig sind. (Anmeldung unter www.smartflyer.ch). Das Fly-In – die Organisatoren betonen, dass es sich nicht um eine Air Show mit festem Programm handelt – werde für die breite Bevölkerung vor allem am Samstag- und Sonntagnachmittag attraktiv sein, wiewohl man keine Präsenz von bestimmten Flugzeugtypen ankündigen könne. Offen ist auch noch, ob Passagierflüge möglich sind. Entsprechende Genehmigungen der Luftfahrtbehörden sind noch ausstehend. Nicht zuletzt spiele das Wetter bei den Anflügen bzw. möglichen Flugdemonstrationen eine wichtige Rolle.

Gratis-Eintritt

Am Samstag und Sonntag finden zudem verschiedene Vorträge fürs Fachpublikum und interessierte Laien statt. Als Referenten konnte man unter anderem MIT-Professor und Airbus-Verwaltungsrat Olivier de Weck verpflichten sowie Jean-Luc Charron, Präsident der «Fédération Française Aéronautique». Der Eintritt zu allen Anlässen ist frei.

Als zusätzliche Attraktion ist ein Lastwagen mit Elektroantrieb angekündigt, wie er heute bereits für alltägliche Lieferungen eingesetzt wird, sowie E-Bikes des Grenchner Anbieters Hyperspace. Laut René Meier verfügen die Organisatoren über ein Budget von knapp 30 000 Fr.

Kurzfristige Infos und Ankündigungen unter www.smartflyer-challenge.ch