Tag der offenen Tür
Aus dem historischen Pieterler Pfarrhaus wurde eine Kita

Zum Tag der offenen Tür kamen viele Interessierte, um zu schauen, wie sich das Innere des ehemaligen Pfarrhauses in Pieterlen verändert hat

Anke Eckardt
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Architekt Andreas Schmid, KITA-Leiterin Ursula Hari Keller und Gemeinderat Heinrich Sgier vor dem ehemaligen Pfarrhaus

Architekt Andreas Schmid, KITA-Leiterin Ursula Hari Keller und Gemeinderat Heinrich Sgier vor dem ehemaligen Pfarrhaus

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Kürzlich hatte die Bevölkerung von Pieterlen Gelegenheit, in die neugestalteten Räume des Pfarrhauses hineinzuschauen. Interessiert betrachteten die Besucher sämtliche Räume, bis hin zum riesigen Estrich oder dem kühlen Gewölbekeller.

In jedem Raum gab es ein Plakat, welches darauf verwies, was hier gespielt wird, bzw. welche Entwicklungsziele angestrebt werden. Im Garten staunten die Kinder über die Riesenseifenblasen, die der Auszubildende Asso Husseini mit einfachen Mitteln fabrizierte. Beim Schminkposten konnten sich die jüngsten Besucher phantasievoll das Gesicht bemalen lassen. Wer selbst kreativ werden wollte, durfte etwas auf einen Balken zeichnen, der dann im Garten aufgestellt wird.

Offizieller Festakt mit geladenen Gästen

Seit November 2019 beherbergt das historische Gebäude die jüngsten Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes, die die KITA Luna besuchen. Die Einweihung war eigentlich bereits vor einem Jahr vorgesehen, aber durch Corona musste der Anlass verschoben werden. Dies tat dem Interesse und den Aktivitäten anlässlich der Feier keinen Abbruch.

Mit musikalischen Beiträgen der international bekannten Klarinettistin Juno Otani Mast und dem Querflötisten Beda Mast begann am Morgen der Programmteil für die geladenen Gäste vor der grosszügigen Freitreppe des 344 Jahre alten Hauses. Gemeinderat Heinrich Sgier, während der gesamten Projektzeit Vorsitzender der Spezialkommission, berichtete von den finanziellen und technischen Herausforderungen, die der Umbau dieses unter Denkmalsschutz stehenden Gebäudes mit sich gebracht hat.

Kredit von 2,1 Millionen quasi eingehalten

Zahlreiche Kompromisse wurden gesucht und gefunden. Immer wieder mussten Abstriche beim Gewünschten gemacht werden. Vieles fand aber Gehör und wurde umgesetzt. Zum Schluss beliefen sich die Überschreitung des Kredites von 2,1 Millionen Franken für Kauf und Umbau des Hauses auf nur gerade 1100 Franken.

In ihrer Dankesrede betont KITA-Leiterin Ursula Hari Keller, das es in der Einrichtung um die professionelle Betreuung und Begleitung der Kinder geht. «Was ist wichtig für die ganz kleinen Kinder, da fängt das Leben an!», meint die engagierte Frau, die seit knapp 20 Jahren die Leitung inne hat. Im kommenden Jahr wird die 64-jährige pensioniert. Seit Frühling 2020 arbeitet sie mit ihrer Nachfolgerin, Claudia Storni, in Co-Leitung.

Klarinettistin Juno Otani Mast und Querflötisten Beda Mast zu Beginn des Festes

Klarinettistin Juno Otani Mast und Querflötisten Beda Mast zu Beginn des Festes

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Rückblick auf die Entstehungsgeschichte

2005 beschloss der Kanton, die in seinem Besitz befindlichen Pfarrhäuser zu verkaufen. Die Reformierte Kirchgemeinde Pieterlen-Meinisberg erhielt das Angebot, die Wohnstätte ihres Pfarrers zu erwerben. Für diese wäre der Kauf noch finanziell tragbar gewesen. Um das Haus aber sinnvoll nutzen zu können, hätten Investitionen in bauliche Massnahmen erfolgen müssen, die für die Kirchgemeinde nicht möglich waren. So trat der Kirchgemeinderat im Mai 2014 an die Behörden und die Bevölkerung von Pieterlen heran, um nach einer geeigneten Nutzungslösung für das Pfarrhaus zu suchen. Der Tenor lag dabei darauf, dass das Gebäude, welches sich im historisch Ortsteil von Pieterlen befindet, möglichst in öffentlicher Hand bleiben sollte.

Parallel dazu erstellte die damalige Geschäftsprüfungskommission einen Bericht über die zum Teil schwierige Situation hinsichtlich der Platzverhältnisse in der KITA Luna. Der Gemeinderat begann sich deshalb in den darauffolgenden Jahren damit auseinanderzusetzen, das Pfarrhaus zum Zweck der Nutzung für die KITA zu erwerben. Herausforderungen beim Umbau Im Februar 2017 erhielt der Gemeinderat an der Urne die Genehmigung der Bevölkerung für die Kreditaufnahme zwecks Kauf und Umbau des Pfarrhauses.

Anspruchsvolle Bauarbeiten

Bereits im November des gleichen Jahres begannen die Bauarbeiten. Im Ökonomieteil, welcher von unten bis zum Dachgeschoss einen einzigen, 10 Meter hohen, dunklen Raum bildete, wurde ein dreigeschossiger, turmartiger Holzbau errichtet. Dadurch mussten an der Fassade des Hauses fast keine Veränderungen vorgenommen werden. Innen entstanden auf jeder Etage zwei gut isolierte Räume mit angenehmer Atmosphäre.

Für den nötigen Lichteinfall sollten in die bis dahin unberührte westliche Wand des Hauses acht Fenster integriert werden. «Im Nachhinein ein Loch in dieses ein Meter dicke Mauerwerk aus Bruchgestein hineinzubringen, ist sehr schwierig, denn deren Stabilität könnte nicht mehr gewährleistet werden», meint der für den Umbau verantwortliche Architekt Andreas Schmid von co.architekten Bern. Deshalb erfolgte nun bei jedem Fenster in sieben Etappen ein Öffnungsprozess mit stetigem Wechsel von Bohren und Stabilisieren bzw. Sichern.

Nervige Elterntaxis

Pro Tag werden jetzt 30 Kinder zwischen drei Monaten und fünf Jahren in zwei altersdurchmischten und einer Babygruppe betreut. Insgesamt sind es im Moment 52 Kinder. Gemüse aus dem eigenen Garten Eine weitere wesentliche Verbesserung zum vorherigen KITA-Standort bieten den Kindern und den Mitarbeitenden der grosszügige Umschwung und die Nähe des Waldes. Einen Wermutstropfen gibt es gleichwohl am neuen Standort; die Lage an einer engen Quartiersstrasse. Während der Bring- und Holzeiten der Kinder ist hier nun wesentlich mehr motorisierter Verkehr unterwegs, der sich selber zum Teil ziemlich in die Quere kommt und die Anwohner nicht gerade erfreut.