Walter Neuhaus nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette und stösst anschliessend einen langen Seufzer aus. «Es ist bald nicht mehr schön hier in Grenchen», hält der ältere Herr resigniert fest. Seit 2009 führt seine Schwester Liselotte den Kiosk Palace an der Centralstrasse.

Ihr Bruder unterstützt sie dabei nach Kräften und hilft im Laden aus, wann immer er kann. Die Geschäfte laufen grundsätzlich gut. «Im letzten Monat hatten wir dank dem Lottoboom besonders viel Kundschaft», erinnert sich der Bruder. Doch leicht hat es Liselotte Neuhaus mit ihrem Kiosk trotzdem nicht. Insgesamt neun Mal versuchten Ganoven in den vergangenen 8 Jahren, ins Geschäft einzubrechen – glücklicherweise nicht immer mit Erfolg.

Manchmal scheiterten sie an der Türe, oder beim Versuch den Rollladen aufzukriegen. «Es fehlt dann zwar nichts, aber den Schaden hat man trotzdem», so Walter Neuhaus.

Schöne Bescherung

Der letzte gelungene Einbruch erfolgte erst kürzlich vor Weihnachten. Die massive Türe wurde dabei brachial aufgebrochen. Neuhaus vermutet, dass die Täter dafür einen Geissfuss verwendet haben. «Die haben richtig gemurkst, alles war völlig verbogen», erklärt er und zeigt auf das Türschloss. Dank einer aufmerksamen Anwohnerin erschien die Polizei zwar noch, währenddem die Einbrecher am Werk waren.

Dennoch gelang ihnen die Flucht. «Das waren organisierte Verbrecher, die sich ausserdem hier auskannten», ist Neuhaus überzeugt, «ansonsten hätte die nicht alle entwischen können.» Dafür haben die Täter auf der überstürzten Flucht noch ein regelrechtes Chaos hinterlassen.

Vor dem Kiosk lagen noch rund 200 Zigarettenpäckchen und etwa 50 weitere fand man verstreut auf dem Weg zum Parkplatz, wo wahrscheinlich der Fluchtwagen stand. «Die Stangen konnten sie schnell in den Sack packen, doch für die einzelnen Päckchen reichte wohl die Zeit nicht mehr», erzählt Neuhaus.

Erst im letzten Februar wurde die neue, verstärkte Türe für rund 5000 Franken montiert. Denn kurz zuvor – am Fasnachtsmontag – ereignete sich der schlimmste Diebstahl in der Geschichte des Kiosks. «Die Einbrecher konnten sich damals Zeit lassen, denn niemand störte sie bei ihrer Tat», so Neuhaus. Gestohlen wird immer dasselbe – Tabakware und Spiellose. Der Kiosk von Liselotte Neuhaus führte bisher besonders viele Zigarettenmarken, um den unterschiedlichen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden.

Allein das Verkaufsregal bietet Platz für eine Gesamtmenge von 200 Stangen Zigaretten und im Lager türmen sich nochmals rund 125 Stück. «Da beläuft sich der Warenwert schnell mal auf über 20 000 Franken», erklärt der Bruder der Inhaberin. Die Schadenskosten, welche durch den gewaltsamen Eintritt verursacht werden, sind da noch nicht miteinberechnet.

«Das nagt an der Existenz, denn die Versicherung zahlt natürlich nicht alles», erklärt Neuhaus. Hinzu kommen weitere Investitionskosten. So braucht der Kiosk schon wieder eine neue Türe, welche diesmal noch sicherer ist.

Schlimm genug, dass die Täter nicht gefasst werden. Ärgerlich sind aber auch die ganzen Umstände, bis man die geklaute Ware wieder ersetzt hat. Schliesslich möchte die Kundschaft auch weiterhin ihre Produkte beziehen – unabhängig vom Einbruch.

Tabaklager wird verkleinert

Das Geschwisterpaar zieht nun die Konsequenzen. «Wir werden das Tabaklager künftig verkleinern», sagt Neuhaus. Auch werde nicht mehr so häufig wie bisher neue Ware nachbestellt werden, um den Dieben weniger Anreiz zu bieten.

Noch denkt zwar niemand ans Aufgeben beim Kiosk Palace an der Centralstrasse. Neuhaus hält aber auch fest, dass die ganzen Vorkommnisse die Freude am Weitermachen ziemlich stark mindern.