Wir alle zahlen mehr Strom, als wir wirklich nutzen können, denn das Netz liefert mehr Energie, als die Endgeräte zu Hause oder in der Firma benötigen. Zwischengeschaltete Stromspargeräte sollen künftig dafür sorgen, dass nur noch genau so viel Strom bezogen wird, wie auch gebraucht wird, anstatt dass die überschüssige Energie als Wärme verpufft. Die Stromrechnungen würden mit einem Schlag tiefer ausfallen, um genau denselben Anteil, wie auch der effektive Stromverbrauch abnimmt. Eine ältere Idee, auf deren Basis eine italienische Firma Maschinen entwickelt hat, mit denen sich laut Hersteller- und Verkäuferangaben mindestens 8 und im Bestfall bis zu 20 Prozent Energie sparen lassen. In bestimmten Fällen lassen sich sogar bis zu 25 Prozent einsparen. Die Fachhochschule Chur wird die installierten Anlagen prüfen und einen unabhängigen Messbericht erstellen. Es scheint, als könnte man eine Ergänzung zu bisherigen Energiesparmassnahmen gefunden haben.

Grenchner erhält Verkaufslizenz

Seit Oktober 2010 ist das erste Stromspargerät in Grenchen im Einsatz. In die Schweiz geholt hat es der Grenchner Salvi Donato, der sich für die Schweiz und Österreich die Exklusivverkaufsrechte der Firma «Energie Europa» aus Schio/Italien gesichert hat. Mittlerweile haben 11 Unternehmen aus der Region Geräte oder Anlagen von Donatos Handelsfirma Livarsa GmbH gekauft. Schweizweit sind bereits mehrere Verkaufsstellen sowie Installationsfirmen im Einsatz.

Salvatore Donato erklärt, wie das Energiespargerät funktioniert

Salvatore Donato erklärt, wie das Energiespargerät funktioniert

Weil die Stromspargeräte neu sind, wollte Donato erst einige Feldversuche abwarten. «Wobei die ursprünglichen Erwartungen, zwischen 5 und 8 Prozent Strom zu sparen, bei weitem übertroffen werden konnten.» Bei den Stromspargeräten namens «E-Power» sei ein Sparpotenzial von 8 bis 15 Prozent möglich, unter bestimmten Voraussetzungen auch mehr. Bei einem zweiten namens «E-Box», welches nur für Lichtanlagen nutzbar ist, bis 30 Prozent.

Kunden sind zufrieden

Stromspargeräte lassen sich in Privathaushalten ebenso wie im Gewerbe und in der Industrie installieren. Das kleinste Gerät kostet rund 4000 Franken, Industriebetriebe zahlen je nach Leistung schnell einmal über 50 000 Franken. Die Galvanik Vuilleumier AG in Grenchen hat ihr Gerät seit 10 Monaten im Einsatz. Die Erwartungen von Geschäftsleiter René Vuilleumier wurden erfüllt. Zwischen 8 und 13 Prozent Strom habe er sparen können. In Zeiten des Atomausstiegs und steigender Energiepreise müssten sich alle vermehrt Gedanken um die Zukunft machen, sagt Verkäufer Salvatore Donato. Das bestätigt Geschäftsleiter Paul Büetiger vom gleichnamigen Druckereiunternehmen in Biberist. Vor zwei Monaten wurden hier zwei grosse Anlagen installiert. Im ersten Monat wurde eine Einsparung von 8 Prozent, im zweiten von 13 Prozent verzeichnet. Paul Büetiger rechnet damit, dass sich die Investition von mehreren zehntausend Franken in 5 Jahren amortisiert hat. «Nebst dem Nachhaltigkeitsgedanken muss sich ein solches Modell für die Wirtschaft auch rechnen», erklärt er. Im Gegensatz zu alternativen Energiemodellen erreiche man den Break-even mit Stromgeräten viel schneller. René Vuilleumier schätzt sogar, dass sich seine Investition in zwei bis drei Jahren bereits auszahle.

Das kann auch viel kleineren Betrieben zugutekommen. Auch Unternehmen wie der Gassler Beck in Grenchen haben ein Gerät im Einsatz. Peter Gassler vervollständigt die positive Bilanz. Nach den ersten drei Monaten stellte er Stromeinsparungen von 11 Prozent fest.

Passend zur «Energiestadt»

Salvi Donato lässt die Geräte in der Region von seinem Installationspartner Oskar Schilt von der Schilt Elektro AG einbauen. Die beiden Grenchner Urgesteine sind überzeugt, dass die neue Technologie auch zur Uhrenstadt passt. Grenchen ist mit dem Label «Energiestadt» ausgezeichnet und im Bereich nachhaltiger Energiegewinnung mit Projekten wie dem geplanten Windpark auf dem Grenchenberg und der Solaranlage auf dem Flughafen vorne mit dabei. «Grenchen kann als Energiestadt mit der Inbetriebnahme des ersten ‹E-Powers› schweizweit eine Vorreiterrolle einnehmen», ist Oskar Schilt überzeugt. Bereits hat die Stadt in zwei Schulhäusern und in der Strassenbeleuchtung an der Neckarsulmstrasse Geräte installieren lassen.

Stadtpräsident Boris Banga freut sich über Donatos Erfolg. «Das Gerät passt in das High-Tech-Segment unserer Stadt. Und unsere energieintensiven Unternehmen sind daran interessiert, den Stromverbrauch zu drosseln.» Auch Banga selbst bot Hand und organisierte Donato den Kontakt ins Bundesamt für Energie. Dieses will gemeinsam mit dem Bundesamt für Strassen in der Region ein Pilotprojekt mit den Geräten starten. Worum es genau gehe, sei noch nicht spruchreif, erklärt Salvi Donato.