Grenchen

Taxibetreiber ist immer noch vernarrt in Autos

Urs Hänzi mit einem aktuellen Taxifahrzeug mit Hybridantrieb.

Urs Hänzi mit einem aktuellen Taxifahrzeug mit Hybridantrieb.

Das Jura-Taxi ist in Grenchen Chef auf dem Platz. Konkurrenz verspürt der Betrieb direkt kaum. Aber wegen die Zunahme des Angebotes im öffentlichen Verkehr hat Inhaber Urs Hänzi in den letzten Jahren das Geschäft stetig verkleinert.

Eigentlich lag dem Unternehmen «Jura-Taxi» die verrückte Idee von zwei Kollegen und ihren Frauen zugrunde, ein zweites Taxiunternehmen in der Region Grenchen auf die Beine zu stellen. Also gründeten die beiden Paare «Jura-Taxi» und begannen, mit zwei Fahrzeugen ihre Taxidienste in Grenchen und Umgebung anzubieten.

Anfänglich waren die Männer hauptberuflich beim Jura-Taxi tätig und die Frauen deckten die Freitage der Männer ab. Seit der Gründung sind 20 Jahre vergangen und Urs Hänzi betreibt Jura-Taxi jetzt als alleiniger Inhaber. Drei Personen sind fest angestellt, acht fahren Teilzeit.

Die Branche krankt

«Eine gesunde Konkurrenz ist nach wie vor gut fürs Geschäft», sagt Hänzi. Aber: «Die ganze Branche krankt.» In den grösseren Städten gebe es sehr viele Einzelfahrer, die auf den Markt drängten. «In Grenchen sind wir verschont: Unser Einzugsgebiet ist klein. Einzelfahrer gibt es nur vereinzelt und für Firmen wie ‹Uber› ist Grenchen uninteressant.»

Das Kundenpotenzial reiche aus, um das Geschäft profitabel zu halten. Aber, so Hänzi, seit etwa 10 Jahren sei das Geschäft rückläufig. Nicht etwa wegen der Konkurrenz anderer Taxiunternehmen. Es sei eher der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der den Taxis die Kunden «stiehlt»: «Mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs rund um ‹Bahn 2000› wurden die Frequenzen des öVs in der Region gesteigert, zum Teil sogar verdoppelt. Dann begann man, beim Bus den Nachtbetrieb auszubauen, zuerst im Osten der Stadt, später auf dem ganzen Stadtgebiet. Und ältere Menschen oder Patienten greifen heute auch auf Rot-Kreuz-Fahrten zurück, wenn sie zum Arzt müssen», so Hänzi.

Er sei zwar froh, dass ein Grossteil seiner Kundschaft aus Stammkunden bestehe – darunter auch viele Schüler-Sammelfahrten – aber der Druck sei spürbar geworden. Der Rücklauf erfordere Anpassungen. Beispielsweise stelle man weniger Personal an und sei bestrebt, die Kosten im Griff zu haben. Es sei aber auch schwieriger geworden, gute Fahrer zu finden. Für männliche Studenten war Taxifahren der Nebenjob schlechthin – bis vor etwa 10 Jahren, jetzt seien die Hürden zu hoch. Das Team, das momentan bei ihm arbeite, sei allerdings ausgezeichnet, sagt Hänzi stolz.

Die Zukunft abzuschätzen sei schwierig, sagt Hänzi. Grenchen sei gegenüber den grossen Städten im Vorteil, wie bereits erwähnt. Aber dennoch sei es notwendig, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. «Als wir mit unserem Unternehmen starteten, gab es noch kein Internet und auf den Telefonbucheintrag wartete man ein halbes Jahr. Jetzt geht einfach alles viel schneller. Darum: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit», sagt Hänzi schmunzelnd.

Ein Autonarr geblieben

Hänzi repariert grösstenteils seine Fahrzeuge selber. Zwar ist er nicht gelernter Automechaniker, aber seit seiner Jugend ein Autonarr. Nebst den Besuchen auf der Rennstrecke in Lignières, wo sie sich das fahrerische Können aneigneten, schraubten er und seine Kollegen an Autos, machten fahruntüchtige Wagen wieder fit, zumindest für die Rennstrecke. «Das Fahren auf der Rennstrecke, wo es niemals grobe Unfälle, höchstens mal Blechschaden gab, war die beste Schule für den Strassenverkehr. Es öffnet einem den Blickwinkel für mögliche Gefahren ungemein und man bekommt auch ein Gefühl dafür, wie der Wagen reagiert.»

Inzwischen schraubt Hänzi an diversen Liebhaber-Oldtimern, wie zum Beispiel an zwei alten Mercedes E-Klasse, dieselben Typen, die er auch bei Jura-Taxi im Einsatz hatte. «Jura 3» nahm er mit 830 000 Kilometern ausser Betrieb, ein weiterer Mercedes E mit rund 500 000 Kilometern bleibt als Ersatzfahrzeug in der Flotte.

Neu hat Hänzi zwei «Toyota Prius Plus Hybrid» angeschafft, beide leichte und zuverlässige Kompakt-Kombis, die bei der Kundschaft grossen Anklang finden, wie Hänzi sagt. Vor allem sei es dadurch gelungen, die Betriebskosten zu senken, da der Benzinverbrauch sehr niedrig sei und die Fahrzeuge äusserst zuverlässig seien. «Eine Option für die Zukunft wäre der Tesla, nur sind die aktuellen Fahrzeuge zu klein. Unsere Fahrzeuge bieten sieben Plätze, und ein solches Fahrzeug führt Tesla noch nicht im Sortiment. Im Moment sind wir sehr zufrieden mit den Prius, die genau unseren Bedürfnissen entsprechen.»

Die lange Fahrt ins Elsass

Meist sind seine Fahrzeuge in Grenchen und der näheren Umgebung anzutreffen. Die längste Fahrt allerdings habe er noch mit einem Mercedes E gemacht: «Während der Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz kam eine Gruppe Franzosen mit dem Flugzeug von Colmar her nach Grenchen. Ich fuhr sie nach Bern. Kaum zurück in Grenchen, erhielt ich einen Anruf der Piloten: Weil der Luftraum nachts gesperrt sei, müssten sie wieder umgehend nach Grenchen zurückgebracht werden, um noch rechtzeitig starten zu können. Also holte ich sie in Bern ab, sie flogen weg und verpassten den Match. Ich aber wurde aufgeboten, ihre sechs Passagiere nach dem Spiel in Bern abzuholen und direkt nach Colmar zu bringen.»

Auch Unangenehmes hat Hänzi erlebt: Zweimal bisher wurden Jura-Taxis überfallen, einmal war er selber am Steuer und konnte den einen Räuber festhalten, ihm die Jacke entreissen und später identifizieren. «Danach hatte ich noch lange grosses Misstrauen und behielt den Pfefferspray noch jahrelang in der Hand.» Und erst letzten September wurde einer seiner Fahrer überfallen, allerdings konnte er die Angreifer in die Flucht schlagen.

Am kommenden Samstag öffnet Jura-Taxi nun seine Halle an der Maienstrasse 16 für die Kundschaft bei einem «Tag der offenen Tür», um das 20-Jahr-Jubiläum zu feiern.

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