Flughafen Grenchen

System statt Fluglotsen? Skyguide-Projekt wird vorerst verschoben

Werden auch in ein paar Jahren noch Fluglotsen den Flugbetrieb auf dem Flughafen Grenchen leiten? Oder wird man sich das schlicht nicht mehr leisten können?

Werden auch in ein paar Jahren noch Fluglotsen den Flugbetrieb auf dem Flughafen Grenchen leiten? Oder wird man sich das schlicht nicht mehr leisten können?

Noch ist völlig unklar, ob der Tower in Grenchen auch in ein paar Jahren noch besetzt ist. Ein Pilotprojekt soll die Möglichkeiten aufzeigen, wie man die Präsenzzeiten im Tower reduzieren könnte – zunächst in den Randzeiten.

Im Frühling wurde bekannt, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl den Regionalflughafen Grenchen dazu bestimmt hat, ein Pilotprojekt durchzuführen, um die sicherheitstechnische Machbarkeit von An- und Abflügen im Instrumentenflugverfahren ohne Fluglotsendienst zu prüfen.

Der Kontrollturm des Flughafens wäre demnach täglich von 8 bis 18 Uhr mit Fluglotsen besetzt, an den Randzeiten nicht mehr. In diesen Randzeiten von 6 bis 8 Uhr und nach 18 Uhr bis 21 Uhr wären die Piloten auf sich alleine gestellt, wie dies bei unkontrollierten Flugplätzen (Birrfeld, Langenthal, Kappelen etc.) der Fall ist.

Will heissen: Sowohl Flugoperationen im Instrumentenflug IFR (entsprechend ausgerüstete Maschinen) sowie Flüge im Sichtflug VFR (kleine Sport- und Freizeitflieger) melden sich auf der gleichen Funkfrequenz, starten und landen dann aber in Eigenregie, ohne von Fluglotsen geleitet zu werden.

Grund ist laut Vladi Barrosa, Mediensprecher der Skyguide, welche für die Flugsicherung im schweizerischen Luftraum zuständig ist, die Einführung von Instrumentengesteuerten An- und Abflügen im Luftraum G. Das ist der Luftraum mit einer niedrigen Flughöhe, in der sich auch Flugzeuge im Sichtflug bewegen.

Der Sicherheitsbericht der Skyguide fehlt noch

Vorgesehen war, am 13. Oktober den Versuch zu starten und den Tower des Regionalflughafens Grenchen RFP mit den verkürzten Präsenzzeiten der Skyguide-Mitarbeiter zu betreiben. Zu diesem Zweck verlangte das Bazl sowohl vom RFP wie von Skyguide einen unabhängigen Sicherheitsbericht, ein so genanntes safety assessment.

Die RFP führte im Januar unter der Leitung des Grenchner Projektleiters René Meier die entsprechenden Workshops an zwei Tagen durch und lieferte laut Flughafendirektor Ernest Oggier den Bericht im Juli ab.

Das safety assessment von Skyguide allerdings ist noch ausstehend. Die Fluglotsen am Flughafen Bern nehmen schon heute die Luftraumzuweisung von und nach Grenchen vor, wenn der Tower in Grenchen nicht besetzt ist. Sie müssen aber für das neue System noch ein Differenz-Training im Tower Simulator in Genf absolvieren.

Der Simulator ist erst im November für diese zusätzlichen Ausbildungs- und Teststunden frei, wie Oggier sagt. Zudem muss der Flughafen Grenchen auch noch zusätzliches Personal rekrutieren und ausbilden.

Auch Barrosa bestätigt auf Anfrage, dass Skyguide in Grenchen noch Sicherheitsüberprüfungen machen muss, um vom Bazl grünes Licht zu bekommen. Das Pilotprojekt wurde aus diesem Grund auf nächsten Frühling verschoben. Er wird nun zusätzlich überlagert durch einen Sparauftrag, den der Bund indirekt den Schweizer Regionalflughäfen aufgebrummt hat.

Grenchen ist nur bedingt für unkontrollierte Anflüge geeignet

Der Regionalflughafen Grenchen mit seinen komplexen Abläufen eigne sich im Grunde nur bedingt für eine Umstellung auf unkontrollierte Anflüge, so Oggier. Zwar sei man technisch bereit und entsprechend ausgerüstet. 

Aber zum einen ist Grenchen mit Swiss aviation training (SAT) – neben den vielen anderen Flugschulen – immer noch der einzige Ausbildungsflughafen der Swiss in der Schweiz und will das auch bleiben.

Dass bei einem Betrieb mit besetztem Tower die jungen Piloten auch lernen können, sich mit der Flugsicherung zu verständigen, liegt auf der Hand. Ein besetzter Tower ist damit Teil der Ausbildungsinfrastruktur. Ausserdem, so Oggier, will auch die Lufthansa, deren Tochter die Swiss ist, nur noch an drei Orten weltweit die Grundausbildung all ihrer Piloten vornehmen: in Bremen, Phoenix (Arizona) und – in Grenchen. Ohne Grenchen ginge diese Ausbildungskompetenz ans Ausland verloren.

Ungewisse Zukunft – noch ist völlig unklar, was entschieden wird

Zum anderen verzeichnet man in Grenchen – trotz eines erneuten Rückgangs – immer noch die meisten Flugbewegungen aller Regionalflughäfen der Schweiz. «Beide Systeme, ob nun geführt durch Fluglotsen im Tower oder per Instrumentenflug, sind sicher.

Die Probleme liegen beim Übergang vom einen zum anderen», erklärt ein Skyguide-Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Also just zu den Zeiten am Abend, wenn nebst den Freizeitfliegern, Fallschirmspringern und Segelfliegern über Grenchen auch einzelne Business-Jets wieder in Grenchen landen wollen und die Skyguide-Mitarbeiter Feierabend machen sollen.

Weder die Kostenfrage noch das Einsparpotenzial sind gelöst. Selbst für Skyguide Mediensprecher Barrosa ist unklar, was künftig in Grenchen passiert, entschieden sei noch gar nichts.

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