Tierquälerei

Tierskandal: Nun krebst die Züchterin zurück

Tage nach der Tierschutzmeldung präsentiert sich die Situation im Keller des Züchterhauses wieder tiergerecht und passend.  Oliver Menge

Tage nach der Tierschutzmeldung präsentiert sich die Situation im Keller des Züchterhauses wieder tiergerecht und passend. Oliver Menge

Hunde in Boxen gesperrt und im Keller gehalten, Katzen zwischen Bauspänen und Staub platziert. Für die Tierschützer ein Skandal. Die Grencher Züchterin sagt nur wenig dazu.

Einen Tag, nachdem die Sauerei an die Öffentlichkeit geraten ist, reagiert die Hundezüchterin selbst auf die Vorwürfe. Sie streitet die angeblich schlechte Tierhaltung ab. Zur Erinnerung: Der Grenchner Tierschutzverein klagt sie an, weil sie ihre weissen Schäferhunde, die Border Collies und die vierzehn Katzen nicht artgerecht halten und damit quälen soll.

Belegt ist bisher nur: Die Hunde wurden während sicher einer Woche in winzigen Transportboxen gehalten, in denen sie weder Wasser hatten noch Auslauf. Der Veterinärdienst hat die Züchterin am Montag aufgefordert, den Missstand zu beheben (siehe gestrige Ausgabe). Das scheint getan. Die Frage bleibt aber, wie lange die Tiere tatsächlich so gehalten wurden.

Im Haus der Hundezüchterin

Gestern. Zum Interview im Haus der Züchterin, auf einem Landstück in einer Gemeinde in der Nähe von Grenchen. Das Haus wird derzeit komplett renoviert, Bauarbeiter sind vor Ort. Die Hunde springen wieder vergnügt auf dem Gelände herum.

Alle Spuren der furchtbaren Tierhaltung im Keller sind beseitigt, laut der Züchterin bereits seit Montag. Gerne hätten wir die Züchterin erklären lassen, warum die Tiere so gehalten wurden, was sie zu den Vorwürfen der Tierschützer sagt und wie sie denn nun mit den Tieren arbeitet. Doch nur drei Stunden nach dem Interview zogen die Züchterin und ihr Mann ihre Aussagen wieder zurück.

Zitieren lassen sie sich nur noch mit dem Satz: «Wir sind uns bewusst, dass diese Tierhaltung nicht in Ordnung war. Wir haben diesen Missstand behoben und werden alle Anforderungen des Veterinärdienstes erfüllen und auch in Zukunft einhalten.»

Die Redaktion aber weiss: Auf dem Gelände des Zuchtbetriebs stehen eigentlich grosszügige Aussengehege. Der Züchterin soll es zu riskant gewesen sein, die Hunde in besagter Woche draussen zu lassen, da sie keine Rückzugsmöglichkeit gehabt hätten. Sie selbst musste offenbar aus familiären Gründen dringend verreisen. Der Mann arbeitete tagsüber, also wurden die Hunde in den Boxen untergebracht. Die Katzen sollen ohnehin nie im Keller untergebracht gewesen sein. Warum keine bessere Lösung gesucht wurde, muss offenbleiben.

Nach wie vor entrüstet ist der Tierschutzverein. Es spiele keine Rolle, wie lang die Hunde falsch gehalten worden seien, so Tierschützerin Carmen Lischer. Deshalb wird der Verein noch nächste Woche Strafanzeige einreichen. Ausserdem werden erste Vorwürfe an den Veterinärdienst laut. Dieser kontrollierte den Betrieb erst Tage nach der Meldung.

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