Grenchen
Tagesstruktur-Leiterin: «Die Eltern verstehen die Problematik»

«Wir sind sozusagen ausgebucht», sagt Katrin Müller, die das Tagesstrukturen- Zentrum TAZ im Schulhaus 2 von Grenchen seit dreieinhalb Jahren leitet. Der Zulauf ist so gross,dass wegen der neuen Finanzierung die Tarife leicht erhöht werden müssen.

Oliver Menge
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Freut sich über den grossen Zulauf: TAZ-Leiterin Katrin Müller. om

Freut sich über den grossen Zulauf: TAZ-Leiterin Katrin Müller. om

Solothurner Zeitung

Mit sieben weiteren Frauen aus Grenchen und der näheren Umgebung teilt sich Katrin Müller die rund 170 Stellenprozente für Morgentisch und Nachmittagsbetreuung, welche es benötigt, um die familienergänzende Kinderbetreuung für Schülerinnen und Schüler von der 1. bis 6. Klasse in den TAZ wahrzunehmen.

Ausserhalb der Unterrichtszeiten können Eltern ihre Kinder dort betreuen lassen - am Morgen beim sogenannten Morgentisch in Lindenhaus, wo die Kinder ab 6.30 Uhr zusammen frühstücken und in den Tag starten können; am Mittagstisch, ebenfalls im Lindenhaus (aber unter separater Leitung), und jeden Nachmittag im Schülerhort im Schulhaus 2 in drei Blöcken von 13.30 Uhr bis 18.00 Uhr. Der Morgentisch bietet 10 Plätze.

Die Kinder können am Mittag im Lindenhaus zusammen gemütlich Zmittag essen. Den Nachmittag können sie im Schülerhort verbringen. Zuerst machen sie die Hausaufgaben, danach gibt es viel Zeit für freies und geführtes Spiel. Der Nachmittag ist in drei unterschiedlich lange Blöcke unterteilt. «Wir betreuen maximal 30 Kinder aufs Mal, mehr liegt vom Platzangebot und unseren Betreuungsmöglichkeiten nicht drin.» Die Nachmittage seien sehr gut besucht, erklärt sie, aber es gebe - ausser für den schulfreien Mittwochnachmittag - noch einzelne freie Plätze im ersten Block.

Für Mittwoch bestehe eine Warteliste, wie auch für den grössten Nachmittagsblock an den meisten Wochentagen, erklärt Katrin Müller: «Die Hausaufgabenhilfe ist sehr beliebt und sehr gefragt. Wir werden öfters von Eltern angefragt, ob wir auch Nachhilfeunterricht erteilen, aber das übersteigt unsere Kapazitäten.» Freies und geführtes Spiel haben ihren festen Platz und seien äusserst wichtig für die Kindsentwicklung.

Gestiegene Anforderungen

Die Anforderungen an die pädagogisch ausgebildeten und erfahrenen Betreuerinnen seien in den letzten Jahren gestiegen, erklärt Katrin Müller. «Es scheint im Trend zu liegen, dass vermehrt schulschwächere Kinder und solche mit Defiziten in Sozialkompetenz mit dem Hintergedanken angemeldet werden, sich hier darin zu üben.» Sie und ihr Team versuchten, den Kindern beizubringen, wie man miteinander umgeht, eine gute Streitkultur pflegt und Differenzen bereinigt. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Eltern sei eine sprachliche Herausforderung: «Wir haben beispielsweise vermehrt Kinder albanischsprachiger Eltern. Um die Zusammenarbeit zu verbessern, habe ich versuchsweise gewisse Dokumente auf Albanisch übersetzen lassen, und gute Erfahrungen gemacht.»

Die Zeiten für die Betreuung im Schülerhort zeitgleich mit neuen Tarifen angepasst. «Viele Schüler haben neu bis 16 Uhr Schule. Darum haben wir die Zeit für Hausaufgabenhilfe um eine halbe Stunde verlängert. Neu ist auch ein gestaffeltes Nachhausegehen möglich. «Wir wollen unsere Qualität überprüfen und ich habe vor, zu diesem Zweck Fragebögen für die Eltern, die Kinder und das Lehrpersonal zu verschicken. Die Umfrage soll Anfang 2012 stattfinden, die ersten Resultate könnten wir dann Ende Schuljahr vor den Sommerferien präsentieren», erzählt die Leiterin.

Moderat erhöhte Elternbeiträge

«Die Elternbeiträge waren bisher sehr niedrig», sagt Müller. Das ist der eine Grund für die vom Gemeinderat beschlossene Anpassung der Betreuungskosten per 1. März 2012. Der andere Grund ist der Wegfall der Bundesfinanzhilfe nach drei Jahren. «Um erneut in den Genuss der Startfinanzierung durch den Bund zu kommen, müssten wir unser Angebot stark ausbauen», erklärt Leiterin Katrin Müller.
Daraus ergibt sich eine moderate Erhöhung der Elternbeiträge an die Betreuung, diese wird aufgrund des versteuerten Einkommens sozial gerecht gestaffelt festgelegt. Den Rest übernimmt die Stadt. «Aufgrund der neuen Tarife mussten wir alle Verträge mit den Eltern per 1. März künden und sie müssen sich neu anmelden», erklärt die Leiterin der TAZ. Der Rücklauf sei sehr gut und die meisten Plätze für nächstes Jahr seien bereits ausgebucht, meint sie. «Es gibt wahrscheinlich keine grossen Änderungen, die Eltern haben die Problematik verstanden und akzeptieren die neuen Tarife».