Vor zwei Wochen hatten Tierschützer in einer Gemeinde in der Nähe von Grenchen eine schreckliche Tierhaltung entdeckt. Hunde waren in Transportboxen eingesperrt, Katzen gesundheitlich stark angeschlagen. Bereits hat der Veterinärdienst Massnahmen verfügt, die Tierschützer haben Strafanzeige eingereicht. Auch die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG) hat nun sanktioniert.

Franz Gerber vom Arbeitsausschuss für Zuchtfragen (AAZ) sagte gestern auf Anfrage, dass Massnahmen ergriffen worden sind. Offenbar auf Antrag der Gesellschaft Weisse Schäferhunde Schweiz (GWS). Die Züchterin hält Schäferhunde und Border-Collies. Gabi Frei-Dora, Präsidentin der GWS, bestätigt: «Nachdem wir vom Vorfall erfahren hatten, haben wir sofort beschlossen, zu handeln. Deshalb haben wir bei der SKG Antrag um Zucht- und Halteverbot gestellt.» Die Massnahmen seien nun verfügt worden. Allerdings nur provisorisch; vorübergehend darf die Züchterin nicht mehr züchten und auch keine Werbung mehr machen.

«Eine solche Tierhaltung gehört verboten. Wir haben die Frau bereits aus unserer Züchterliste gelöscht», sagt Frei-Dora. Sie verteidigt auch die Zucht selbst. «So etwas ist bestimmt nicht in unserem Sinn. Ich hoffe, dass auch der Veterinärdienst letztlich ein Halte- und ein Zuchtverbot ausspricht.»

Umbau als Dauerausrede

Die Frage bleibt, wie lange die falsche Tierhaltung bestand. Die Züchterin selbst erklärte, wegen der Totalrenovation des Hauses, in welches sie und ihr Mann erst vor einem Jahr gezogen sind, und aus familiären Gründen habe man eine Notlösung suchen müssen. Gabi Frei-Dora allerdings weiss anderes zu berichten: «Der Umbau ist nur eine Dauerausrede. Alles nur Show. Auch wenn die Hunde nicht mehr eingesperrt sind – kaum interessiert der Fall nicht mehr, wird es wieder so schlimm wie vorher sein.»

Die GWS hatte bereits Ende 2010 Kontrollen gemacht und Missstände festgestellt. Zwar seien die Hunde beim Besuch nicht eingesperrt, aber die Boxen seien verdächtig platziert gewesen. Frei-Dora ist deshalb sicher: «Der Missstand bestand ganz sicher länger als von der Züchterin dargestellt.» Dennoch gibt auch sie zu, dass die Züchterin wahrscheinlich nicht immer falsch mit Tieren umgegangen sei.

«Es gab nur kleine Mängel»

Die GWS verurteilt die Haltung scharf. Anders klingt es aber beim zweiten betroffenen Zuchtverband, dem Border-Collie-Club Schweiz. Zuchtwartin Sandra von Erlach gibt zwar zu, dass die Tierhaltung im Keller sicherlich nicht ideal gewesen sei. «Aber was jetzt geschieht, ist eine Hetzkampagne. Die Frau arbeitet sehr erfolgreich, als Züchterin wie als Hundesporttrainerin.» Da gebe es viele Neider. Dass der Tierschutz Sturm läuft, überrasche nicht.

«Die wollen ein Exempel statuieren, aber das ist völlig unverhältnismässig.» Zu diesem Schluss kommt von Erlach, weil sie selbst mehrere Kontrollen durchgeführt hatte. Dabei sei ihr nichts Gravierendes aufgefallen. «Es gab nur kleine Mängel.» Sie ist überzeugt, dass die Züchterin gute Arbeit mit den Hunden leistet. Sie habe die Tiere selbst erlebt, sie seien gesund und glücklich. «Jetzt wird einfach aus etwas, das ein bisschen grösser ist als eine Maus, ein Elefant gemacht. Ein Tierhalteverbot ginge eindeutig zu weit.»

Der Border-Collie-Club habe entschieden, nichts zu unternehmen. Sandra von Erlach spricht sogar von einer Verbesserung zu früher, als die Züchterin noch in Arch wohnte. Dort habe es mehr zu beanstanden gegeben. Einmal habe die Züchterin zwei läufige Hündinnen zu deren Schutz in Transportboxen untergebracht. «Das habe ich ihr dann aber sofort untersagt.»