Hoch oben auf dem Untergrenchenberg, auf rund 1306 Metern über Meer, thront sie, die Jura-Sternwarte. Der Platz wurde damals bewusst gewählt, um möglichst weit weg vom grössten Feind eines jeden Astronomen zu sein, den Lichtern der Stadt. Um dieses kleine Schmuckstück der eigenen Bevölkerung immer mal wieder in Erinnerung zu rufen, veranstaltete die Astrogruppe Jurasternwarte Grenchen (AJUG) am Samstag einen Tag der offenen Tür, bei dem Interessierte sowohl den Tag- als auch den Nachthimmel näher erklärt bekommen konnten.

Auch bei Regen interessant

Jedoch war Petrus den Astronomen am Wochenende nicht wirklich wohlgesinnt. Nebel, dicke Wolken und immer wiederkehrender Regenschauer machten den Himmelsforschern einen Strich durch die Rechnung. Entmutigen liess sich davon aber niemand, denn bei der AJUG hat man sich auch auf diesen Vorfall vorbereitet. Vereinsmitglied Franz Conrad führte die Besucher durch sein kleines Reich und versorgte sie dabei, mit viel Witz und fachkundigem Wissen, mit allerlei Informationen über Polarlichter, Sonnenfinsternisse und Sternenbilder.

Das Highlight des Rundgangs war dabei das Obergeschoss, welches die Teleskope beherbergt. Das Besondere: Anders als man es sich von Sternwarten gewohnt ist, überdeckt die heimische Beobachtungsstation keine Kuppel, sondern ein Schiebedach. Dieses lässt sich per Knopfdruck ausfahren, damit der Himmel seine Schätze preisgibt und diese in all ihrer Pracht erkundet werden können. So sieht es jedenfalls der Idealfall vor.

Doch am Samstag blieb es leider geschlossen. Denn bei diesen Wetterbedingungen wäre ohnehin nichts zu erspähen gewesen, und so sind wenigstens die teuren Instrumente im Trockenen geblieben. «Das Wetter können wir leider noch nicht beeinflussen», witzelte der Hobby-Astronom und nahm die Situation gelassen.

Monster-Teleskop

Die gewaltigste Maschine ist das Spiegelteleskop mit 6000 Millimeter Brennweite. Dieses Monstrum von einem Teleskop steht fest verankert auf einem Betonpfeiler, der durch die ganze Sternwarte hindurch reicht und das Gerät im Felsen fixiert. Der Zweck dieser Konstruktion besteht darin, die Stabilität zu gewährleisten. Denn die kleinste Erschütterung am Boden könnte ansonsten dazu führen, dass man sich bei der Beobachtung eines Sterns plötzlich an einem völlig anderen Ort des Universums wiederfindet.

Auch die Reparaturen werden von den Vereinsmitgliedern so gut es geht selbst erledigt. Denn gerade für kleinere Arbeiten lohnt es sich nicht, extra einen Spezialisten auf den Grenchenberg zu beordern. «Als Astronom muss man eben auch ein Generalist sein», sagt Conrad schmunzelnd.

Das Auge bleibt wichtig

Trotz hochmodernen Gerätschaften ist es auch heute noch essenziell für jeden Astronomen, dass er sich mit blossem Auge am Firmament auskennt. Denn andernfalls würde der ganze Charme des Hobbys verloren gehen. «Wenn ich mich nur via Computer am Himmel orientieren kann, dann kann ich genauso gut ins Internet gehen und mir die Bilder dort ansehen», sagt Conrad.