Stadtbummel Grenchen

Theatralische Stadt, selbstkritische Narren

Szene von der Premiere des «Theaters, Jawohl» im Theateratelier Gänggi.

Szene von der Premiere des «Theaters, Jawohl» im Theateratelier Gänggi.

«Theater, Theater» heisst ein Song von Katja Ebstein, in welchem sie der Faszination dieser Kunstform huldigt, wo sich Traum und Wirklichkeit die Hände geben. Oh glückliches Grenchen, möchte ich da einwerfen, das Du in den letzten acht Tagen diese Faszination gleich geballt erleben durftest.
Iris Minder und ihr «Theater Jawohl» haben die Zuschauenden auf eine berührende Reise in die 70-er Jahre mitgenommen und touren in Kürze selbst durch die Lande; die Schopfbühne stellte ihre neue Produktion «Du bisch nur zwei mal jung» vor, eine gelungene Komödie mit viel Witz und Tempo, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Sie wird noch bis anfangs Mai gespielt.

Im Parktheater gelangte eine spannende Politsatire zur Aufführung, in welcher ein einfacher Bürger den amerikanischen Präsidenten an den Rand des Wahnsinns drängt und im Kleintheater räsonierte Stefan Waghubinger humorvoll bis satirisch über Gott und die Welt. Schliesslich beehrten die Oltner Kabarett-Tage unsere Stadt mit den beiden kultigen «Alten» Straumann und Kauz.

Und es gibt noch eine gute Nachricht. Der Verein Freunde Freilichtspiele wird sich unter der Leitung von Stapo-Kommandant Christian Ambühl neu formieren. Die 10. Ausgabe der Freilichtspiele im nächsten Jahr scheint gesichert. Grenchen ist neben vielem anderen eben auch eine Theaterstadt. Es kommt nicht von ungefähr, dass in diesem Umfeld immer wieder Talente auffallen und von der Stadt auch geehrt werden. Die Bretter, die die Welt bedeuten, stehen in Grenchen wahrlich auf solidem Fundament.
Einem grossen Theater nicht unähnlich ist jeweils die Fasnacht. Auch hier geben sich ganz unterschiedliche Menschen die grösste Mühe, die Leute zu unterhalten. Und dies ist zu einem schönen Teil auch prächtig gelungen.

Selbstverständlich klappte nicht alles so, wie man sich das erdacht hatte. Allein, die ewigen Nörgeler, die zudem meist kaum etwas für die Allgemeinheit leisten, schon gar nicht unentgeltlich, können beruhigt sein. Die Närrinnen und Narren sind nämlich um einiges selbstkritischer als die angesprochene Miesepeter-Abteilung. Kurz nach den närrischen Tagen, wenn die Erinnerung noch frisch ist und doch bereits eine gewisse Distanz herrscht, trifft man sich zur «Uschotzete».

Hinter diesem etwas brachialen Begriff steckt die Zusammenkunft der Zünftler, in welcher Punkt für Punkt der Karneval noch einmal durchgegangen, Gutes gelobt, weniger Gelungenes in der Diskussion zur Verbesserung angemahnt wird. Dies geschieht jeweils in einer närrischen, aber auch durchaus wertschätzenden Art.

Und zum Schuss noch dies: Gar keinen Fehler haben Obergugger Mischu Baier und seine Sabine gemacht. Pünktlich zur Fasnacht konnten sie nämlich ihren Nachwuchs präsentieren. Fynn heisst der jüngste Narr. Ehrenobernarr Heinz Westreicher liess es sich nicht nehmen, ihn vor dem Umzug mittels humorvoll-rührigem Schnitzelbank in die karnevaleske Gesellschaft einzuführen.

Der Stadtbummler schliesst sich dem an: «Sei herzlich willkommen, lieber Fynn, im grossen Welttheater.»

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