Die Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn ist mit 642 000 (davon 38 000 im Kanton Solothurn) Mitgliedern die grösste Landeskirche der Schweiz. Sie wird zurzeit von Robert Gerber präsidiert.

Der Polizeikommandant von Grenchen steht einem 200-köpfigen Rat vor, der sich zwei Mal jährlich im Berner Rathaus zu einer in der Regel zweitägigen Session trifft. So auch wieder diese Woche.

Zuerst die Instruktion

An diesem ersten Tag der Wintersession ist Gerber früh unterwegs, denn weil im Grossratssaal eine neue Abstimmungsanlage installiert wurde, will er nichts dem Zufall überlassen und sich zuerst daran instruieren lassen. Ein Abstimmungschaos in einem Parlament, das so gross ist, wie der Nationalrat, würde wohl nicht goutiert.

Im um 7.30 Uhr noch leeren Ratssaal verteilen Mitarbeiter der Kirchenverwaltung Unterlagen, darunter auch Notenblätter. An der Andacht vor der Sitzung und dem Singen eines Adventsliedes merkt man, dass man es mit einem Kirchenparlament zu tun hat. Ansonsten läuft der Ratsbetrieb genau gleich ab, wie anderswo. Die Verhandlungen sind zweisprachig und werden simultan übersetzt.

Erfahrung mit Ratsbetrieb

Im Kirchenparlament gibt es sechs Fraktionen. Gerber, der selber der Liberalen Fraktion angehört, ist seit 2002 Kirchenparlamentarier oder «Synodaler». Nach zwei Jahren auf dem Vizepräsidentenstuhl konnte er vor einem Jahr auf den obersten Platz vorrücken. Dass ein Solothurner dieses Amt erklimmt, ist selten, denn die Kirche des oberen Kantonsteils (nur sie gehört zur Berner Kirche) stellt nur 12 Synodale. In der Nächsten Legislatur, werden es sogar nur noch elf sein.

Die Arbeit in der Kirchenbehörde scheint Gerber zu behagen. Routiniert führt der Polizeichef durch die befrachtete Traktandenliste, die an diesem Tag 29 Positionen umfasst. Immerhin war er mehrere Jahre Gemeinderat und auch vier Jahre Gemeindepräsident in Rubigen sowie zwei Jahre Solothurner Kantonsrat. Im Gespräch lässt er durchblicken, dass er nach Ablauf der zweijährigen Präsidiumsphase nochmals als Synodedelegierter kandidieren möchte. «Am liebsten würde ich nochmals in der Finanzkommission mitarbeiten», meint der 60-Jährige, der aus dem Berner Oberland stammt.

Finanzfragen werden die Berner Kirche in den nächsten Jahren in der Tat intensiv beschäftigen. Das wurde spätestens klar, als der Kirchendirektor und Regierungspräsident Christoph Neuhaus an diesem Morgen das Wort an die Synode richtete. Hat doch der bernische Grosse Rat beschlossen, bei den Pfarrergehältern bereits 2014 2 Mio. Fr. einzusparen und in den kommenden Jahren weitere drei Millionen. Ob man künftig so noch alle Pfarrstellen besetzen könne, sei offen, meinte Neuhaus deshalb. «Wir müssen 28 Stellen einsparen.» (vgl. Bericht in der gestrigen Ausgabe)

Von diesen Problemen ist die Solothurner Kirche nicht direkt betroffen, werden hier doch die Pfarrer nicht vom Kanton bezahlt. «Da im Kanton Solothurn einiges anders geregelt ist, braucht es eine Koordinationsplattform», erklärt Gerber. Einerseits spreche man sich unter den 12 Solothurner Vertretern über die Fraktionsgrenzen hinweg ab, anderseits bestehe ein Kontaktgremium mit anderen Berner Vertretern, wo Solothurn seine Belange einbringen könne. «Im Gegensatz zu früher funktioniert das heute gut», meint Gerber.

Sonderfall Solothurn

Grundsätzlich zeigt sich Gerber für die (finanzielle) Zukunft der Kirche nicht pessimistisch. «Die Strukturen haben wir schon ziemlich verschlankt.» Auch sei man, zumindest im Kanton Solothurn, vor grösseren Überraschungen gefeit. Dies, da sich über die Steuererträge der Gemeinden Rückgänge von Erträgen rechtzeitig abzeichnen.

Allerdings brauche es weitere Anpassungen. «Wir versuchen als Kirche auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen und verzetteln dabei unsere Kräfte.» Es brauche die vermehrte Setzung von Prioritäten. Zudem müssten Wege gefunden werden, dass sich wieder jüngere Menschen in der Kirche engagieren. «Die Gesprächssynode vom Frühjahr in Grenchen hat hier einiges ins Rollen gebracht», so Gerber.

Zurück im Ratssaal. Inzwischen ist eine elfköpfige Delegation aus Grenchen, mehrheitlich ältere Frauen, auf der Besuchertribüne des Berner Rathauses eingetroffen, um «ihrem» Präsidenten die Aufwartung zu machen und den Verlauf einer Synodesitzung zu verfolgen.

Markus M. Müller vereidigt

Nebst der Behandlung des Budgets 2014 und des Finanzplans konnte die Synode an diesem Tag auch endgültig Abschiednehmen vom Kirchenzentrum Gwatt am Thunersee, dessen Verkauf hier vor 12 Jahren beschlossen wurde. Ein Grossteil des Verkaufspreises wird durch eine Altlastensanierung wieder aufgefressen, wie die Synodalen erfahren mussten.

Anderseits konnte auch die Schlussabrechnung für das neue «Haus der Kirche» (Verwaltungszentrum) mit einem geringen Nachtragskredit genehmigt werden. Auch konnte Gerber insgesamt neun neue Synodemitglieder vereidigen, oder «in Pflicht nehmen», wie es in der Kirche heisst – darunter auch den Solothurner Vertreter Markus M. Müller.